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Netzgeflüster Nerdcore vs. Euroweb
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Nerdcore vs. Euroweb
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12:56 20.01.2011
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Der Nerdcore, eines der mit rund 700.000 Besuchern pro Monat populärsten deutschen Blogs, war plötzlich offline. Und schnell sprach sich im Netz herum, dass Schuld daran ein Rechtsstreit sei zwischen dem Blog-Betreiber René Walter und der Düsseldorfer Internetfirma Euroweb.

Der Nerdcore Walter hatte zuvor in einem Text die Geschäftspraktiken von Euroweb rüde kritisiert. Das Unternehmen hatte daraufhin eine Unterlassung verlangt, anschließend Walter abgemahnt. Und, als der offenbar immer noch nicht reagierte, gegen ihn geklagt, das Verfahren gewonnen. Und nun als wohl allerletzten Schritt die Domain Nerdcore.de kurzerhand pfänden lassen.

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In einer Stellungnahme schreibt dazu Euroweb: „Nachdem die Kosten eines gegen Euroweb verlorenen Prozesses durch den Kostenschuldner nicht innerhalb angemessener Frist erstattet wurden, hat Euroweb statt der Kosten nunmehr die Domain nerdcore rechtmäßig im Rahmen der Zwangsvollstreckung übertragen bekommen.“ Und will sie offenbar bei eBay verkaufen. „Die Einnahmen aus der Versteigerung gehen zu 50% an Wikipedia und zu 50% an freischreiber e.V.“ Wobei letzteres ein Netzportal für freie Journalisten ist, das bereits erklärt hat, dass es das Geld nicht annehmen werde. Ähnliche Überlegungen gibt es auch bei Wikipedia.

Denn Euroweb ist zwar eindeutig im Recht, hat sich durch dieses ungewöhnliche Vorgehen aber nicht nur viele Feinde gemacht, sondern auch einen herben Imageverlust punktgenau erzielt. So fragt man sich beispielsweise, warum sie nicht einfach die Angelegenheit einem Gerichtsvollzieher übergeben und stattdessen die Blogadresse gepfändet hat. Und außerdem ist die zuvor kaum bekannte Schmähkritik des Nerdcores an Euroweb nun in aller Munde. Ein peinliches Eigentor also.

Und den Worten des Vereins „Freischreiber“ ist kaum etwas hinzuzufügen: „Wir aber haben das Gefühl, dass hier mit ziemlich dicken Kanonen auf zierliche Spatzen geschossen wird. Und davon möchten wir nicht profitieren. Und wir möchten auch nicht, dass sich der Kanonier mit einer Spende an Freischreiber ein moralisches Mäntelchen für eine klassische Überreaktion umhängen kann.“

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