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Netzgeflüster Seine Heiligkeit zwitschert
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Seine Heiligkeit zwitschert
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13:14 24.02.2010
Von Ernst Corinth
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His Holiness, wie ihn seine Freunde nennen, liest jedoch selber keine Tweets von anderen. Dafür hat er einfach keine Zeit. Und natürlich twittert der Dalai-Lama nicht selbst, nein, er lässt twittern. Und das macht sein Büro im indischen Dharamsala.

Wer jedoch von diesem Religionsführer Erbauliches oder fromme Weisheiten erwartet, der ist erstaunlicherweise auf dem falschen Twitter-Kanal.

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Bisher gibt es dort Infos von seiner US-Reise, von Gesprächen mit Studenten oder von einem TV-Interview mit Larry King (CNN). Dennoch wird selbst das den chinesischen Machthabern bestimmt nicht gefallen. Aber der Zugang zu Twitter ist in China ja schon seit längerem gesperrt.

Wer fromme Sprüche, Lebensweisheiten aller Art sucht, für den ist Twitter gleichwohl das richtige Medium. Ja, es tummeln sich dort soviel Coaches, Berater, Motivationsexperten oder Mentaltrainer, dass man den Verdacht hat, die Menschheit, Sektion Deutschland, teilt sich längst in Menschen, die ununterbrochen Erbauliches von sich geben. Und andere, die das dann gläubig konsumieren. Ich allerdings gehöre wohl zu einer radikalen Minderheit, die bei den Weisheiten dieser Besserwisser-Profis immer einen Schreikrampf bekommt. Na ja, fast ...

Das Schlimme ist jedoch, dass diese professionellen Kommunikations- und Lebensexperten sich ausgerechnet Twitter ausgesucht haben, um dort für ihren Service zu werben mit Sprüchen wie - Das kann doch nicht alles gewesen sein! Stellen auch Sie sich diese Frage? Sind auch Sie unzufrieden? Dann ist Veränderung nötig. Jetzt!

- Wenn du etwas wirklich willst, gibt es nur eines: Ein Ziel setzen, den Weg skizzieren und dann den Weg gehen! Das Schlüsselwort heißt TUN.

- Klar ist, wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, wird immer das bleiben, was er schon war! Verändern ist jetzt angesagt!

Na, Prost Mahlzeit. Und das ist nur einer dieser geistlichen Anlageberater bei Twitter. Was allerdings kaum wundert. Nach eigenen Angaben werden dort täglich rund 50 Millionen Nachrichten verschickt, 35 Millionen sollen es 2009 gewesen sein und ein Jahr zuvor erst bescheidene 300.000. Und da ist halt viel Unsinn darunter. (So jetzt muss ich unbedingt Gold kaufen. Denn „Gold ist die einzige Währung, an die keine Schulden gebunden sind und somit Unabhängigkeit garantiert.“ Aha!)

Ernst Corinth 17.02.2010
Ernst Corinth 03.02.2010