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Netzgeflüster So schießt man Eigentore
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17:29 10.01.2009
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Es ist immer wieder verblüffend, wie ahnungslos Politiker sind, wenn es um Fragen des Internet geht. Das jüngste Beispiel für mangelnde Medienkompetenz hat jetzt der Politiker der Linken Lutz Heilmann geliefert, als er juristisch gegen das Online-Lexikon Wikipedia vorgegangen ist. Und der dabei die mehr als zu erwartende Reaktion der Internet-Gemeinde so stark unterschätzte, dass er zwei Tage später bereits zurückrudern musste. Nun hat Heilmann den Schaden: einen immensen Imageverlust, der sich auch auf seine Partei auswirken könnte.

Dazu nur eine von vielen Stimmen aus dem Netz von dem bekannten „Handesblatt“-Blogger Thomas Knüwer: „Lutz Heilmann offenbart nun mit aller Wucht, wie weit die Linke von demokratischen Grundwerten und Vernunft entfernt ist: Galaxien weit. (...) Dieses Vorgehen sollten jene im Kopf behalten, die glauben, die Linke sei eine normale demokratische Partei. Der Begriff SED-Nachfolger umschreibt sie auch weiterhin sehr, sehr gut.“

Dabei hätte Heilmann einfach mal vorher bei Wikipedia nach Streisand-Effekt suchen sollen. Dieser wird dort wie folgt erklärt: „Der Streisand-Effekt ist ein Phänomen im Internet: Der Versuch, bestimmte Informationen zu entfernen, kann dazu führen, dass diese noch stärker verbreitet werden. Grund für das Entfernen von Informationen kann eine angenommene Verletzung von Persönlichkeitsrechten sein.“

Als populäres deutsches Beispiel für diesen Effekt nennt Wikipedia den Komiker Atze Schröder, der im Jahre 2006 dem Bremer „Weser-Kurier“ und später dann auch Wikipedia die Veröffentlichung seines bürgerlichen Namens gerichtlich untersagte. Dafür hatte sich zuvor allerdings kaum einer interessiert, nach diesem Urteil machte dann jedoch im Netz der Name überall die Runde. Ein schönes Eigentor, das im Fall von Heilmann sogar positive Auswirkungen auf Wikipedia hatte. Das Online-Lexikon erlebte nämlich plötzlich einen richtigen Spendenboom. So gingen nach Angaben von Spiegel-Online allein am vergangenen Sonnabend rund 16.000 Euro als Spende ein, im Durchschnitt sind es pro Tag 3000 bis 3500 Euro. - Da hat sich dieses Skandälchen dann also doch irgendwie gelohnt.

Zum Schluss ein paar diskrete Links:
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Und geheime Fotos von Kim Jong II

von Ernst Corinth

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