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Netzgeflüster Protest gegen guten Geschmack
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12:04 21.10.2010
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Und Stein des strittigen Anstoßes sind beispielsweise Spekulatius, die manche das ganze Jahr über kaufen und essen möchten, während andere empört die Nase rümpfen, wenn sie solche leckeren Weihnachtsartikel bereits im September im Regal ihres Supermarkts entdecken.

Und wenn die so Empörten im Netzwerk Facebook unterwegs sind, dann gründen sie dort natürlich eine Protestgruppe wie „Boykott sämtlicher Weihnachtsartikel bis kurz vor 1. Advent“ (BsWbkv1A). Solche Gruppen kosten ja nichts und die Mitgliedschaft in ihnen ist völlig unverbindlich und – ja auch das - im Grunde folgenlos.

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Der BsWbkv1A kommt jedenfalls gut an; und zwar so gut, dass der Einzelhandel vielleicht doch mal über eine Änderung seiner Verkaufspraktiken nachdenken sollte. Mehr als 51.000 Menschen sind dort nämlich bei Facebook bereits Mitglied. Und die Stimmung gibt ganz gut Caruso C. wieder: „Seit Mitte Ende August werden wir mit Weihnachtskonsummüll überschüttet. Eine echte adventliche Erwartungshaltung kann da nicht mehr aufkommen. Meine Familie ignoriert diesen Konsumschrott seit Jahren, um den Kindern ,Weihnachten’ in seiner ursprünglichen Bedeutung nahe bringen zu können.“ – Offenbar ein familiärer Weihnachtsromantiker, dem dennoch oder gerade deswegen viele Facebook-User zustimmen.

Aber es gibt auch andere Stimmen, ja, Gefühlsanarchisten, die auf ihre Freiheit bestehen und damit auf ihr Recht sich das ganze Jahr über die Plauze vollzuhauen mit Christstollen, Lebkuchen und Dominosteinen – ein Beispiel für diese Haltung ist Yvonne Z.: „Christstollenkonfekt und Kakao kann ich das ganze Jahr über Essen und Trinken....und warum...Freiheit! Ich glaube nicht an saisonabhängige Lebensmittel! Oder esst ihr Südfrüchte nur im Süden und Erdbeeren nur im Juni??“.

Ein Problem wird bei dieser strittigen Frage leicht übersehen, dass es nämlich wenige Tage vorm Fest kaum noch Weihnachtssüßigkeiten in den Supermärkten gibt. Dass also Spekulatius-Freunde im Grunde nicht früh genug mit dem Verzehr ihres Lieblingsgebäcks anfangen können. (Auch dieser Text war übrigens nur möglich dank des begleitenden Konsums von „feinen Gewürz Spekulatius“.)

Und noch eines sollte man auch nicht übersehen: das Klagen über angeblich zu frühzeitiges Weihnachtsgebäck gehört mittlerweile einfach zum Fest und zur Vorfreude aufs Fest dazu – auch in zahlreichen Glossen, die alle Jahre wieder in den Zeitungen stehen. Oder wie Jörg H. bei Facebook vorlaut schreibt: „Ich habe zu dem Thema schon vor einem Jahr eine Glosse geschrieben.“ Und die gibt es unter tinyurl.com/3xu56jq, dann braucht das bei uns keiner mehr zu machen.

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