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Netzgeflüster Twitter: Wenn Promis weinen
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Twitter: Wenn Promis weinen
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20:27 20.05.2009
Von Ernst Corinth
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Dies zumindest meldeten die Online-Ausgaben zahlreicher Zeitungen. Und bei uns sogar der Fernsehsender n-tv als „Breaking news“. Und bei einer solchen Nachricht kommt man als lebender Toter oder toter Lebender vermutlich schon ins Grübeln. Die Quelle dieser Falschmeldung, heißt es bei BBC-Online, sei Kiss FM gewesen. Ein Radiosender in Florida, der als erster über Twitter den Tod des Hollywoodstars gemeldet haben soll. Und da nun einmal viele Medienleute twittern, machte dies halt schnell weltweit die Runde (siehe auch: „Deutsche Journalisten auf Twitter“).

Doch Totgesagte, kann sich Swayze trösten, leben ja angeblich länger. Dieses Glück hat Monti Lüftner jedenfalls nicht mehr. Der bekannte Münchner Musikmanager verunglückte vor gut einer Woche tödlich. Und dann wurde die Sache, glaubt man der „Süddeutschen Zeitung “ so richtig kompliziert. Da Verstorbene, schreibt das Blatt am 11. Mai, gewöhnlich innerhalb einer Woche beerdigt werden müssen, mussten in Lüftners Fall Trauerfeier und Beerdigung getrennt werden: „Die Grablegung ist wohl für Donnerstag geplant. Weil jedoch Bertelsmann-Erbin Liz Mohn auf einer Teilnahme bestanden hat, sich derzeit aber noch in Asien aufhält, wurde die Trauerfeier verlegt – sie wird nun am Montag, 18. Mai, stattfinden.“

Das tat sie dann auch. Und vor Ort war bei diesem traurigen gesellschaftlichen Ereignis auch die Klatschkolumnistin der Münchner „Abendzeitung“, Kimberly Hoppe, die nun tatsächlich live von der Trauerfeier getwittert hat mit ihrem iPhone. Dabei nahm sie dann wirklich kein Blatt oder Tweet vor den Mund und zwitscherte einfach so drauf los. Mal ein paar Kostproben:
10.50 Uhr: Beerdigung Monti Lüftner. Alle Promis schauen sehr, sehr traurig – auch die Fotografen tragen Schwarz. Wolfgang Seybold schluckt.

12.21 Uhr: Jetzt läuft Bruce Springsteen. Marcel Avram schnaeutzt sich - Gänsehautstimmung. Nur die Kerzen sind leider nicht echt.

12.53 Uhr: Montis Tochter Tracy (16) spricht wundervoll, singt Amazing Grace, bricht das Lied unter Tränen ab. Ich weine. Die ganze Kirche weint.

13.45 Uhr: Die Promis strömen zum Sarg. An mir wird Leo Kirch im Rollstuhl vorbei gefahren.

Und so weiter. Und so fort. Und zum Schluss gab’s Frikadellen:

14.17 Uhr: Beim Empfang raucht Sandy, Ingrid Flick taucht auf. Es gibt Bier, Fleischpflanzerl und viele Ameisen.

Kurze Rede langer Sinn: Noch peinlicher geht es wohl wirklich nicht mehr. Und dass jemand bei einer Trauerfeier sein Handy herausholt, um via Twitter die Welt live über gerade fließende Tränen zu unterrichten, ist mehr als geschmacklos.

Den Hinweis auf diese Geschichte verdanke ich übrigens dem lesenswerten Blog „Coffee and TV“. Zum Schluss eine kurze Werbeunterbrechung: Wer auch im Garten Stil beweisen möchte, der braucht den Nistkasten Wolfgang S. Und nun der Link- und Reise-Tipp der Woche: Seereise vor Somalia – Abenteuerurlaub mal ganz anders.

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