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Netzgeflüster Post aus Russland
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13:56 10.01.2009
Von Ernst Corinth
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Inzwischen ist Elena 32 Jahre alt. Als sie das erste Mal die Internet-Öffentlichkeit betrat, war sie noch zwei Jahre jünger. Auch ihre Tochter Angelina ist inzwischen ein Jahr älter geworden. Sonst jedoch hat sich bei Elena nicht viel geändert. Seit 2007 verschickt sie alle Winter wieder und meist zur Weihnachtszeit massenhaft E-Mails, in denen sie über ihr hartes Schicksal klagt und um Hilfe bittet.

Nach ihren Angaben arbeitet sie in einer Bibliothek in der russischen Provinz, ihr Mann hat sie angeblich verlassen und nun lebt sie bei ihrer Mutter. Und dort ist es offenbar fürchterlich kalt. Wörtlich heißt es in gutem Englisch: „The winter is coming and weather become colder each day. We worry if the temperature will become very cold in our home, we don't know how to survive.“

Und dann kommt es: Um überleben zu können, schreibt sie, benötige sie dringend einen bestimmten Ofen zum Heizen. Und der sei in ihrer Heimat verdammt teuer. Genau 192 Euro. Und verdammt schwer: 100 - 150 kg. Und daher wäre es sehr nett, wenn man ihr solch einen Ofen, falls vorhanden, zuschicken würde. Dazu gibt es noch einen angefügten Link zu einem Foto, dass unsere Elena mit ihrer Tochter zeigt.

So weit, so traurig. Doch das Ganze ist ein einziger Schwindel. Der Betreiber der Seite Spamschlucker.org hat sich nämlich vor einiger Zeit auf einen Mail-Wechsel mit der besagten Elena eingelassen, dabei sogar einen Besuch in Russland angedeutet und vor allem ihr angeboten, ihr statt eines Ofens einen elektrischen Heizlüfter zuzusenden. Was die angebliche Russin allerdings nicht so toll fand. Sie wollte stattdessen lieber das Geld, besagte 192 Euro, um sich davon selber einen Ofen zu kaufen. Danach brach der E-Mail-Wechsel ab.

Aber Elena ist beileibe nicht die einzige, die mit dieser Masche arbeitet. Das kann man bei den E-Mail-Betrugsexperten der TU Berlin nachlesen. Dort heißt es: „Mindestens seit dem Jahr 1999 kommen pünktlich jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit Mails von einem Valentin aus Russland, neuerdings immer früher. Er sei Student und lebe mit seiner kranken Mutter in einem Ort namens Kaluga (200 km südlich von Moskau). Er bittet um Sachspenden wie etwa warme Decken, Kleidung, Nahrungsmittel oder auch um Geld.“ Und nach Berichten in russischen Medien sollen Valentin und Mitglieder seiner Familie bereits vor mehreren Jahren wegen derartiger Betrügereien vor Gericht gestanden haben.

Ob Elena nun mit Valentin verwandt ist oder ob es sich dabei vielleicht sogar um dieselbe Person handelt, das ist leider nicht bekannt. Aber offenbar gibt es immer wieder Leute, die auf diesem Schwindel hereinfallen - alle Jahre wieder, wenn es bitterkalt ist in Russland.

Zum Schluss ein paar wärmende Links:
The Bush Game - Schuhwerfspiel
Throwing Stuff at Bush“
Auch Austin Powers bekommt einen Schuh ab
Und ein ziemlich unglücklicher Name

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