Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Netzgeflüster Yes, he can Kanzler!
Nachrichten Medien & TV Netzgeflüster Yes, he can Kanzler!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:26 29.04.2009
Von Ernst Corinth
Quelle: Screenshot
Anzeige

Und am aufdringlichsten sind dabei Wortspielereien mit der Parole „Yes, we can!“ Die schlimmsten oder vielleicht auch schönsten sammelt Lukas Heinser, um sie dann auf der Internet-Seite mit dem trotzigen Titel „No, You Can't “ zu veröffentlichen.

Da wirbt beispielsweise die CDU im Karlsruher Kommunalwahlkampf mit der Parole „Wir können Karlsruhe!“. Anhänger unserer Kanzlerin lassen sich auch nicht lumpen und behaupten auf einem Plakat „Nicht nur Banken - auch das Klima retten! Angie-you-can“. Auch die „Bild“-Zeitung darf natürlich nicht fehlen und schreibt: „Yes, Michelle Obama can Gemüse pflanzen.“ Wer Schuhe haben möchte mit der Aufschrift „Yes, we can“, kann die längst kaufen. Und weil Obama angeblich ein Musikfan ist, überschreibt Spiegel.de einen Text logischerweise mit „Jazz we can“.

Anzeige

Um die drohende Obamisierung des kommenden Wahlkampfs ein wenig zu veräppeln, fuhr ein Team der NDR-Satiresendung „Extra 3“ vor knapp zwei Wochen nach Berlin zum SPD-Wahlkampfauftakt, dort stellten sie dann am Ort des Geschehens ein Plakat auf mit dem Porträt Frank-Walter Steinmeiers und der Parole „Yes, he can Kanzler!“. Das war, wie gesagt, satirisch gemeint. (Und den Film zu dieser Aktion gibt es hier) Doch viele Medienvertreter nahmen das Plakat bierernst. Es tauchte also, wie man im BILDblog.de lesen konnte, in Zeitungsartikeln und sogar in Fernsehberichten auf - unter anderem bei N24: „,Yes, he can Kanzler.' Während draußen Unterstützer den Obama-Faktor beschwören, betreten drinnen FW Steinmeier und seine Frau das Podium.“

All das verwundert allerdings kaum. Denn so etwas passiert eben, wenn die Realität die Satire nicht nur einholt, sondern in diesem Fall überholt. Dennoch: We can das bald nicht mehr hören.

Zum Schluss das Zitat der Woche: Unsere Familienministerin Ursula von der Leyen sagte kürzlich in einem Radiointerview: „Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.“ Da ich die angedrohten Sperren umgehen kann, bin auch ich jetzt verdächtig?

Der Linktipp der Woche zeigt, wie toll man eine Beziehung beenden kann.

22.04.2009
15.04.2009
Ernst Corinth 08.04.2009