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Netzgeflüster Wahlfieber im Netz
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Wahlfieber im Netz
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17:25 10.01.2009
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Für viele war es wohl eine lange Wahlnacht. Bloß nicht für den Twitter-User Ugugu, der am Mittwochmorgen kurz notierte: „haha, nach dem fussballspiel von gestern einfach weggedöst, und jetzt ist obama präsi, gratuliere.“ Ja, der Mann nimmt es locker. Dennoch haben viele andere die Nacht durchgetwittert, haben sich dort Informationen zur Wahl besorgt und selber das Geschehen kommentiert. Zwei Beispiele:

mediumflow: Wann wohl die erste Deutschtürkin zur Bundeskanzlerin gewählt wird?
marcelpauly: Merkel: „Aber Herr Obama, wir können doch nicht die deutsche Truppenzahl in Afghanistan verdoppeln.“ - Obama: „Yes we can!“

Ebenfalls erstaunlich ist die hohe Zahl der deutschsprachigen Live-Blogger, die die ganze Nacht über auf Sendung gewesen sind. So gibt es im Blog "Coffee and TV" ein ironisches Protokoll der TV-Live-Übertragungen. Zitat von: 02:23 Uhr: „Bei CNN erklärt der Chef der Obama-Kampagne gerade, der Kandidat habe am Nachmittag noch etwas Basketball mit seinen Kumpels gespielt. Ob Steinmeier nächstes Jahr am Wahltag pöhlen geht?“ (Pöhlen = Rumkicken)

Auch Blogger Stefan Niggemeier hat durchgemacht und bei Spiegel-Online zwei lustige Fehler entdeckt:

1:50 Uhr. „Spiegel Online” verwechselt immer noch Vermont mit New Hampshire, hat jetzt aber einfach mal (ebenso womöglich weltexklusiv) South Carolina an Obama gegeben
1:59 Uhr. Beim führenden deutschen Online-Portal spielt nach wie vor ein Kind an den Zahlen herum - und hat Obama jetzt alle Wahlmänner wieder weggenommen.

So viel Aufregung war jedenfalls selten zuvor im Netz. Und für "Off the Record", das „Blog für Marketing, Werbung und Medien“, ist der von den meisten Bloggern gefeierte Sieg Obamas gleichzeitig der Siegeszug des Web 2.0: „Der Sieg von Barack Obama ist auch ein Sieg des Web 2.0. Das TV konnte im Wahlkampf durchaus seine Qualitäten für Emotionen und Image unter Beweis stellten. (...) Das Web dagegen belegte seine Stärke in der Mobilisierung, die sich auch in der hohen Wahlbeteiligung zeigt. Unter anderem eine Folge der Kampagnen rund um das Thema 'One Vote'. Das dürfte künftig auch eine Blaupause für Marken sein. TV für das Image. Das Web, Social Media für den Absatz.“

Ob davon auch deutsche Politiker lernen werden, ist angesichts ihres meist halbherzigen Umgangs mit dem Netz, wohl eher zweifelhaft. Doch die Resonanz auf politische Vorkommnisse ist auch bei uns jedenfalls online längst vorhanden. Und obwohl man über Tote ja nicht schlecht reden soll, hat beispielsweise Julia Seeliger nach dem Hessen-Chaos am Montag in ihrem Blog sofort die „Aktion: SPD-Beschimpfung“ ins Leben gerufen. Neben Bemerkungen wie „SPD, du kämpfst wie eine tote Kuh“ oder „Sozialpathologen Deutschlands“ findet sich dort die nette Anmerkung: „Also SPD-Beschimpfung ist noch schlimmer als kleine Kinder treten. Selber treten lassen und zusehen.“

Und wir verabschieden uns zum Schluss noch schnell von der großartigen Comedy-Künstlerin Sarah Palin, die uns in den letzten Wochen viel Spaß bereitet hat. Vielleicht gibt es ja 2012 ein Wiedersehen mit ihr.

Und nun noch ein paar unpolitische Links
"CNN Hologram TV First"
Katastrophaler Hubschrauberflug
Was kann Obama? Eine erste "Titanic"-Analyse
Und Highwaysolo

von Ernst Corinth

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