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Netzgeflüster „Schlimmer als Hitlerkrebs"
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster „Schlimmer als Hitlerkrebs"
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21:07 10.01.2009
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Eigentlich sollten wir ja aus unserer Geschichte gelernt haben. Dennoch erfreut sich der braune Fettnapf immer noch großer Beliebtheit. Manche treten sogar gern und bewusst hinein, wie eine gerade laufende Diskussion über den neuen und alten Antisemitismus beim Nachrichtenportal WebNews zeigt.

Wer sich dort durch die Kommentare quält, stößt nämlich auf Leserbeiträge, in denen Juden beispielsweise als „Stamm Nimm“ bezeichnet werden, der sogar Gott als sein alleiniges Eigentum betrachte. Oder in denen es heißt, dass Juden krankhaft „provozieren, sticheln und (vielleicht sogar unbewusst) Situationen heraufbeschwören, die andere (Nichtjuden) veranlassen, Juden als abstoßend zu empfinden und gegen diese (die Juden) vorzugehen.

Die Juden finden sich dann da wieder wo sie sein wollen - in der Opferrolle“. - Sinnigerweise hat Google dann dort diese Annonce eines Ahnenforschungsinstituts platziert: „Juden: Sind Sie Jude? Genetische Herkunftsanalyse zeigt, ob Sie jüdische Wurzeln haben.“

Aber auch Politiker und andere wichtige Zeitgenossen treten gern mal in den braunen Fettnapf. Zuletzt bekanntlich Christian Wulff, als er von einer Pogromstimmung gegen Manager sprach. Ein Ausspruch, den der niedersächsische Ministerpräsident dann im Nachhinein bedauert hat. Weitere aktuelle Fettnapf- Beispiele kann man übrigens in dem Blog "Coffee and TV" nachlesen. Und dort wird ironisch ein Buch angekündigt mit dem Titel „Schlimmer als Hitlerkrebs - Missglückte Rhetorik für Profis“, das auf einer Liste beruhen soll, die der Betreiber der Netzseite selber erstellt hat. Diese tatsächlich existierende Liste enthält eine ganze Reihe von sogenannten „Nazi-Skandalen“ und „empörenswerten Entgleisungen“. Mal drei Beispiele aus dieser Fleißarbeit:

15. Juni 1983 Heiner Geißler (CDU) sagt in einer Sicherheitsdebatte im Bundestag: “Ohne den Pazifismus der 30er Jahre wäre Auschwitz überhaupt nicht möglich gewesen.”
1985 Alt-Kanzler Brandt sagt, Heiner Geißler sei “seit Goebbels der schlimmste Hetzer in unserem Land.”
Juni 1998 Nokia wirbt mit dem Slogan “Jedem das Seine” für austauschbare Handycover. Nach Protesten wird die Kampagne eingestellt.

Jedenfalls ist die Liste, die im Jahre 1979 mit einem Ausspruch von Franz-Josef Strauß beginnt, erstaunlich lang. Ob sie allerdings zukünftige Tritte in den braunen Fettnapf vermeiden hilft, ist leider mehr als fraglich. Aber auf jeden Fall wünschenswert.

Zum Schluss noch ein paar harmlose Links:
Ein Online-Wecker, der auch offline funktionieren soll
So werden in China Klassenfotos gemacht – Video
Ganz schön gemein (notfalls auf "Seite neu laden" klicken)
Und weitere Infos zum angeblichen Hologramm des Senders CNN

Von Ernst Corinth

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