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Netzgeflüster Twitter - die neue Mundpropaganda
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Twitter - die neue Mundpropaganda
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13:11 29.07.2009
Von Ernst Corinth
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Nicht zuletzt wegen einer ganzen Zahl von äußerst erfolgreichen Blockbusters, die in diesem Sommer die Menschen in Scharen in die Kinos locken. Außerdem zeigen diverse Untersuchungen, dass die „erfolgreichsten“ Raubkopien nahezu identisch sind mit erfolgreich in den Kinos laufenden Filmen. So richtig scheinen also die Netzpiraten nicht als Schuldige für behauptete Umsatzrückgänge in der Vergangenheit zu taugen.

Doch jetzt hat man, wie gesagt, einen neuen Opponenten entdeckt. Und das ist ausgerechnet der Kurznachrichten-Dienst Twitter, an dem sich immer mehr Leute beteiligen, die dann über diesem Medium über alles Mögliche twittern (sprich: kommunizieren). Also natürlich auch über ihren letzten Kinobesuch. Und ob der Film, den man dort gerade gesehen hat, sich überhaupt lohnt. Eine Mini-Mini-Kritik, die sich in Windeseile verbreitet, weitergereicht wird und angeblich sogar Folgen hat. Das hat als Erstes in den USA Time.com behauptet und am Beispiel des Films „Brüno“ exemplarisch zu belegen versucht.

Dieser neueste Ulk von Sacha Baron Cohen alias Borat ist zwar kein Total-Flop, erfüllt aber nicht die Umsatz-Erwartungen trotz einer fast schon penetranten Werbekampagne. An seinem Start-Wochenende spielte er zwar in den USA rund 30 Millionen Dollar ein, ein gutes Ergebnis, doch die Kartenverkäufe sanken vom Freitag, dem dortigen Premieren-Tag, auf Sonnabend um 40 Prozent. Und dann ging es noch weiter bergab. An seinem zweiten Wochenende brach „Brüno“ sogar im Vergleich zur Vorwoche um 73 Prozent ein.

Für diesen ungewöhnlich heftigen und vor allem schnellen Rückgang macht Time.com nun Twitter verantwortlich. Dieses Medium soll nämlich die traditionelle und bei Kinofilmen einflussreiche Mundpropaganda inzwischen beinahe ersetzt haben. Und den Meinungsaustausch zudem ungemein beschleunigt haben. Was ohne Zweifel stimmt. Ob in diesem Ausmaß, wird die Zukunft zeigen.

Auch in Deutschland hat man dieses Phänomen mit ein paar Tagen Verspätung jetzt entdeckt. Dies hat dann zu Schlagzeilen geführt wie „Twitter-Attacke bremst ,Brüno’ aus (Welt-Online), „Hat Twitter ,Brüno' versenkt?“ (Meedia.de) oder „Weggezwitschert. Der neue Film von Sacha Baron Cohen floppt“ (Sueddeutsche.de). Doch im Vergleich zu den USA spielt bei uns Twitter noch eine viel bescheidenere Rolle. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn das alles wirklich so stimmt, dann profitieren zukünftig auch richtig gute Filme von dieser flinken getwitterten Mundpropaganda. Was ja für das Kino nicht das Schlechteste wäre.

Zum Schluss unser Link-Tipp der Woche: Best of Brüno, ältere TV-Sketche.

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