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18:23 10.09.2013
Zuchtkritiker Christoph Jung mit einem Mops. 3Sat zeigt Donnerstag die Doku „Mensch, Hund! – Der Rasse-Wahn und seine Folgen“, in der Jung von seinen Recherchen berichtet. Quelle: Klaus Kastenholz ZDF
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Berlin

Ein Mops, wie süß. Die Kulleraugen und das faltige Gesicht begeistern viele Hunde-Fans. Frauen knuddeln den Vierbeiner gerne im Café auf dem Arm – sein kleiner Kultstatus macht das Gassigehen mit Mops zur Mode. Von der Rasse gibt es am Donnerstagabend in einer Doku auf 3sat viel zu sehen – aber es ist keine leichte Kost. Mops auf dem OP-Tisch, Nahaufnahme vom Luftröhrenschnitt, weil der Hund offenbar nicht richtig atmen kann. Kein Einzelfall, sagen Kritiker. In „Mensch, Hund! Der Rasse-Wahn und seine Folgen“ wird vor einer überzeichneten Typisierung von Hunderassen – also dem Züchten von speziellen Merkmalen – gewarnt.

Der Vorwurf von Kritikern in der Doku: Die Tiere würden auf ein bestimmtes Schönheitsideal vor allem aus wirtschaftlichen Interessen hingetrimmt – auf Kosten der Gesundheit der Hunde. Zuchtbedingte Krankheiten und Beschwerden seien die Folge. Beim Mops etwa würde der Gesichtsschädel zu kurz gezüchtet, Mund und Nase verkleinerten sich aber nicht – dadurch entstünden Atemprobleme, lautet die Bewertung eines Tierarztes. Der Mitarbeiter in einer Hamburger Kleintierklinik formuliert es in der Doku so: „Das ist, wie wenn Sie zu große Möbel für eine zu kleine Wohnung haben.“

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In der Klinik gehörten Operationen, um Hunden das Atmen zu erleichtern, inzwischen zum Tagesgeschäft. Der Chef der Tierklinik, Dirk Schrader, nennt Vergleichszahlen: Vor Jahren habe er noch drei bis vier solcher Eingriffe pro Jahr vorgenommen – heute zwischen 300 und 400. Der Zuschauer sieht Bilder von OPs und von erleichterten Hundehaltern nach dem geglückten Eingriff. „Die Maus lebt, Mama nimmt sie wieder mit nach Hause“, sagt eine Frau, die acht Hunde hat, über ihren operierten Mops. Mehrere ihrer Vierbeiner seien bereits wegen Atemnot operiert worden. Psychologe und Autor Christoph Jung („Schwarzbuch Hund“) sagt, der Markt wolle übertypisierte Hunde haben und die Züchter seien darauf bedacht, den Markt zu bedienen. Es könne nicht sein, wenn man „wissend zu Lasten der Tiere sein Geschäft macht“, sagt er.

Zucht, Handel und Politik in der Kritik

Am Pranger der Kritiker stehen in der Dokumentation Züchter und große Zuchtverbände, die Übertypisierungen von Rassemerkmalen durch Prämierung von bestimmten Tieren auf Hundeschauen beförderten – aber auch der Handel und die Politik werden kritisiert. Das Tierschutzgesetz müsse verschärft werden, lautet das Credo, und ein Umdenken in der Hundezucht stattfinden.

Die Kritisierten lässt die Dokumentation nicht zu Wort kommen – ein Manko. Lediglich ein Wertungsrichter einer Hundeschau spricht kurz.

Dafür gibt es aber Lösungsansätze. Ein Genwissenschaftler aus Hannover rät, Hunde auf Erbkrankheiten hin testen zu lassen, um deren Vererbung zu verringern. Und es gibt dann auch noch die süßen Bilder vom Mops: Eine Hundezüchterin kreuzt den Vierbeiner seit Jahren mit einer anderen Rasse, damit sich die Atmung wieder verbessert. Und Herrchens Liebling im Garten rumtollen kann – anstatt nach Luft zu schnappen.

dpa

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