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Netzgeflüster Nichts scheint mehr unmöglich
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13:07 24.02.2010
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Und bei Preisen für eine CD mit eigentlich geheimen Bankdaten in Höhe von ein paar Millionen Euro muss man als Angestellter einer Schweizer oder Luxemburger Bank schon recht charakterfest sein, um nicht selber auf dumme, aber lohnende Ideen zu kommen.

Diebstahl lohnt sich also - nicht immer, aber immer öfter. Auch für unseren Staat, der allerdings seltsamerweise zwischen Daten, die man klauen darf (Bank) und solchen, deren Diebstahl auch weiterhin verboten ist (Musik, Filme, Software), unterscheidet. Aber bekommt unser Staat dabei überhaupt anständige Waren? CDs beispielsweise, die nicht nur das Portemonnaie, sondern auch das Auge ansprechen. Vor allem durch gut gestaltete Cover. Was ja ja bei den verlangten Preisen eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Dennoch wird darüber komischersweise nicht berichtet und noch nicht einmal spekuliert. Mit einer Ausnahme:

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Welt-Online! Auf den Netzseiten des Springer-Blattes konnte man kürzlich acht Vorschläge für ein Cover der Steuersünden-CD bestaunen. Entwürfe, die von angesehenen Plattencover-Künstler stammten.

Eine nette Idee, besonders für potentielle Bankdatenklauer.

Aber nicht nur Bankdaten sind eine interessante Ware, auch für die gesammelten Adressen von sogenannten Schwarzsehern gibt es bestimmt Interessenten. Allen voran die Gebühreneinzugszentrale, kurz GEZ, die im Rahmen einer Charmeoffensive im Netz ein Forum eröffnet hat. Genau dort gab es vergangene Woche einen Beitrag einer anonymen Nutzerin, der hoffentlich nicht ernst gemeint war. Doch wer weiß das schon.

Dort stand unter anderem also: „... angesichts der Nachrichtenberichterstattung über die neue ,Steuer-CD' möchte ich auch etwas zu mehr sozialer Gerechtigkeit beitragen. Außerdem ist mir mein Job abhanden gekommen und ich brauche etwas Geld. ich habe viele Jahre in einem Fernsehladen der alternativen Szene gearbeitet. Angemeldet hat von denen keiner seine Geräte. Der Chef auch seinen PC nicht. Auf dem aber die Daten aller Kunden registriert waren - um sie ab und zu mal mit Werbebriefen zu beschicken.“

Diese Daten von geschätzten 4 bis 5000 Schwarzsehern hat nun die ehemalige Angestellte des Ladens auf CD gebrannt. Und fragt jetzt die anderen Mitglieder des Forums, an wen sie die verkaufen und was sie dafür verlangen könnte. Und das Ganze wird dort tatsächlich ernsthaft debattiert. Unglaublich. Aber nichts scheint mehr unmöglich.

eco

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