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Netzgeflüster Streit um die Internetsperren geht weiter
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Streit um die Internetsperren geht weiter
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14:55 13.05.2009
Von Ernst Corinth
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Der Bundestag wird sich in hoffentlich absehbarer Zeit damit also beschäftigen müssen. Und da es in diesem Zusammenhang oft Missverständnisse gibt, zitieren wir noch einmal aus dem Text der Petition: „Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Missbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offen gelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt.“

Das alles kann man Schwarz auf Weiß nicht nur im Internet nachlesen, wenn man denn will. Und das wollte unser Wirtschaftsminister Karl Theodor Nicht-Wilhelm von Guttenberg offenbar nicht, oder er hat den Text nicht verstanden. Aber immerhin zeigte er sich, befragt zu diesem Thema, in einem Interview mit der Tagesschau betroffen: „Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich eines der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.“

Worte, die arg – nun ja – befremdlich klingen angesichts der Tatsache, dass die Petitionsbefürworter ständig und überall ausdrücklich die Stilllegung der Kinderpornoseiten und die Strafverfolgung der Täter fordern. Und außerdem übersieht der Minister die Gefahr, dass die Liste der zu sperrenden Seiten in falsche Hände und damit womöglich ins Internet geraten kann. Was in anderen Ländern schon geschehen ist. Und was dann die Suche nach solchen kriminellen Seiten ja ungemein erleichtern würde. Mehr dazu im Blog „Spreeblick".
Und noch ein Politiker sorgte in diesem Zusammenhang für Wirbel im Netz – mit einem Witz. Die Rede ist von Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Nach seiner Internet-Kompetenz völlig unpolemisch befragt, antwortete er auf der Seite abgeordnetenwatch.de wie folgt: „... was soll denn ein ,Computer’ sein, was soll ,Internet’ sein? Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend. DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?“

Und als ihn dann jemand darauf hinwies, dass seine Antwort doch ziemlich unsachlich sei, hatte Wiefelspütz inzwischen die Lust am Scherz verloren: „... mir gefällt der Ton Ihrer Frage nicht. Es fehlt Ihnen an Respekt. Suchen sie sich einen anderen Gesprächspartner.“ Wer so mit seinen Wählern redet, der sollte tunlichst das Wort „Respekt“ vermeiden.

Zum Schluss unser Linktipp der Woche: die Seite des wohl ersten Ursula-von-der-Leyen-Fanclubs

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