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Netzgeflüster Verbote machen neugierig
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Verbote machen neugierig
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17:17 10.01.2009
Quelle: screenshot
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Wer eine Netzseite populär machen möchte, der muss sie einfach nur verbieten. Genau das geschah jetzt wieder mit dem uralten Plattencover der Scorpions, vor dem britische Internet-Nutzer geschützt werden sollten – wegen angeblicher Kinderpornografie. Sofort wurde die Netzgemeinde neugierig und schaute sich das entsprechende Bild auf der inkriminierten Wikipedia-Seite an. Am vergangenen Montag zählte man dort 371.000 Besucher, am Dienstag dann immer noch 247.000.

Dass diese Aktion ein Schuss in den Ofen, ja, ein Eigentor war, hat nach einem Bericht von Heise.de die für diesen Zensurversuch verantwortliche britische Internet Watch Foundation (IWF) mittlerweile selbst erkannt und ihre Entscheidung von vergangener Woche rückgängig gemacht mit einer netten Begründung: „Die IWF ist letztlich zum Schluss gekommen, dass ihr Vorgehen nur die Aufmerksamkeit auf das etwas geschmacklose Bild gelenkt hat, das sonst in der verdienten Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre.“ Eine späte Einsicht, die hoffentlich auch die deutschen Prüfstellen haben werden, die über eine Indizierung des Plattencovers bereits laut nachgedacht haben. (Mehr zum Thema hier)

Auf ganz ähnliche Weise wurde übrigens im November der Politiker der Linken, Lutz Heilmann, schlagartig berühmt. Er hatte, schreibt Meedia.de, „Mitte November die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die eigentliche Adresse de.wikipedia.org sperren lassen, weil ihm einige Details in seinem Wikipedia-Eintrag nicht gefielen. Allein in den drei Tagen vom 15. bis 17. November wurde sein Eintrag daraufhin von über 650.000 Leuten aufgerufen.“ Mehr Aufrufe hatte insgesamt im vergangenen Monat nur die Wikipedia-Seite über Barack Obama.

Aber nicht nur Verbote sorgen für Klicks, sondern auch Günther Jauchs TV-Sendungen „Wer wird Millionär?“. Seine Frage vom 24. November „Welche Tiere gelten als monophag“ führte dazu, dass 247.500 Leute den Begriff „Monophagie“ bei Wikipedia online nachschlugen. Ganz ähnlich erging es übrigens auch Dora Diamant, der letzten Lebensgefährtin von Franz Kafka, nach der Jauch in der Promiausgabe seiner Quizsendung gefragt hatte.

Zum Schluss aus aktuellem Anlass noch der Hinweis auf das Blog „Im Schatten der Akropolis“. Dort berichtet ein deutscher Student, der „nahezu mitten im Geschehen“ wohnt, in Wort und Bild über die Unruhen in Athen. Augenzeugenberichte, die allesamt lesenswert sind.

Und jetzt noch ein paar unverfängliche Links:
Bubba liebt Burritos - Hundevideo
Hier kann man Text- in Bilddateien verwandeln
Santa live from North Pole
Und Balls up! - Spiel

Von Ernst Corinth


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