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Medien & TV ARD-Film dokumentiert Proteste zu „Stuttgart 21“
Nachrichten Medien & TV ARD-Film dokumentiert Proteste zu „Stuttgart 21“
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15:52 23.08.2011
Von Heike Manssen
Zwei Filmemacherinnen fangen die Stimmung bei den Protesten gegen „Stuttgart 21“ ein. Quelle: dpa
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Der Schwabe schafft. Und wenn er das tut, dann gut organisiert. Das nimmt bisweilen skurrile Züge an, wenn beispielsweise ältere Frauen sich beraten lassen, welches „Flugi“ (Flugblatt) am besten zu ihrem Infostand passt („Dieses hier wird sehr gerne genommen“). Die Dokumentation „Alarm am Hauptbahnhof – Auf den Straßen von Stuttgart 21“ zeigt eindringlich, wie die Volksseele kochen kann.

Die Stuttgarterinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler, die sich als Filmemacherinnen „Böller und Brot“ nennen, haben den Protest gegen Deutschlands bekanntestes Bauvorhaben mit der Kamera begleitet. Ihr Dokumentarfilm ist eine Collage kleiner Episoden der großen Erregung, die die baden-würrtembergische Landeshauptstadt in der Zeit vom September 2010 bis zu den Landtagswahlen im März 2011 ergriffen hat. Und wie! Eine ganze Stadt pendelt zwischen „Oben bleiben“ (überirdischer Bahnhof) oder „oben ohne“ (unterirdischer Bahnhof). Dabei geht es in dem Film nicht darum, das Bauprojekt „Stuttgart 21“ inhaltlich irgendwie vorzustellen oder gar zu bewerten. Die unkommentierten Sequenzen zeigen – mal lustig, mal langweilig – was passiert, wenn der Bildungsbürger zum Wutbürger mutiert.

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Der unterhaltsame Teil überwiegt

Der Zuschauer muss minutenlange lautstarke Streitereien ebenso aushalten können wie Politikersprech vor dem Untersuchungsausschuss. Und auch wenn die Dokumentation teilweise zu langatmig ist, überwiegt der unterhaltsame, ja plakative Teil. Der Streit um „Stuttgart 21“ strahlt weit über die baden-württembergische Grenze hinaus ins ganze Land. Wohl niemand, schon gar nicht die beteiligten Politiker, haben mit dieser Wucht des Protestes gerechnet. Schon lange geht es dabei nicht mehr nur um einen Bahnhof in einer deutschen Stadt im Süden der Republik. Es geht um Bürgerbeteiligung, um Solidarität und um Wut und Enttäuschung über eine Politik, bei der sich der Bürger nicht ernst genommen fühlt. Und wie sagt eine Protestlerin so schön: „Stuttgart 21 – das ist ja auch eine philosophische Geschichte.“

Achtung Programmänderung:
Die ARD wird nach dem Tod von Komiker Loriot am Dienstagabend ihr Programm ändern. Wie ein Sprecher mitteilte, ist statt der Dokumentation „Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21“ um 22.45 Uhr der Loriot-Film „Pappa ante Portas“ aus dem Jahr 1991 zu sehen, in dem Vicco von Bülow Heinrich Lohse spielt, den Einkaufsdirektor bei der Deutschen Röhren AG, der von seinem Chef in den Vorruhestand geschickt wird. Im Anschluss um 0.10 Uhr sendet die ARD die Wiederholung einer Dokumentation in der Reihe „Deutschland, Deine Künstler“ über Loriot. Nach dem „Nachtmagazin“ ist die Ausstrahlung von Loriot-Sketchen geplant.