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00:15 13.11.2013
Von Tatjana Riegler
Foto: „Loverboy“ mit Götz Georg – der 17. Film der losen Schimanski-Krimireihe – ist tiefgründig, eher still und dafür umso intensiver ausgefallen.
„Loverboy“ mit Götz Georg – der 17. Film der losen Schimanski-Krimireihe – ist tiefgründig, eher still und dafür umso intensiver ausgefallen. Quelle: Archiv
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Er kramt die alten Parka wieder aus der Kiste. So schmuddelig ist das berühmte Beige doch gar nicht. Und dann pöbelt und prügelt sich ein unkaputtbarer Götz George alias Horst Schimanski wie eh und je durch Duisburg. Inmitten der Industriebrachen von Ruhrort, graffitiverschmierter Wände und trostloser Bahngleise – keine einladende Umgebung, aber Currywurst und Bier schmecken auch hier. Im Ruhestand.

Doch Schimanski wäre nicht Schimanski, wenn der populärste aller deutschen Fernsehermittler nicht mit viel Ironie auftreten würde: Verfolgungsjagden weicht der Kommissar in Rente mittlerweile schnaufend aus, Haustüren tritt freundlicherweise der Nachbar für ihn ein. Und während seiner Alleingänge scheint sein Lieblingswort „Scheiße“ der Altersmilde anheim gefallen zu sein.

Überhaupt ist „Loverboy“ – der 17. Film der losen Schimanski-Krimireihe – tiefgründig, eher still und dafür umso intensiver ausgefallen. Das Drehbuch von Jürgen Werner ist jedenfalls eines der besten, seit Schimanski vor 16 Jahren abseits der „Tatort“-Reihe auf den Bildschirm zurückgekehrt ist. Die Geschichte geht dem alten Haudegen spürbar unter die Haut. Was auch daran liegen mag, dass Regisseur Kaspar Heidelbach den 75-jährigen Hauptdarsteller isolierter wirken lässt als früher. Schimanski ist ein malochender Anachronismus der Ermittlerszene, der seinen alten Citroën CX liebt, stolz darauf ist, sein Handy nicht richtig bedienen zu können – und letztlich sogar sein Herz sprechen lässt. So emotional, wie vielleicht nie zuvor in seiner 32-jährigen Fernsehpräsenz.

Eigentlich soll Schimanski nur die verschwundene Tochter von Gangsterboss Kaijewski (Marek Wlodarczyk) wiederfinden, die mit ihrem älteren und überaus attraktiven Freund Nils (großartig: Vladimir Burlakov) durchgebrannt ist. Doch niemand weiß, wer dieser Nils ist und wo er lebt. Schnell erfährt der Zuschauer, dass der dubiose Mann ein sogenannter Loverboy ist, einer, der jungen Mädchen die große Liebe vorgaukelt, um sie dann gefügig und drogenabhängig zu machen und zur Prostitution zu zwingen. „Normale Zuhälter beuten die Frauen aus. Loverboys nehmen ihnen die Seele“, erfährt Schimanski. Und so führt seine Suche nach der 14-jährigen Jessica (Muriel Wimmer) mitten ins Rotlichtmilieu. Auf denn Strich in der Vulkanstraße.

Dort trifft er auf seine früheren Kollegen Hänschen (Chiem van Houweninge) und Hunger (Julian Weigend), die den Mord am 20-jährigen Daan aufzuklären versuchen, der vor einem Club erschossen wurde. Naheliegend, dass beide Handlungsstränge irgendwann zusammenlaufen. Aber was verbindet Nils und Daan? Und welche Rolle spielt die junge Laura? Antworten könnte Susanne Mellert geben (brillant: Anna Loos), die sich um Opfer von „Loverboys“ kümmert. Schimanski merkt schnell, dass mit ihr etwas nicht stimmt – Mellert hat ihre Tochter an einen Loverboy verloren, der sie nun brutal für seine Geschäfte missbraucht. Er fährt mit der verbitterten Frau nach Rotterdam, wo sie in einem Bordell erschütternde Dinge erfahren. Und akzeptieren müssen, dass nicht alle Mädchen den Weg zurück ins Leben finden.

Die Geschichte birgt viele tragische Momente, die diesem Schimanski-Film etwas Besonderes verleihen. Da mag der Zuschauer über Schimanskis etwas ermüdende Alt-Herren-Dialoge mit Hänschen und dem Kollegen aus den Niederlanden hinwegsehen. „Niemand vermisst uns“, sagt der alternde Schimanski anfangs zum alternden Gansterboss Kaijewski. Was zu bestreiten ist. In dieser Form darf Schimanski jederzeit wiederkommen.

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