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Netzgeflüster Neue Wörter braucht das Land
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14:57 08.04.2009
Von Ernst Corinth
Quelle: Screenshot
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Wer jetzt nur Bahnhof verstanden hat oder mich gar für cranc hält, dem sei gesagt, dass die eben genannten etwas komisch klingenden Wörter demnächst in einem seriösen Wörterbuch stehen werden, das der Duden-Verlag noch dieses Jahr herausgeben wird. Dabei geht es natürlich um die sogenannte Szenesprache, mit der die meisten Älteren nun überhaupt nichts anfangen können.

Das Ungewöhnliche an diesem geplanten Wörterbuch ist, dass es "webzweinullig" entstehen soll. Das heißt: jeder kann bei dem eigens gegründeten Onlineprojekt szenesprachenwiki.de mitmachen, dort Vorschläge einreichen, die dann aber nicht automatisch veröffentlicht, sondern erst einmal überprüft werden. Unter anderem mittels Google-Suche, die zeigen soll, ob das Wort tatsächlich mittlerweile benutzt wird. Außerdem können registrierte User einzelne Begriffe und Begriffserläuterungen online diskutieren und dabei Fehler korrigieren. (Und die von mir anfangs genannten Wörter findet man dort natürlich auch.)

So hatte beispielsweise jemand das Word „Leacher“ vorgeschlagen, das allerdings dann in „Leecher“ korrigiert werden musste. Und es ist ein „Fachausdruck aus der Filesharing-Szene; bezeichnet einen Computernutzer, der überwiegend nur Dateien aus den Filesharingdienste herunterlädt, aber keine Dateien zum Download freigibt.“

Gestartet wurde dieses Online-Projekt mit Unterstützung des Hamburger Trendbüros Mitte März. Und nach Angaben der Verantwortlichen haben sich in den ersten zwei Wochen mehr als 2850 Besucher aus 49 Ländern auf die Seite geklickt und insgesamt 175 neue Wörter hochgeladen. Der Leiter der Dudenredaktion, Matthias Wermke, ist jedenfalls zufrieden „Über szenesprachenwiki.de,“ sagt er, „gehen wir ganz neue Wege der Stichwortsammlung. Ein spannendes Unterfangen, das möglicherweise auch Auswirkungen auf unsere künftige Arbeit haben wird.“

Aber dieses Projekt hat Konkurrenz im Netz. Schon seit einiger Zeit findet man unter der Adresse Sprachnudel.de ein „Wörterbuch der Jetztsprache“, ebenfalls ein Mitmachprojekt. Und dort gibt es lustige Fundstücke. Am 7. April hat dort aus gegebenem Anlass jemand das Wort „ballacken“ veröffentlicht: „,Ballacken' ist ein dem Fußballstar Michael Ballack nachgebildetes, satirisches Verb, das kennzeichnet und kritisiert, wenn auf dem Fußballfeld durch Herummeckern und Anschreien Mitspieler an ihrer spielerischen Entfaltung oder an ihrer Torgefährlichkeit behindert und durch anmaßendes Schreien zurechtgewiesen werden sollen ...“

Zum Schluss unser Linktipp der Woche: Ein Junge ruft die Notrufnummer der amerikanischen Polizei an, weil er Probleme mit den Mathe-Hausaufgaben hat. Den Mitschnitt gibt es hier: www.entertonement.com/clips/yqmmjfzynr--Math-Homework-911-Call

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