Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV ARD berät über Kachelmanns Zukunft
Nachrichten Medien & TV ARD berät über Kachelmanns Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:46 14.10.2011
Von Wiebke Ramm
„Mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wär´s wohl schwierig“, hat Jörg Kachelmann prophezeit. Aber er könne gut damit leben, nicht mehr vor der Fernsehkamera zu stehen. Quelle: dpa
Anzeige

Fünf Monate ist es her, da hat Kachelmann den ARD-Programmdirektor als prominenten Verfolger seiner Internetbotschaften begrüßt. „@Volker_Herres ist mein 5021. Follower“, schrieb er am 14. Mai via Twitter: „Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?“

Kachelmann erwartete damals als Angeklagter vor dem Landgericht Mannheim das Plädoyer der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Es ging um den Vorwurf der schweren Vergewaltigung. Seinen Worten war eine gewisse Anspannung zu entnehmen. Herres hat als Programmdirektor mit darüber zu entscheiden, wen die ARD vor die Kamera lässt. Und Kachelmann ist vielleicht noch immer gewillt, dort mit flapsigen Formulierungen das Wetter anzusagen.

Anzeige

Die ARD hatte nach dem Freispruch Ende Mai mitgeteilt, sie wolle sich erst dann zu der Personalie Kachelmann äußern, wenn das Urteil rechtskräftig sei. Das ist es nun seit gut einer Woche. Doch klare Worte gibt es von der ARD auch jetzt nicht. Herres erklärte am Freitag lediglich: „Die Wettermoderation teilen sich Claudia Kleinert und Sven Plöger sowie Karsten Schwanke als Springer. Wir gehen davon aus, dass dies bis zum Jahresende auch so bleibt.“ Nach Kachelmann klingt das nicht. Laut Herres läuft der Vertrag mit Kachelmanns Firma Meteomedia zum Jahresende aus. Für 2012 seien neue Vertragsverhandlungen vorgesehen.

Kachelmann hatte im Sommer bekannt gegeben, dass Meteomedia von 2012 an Wettersendungen mit der Münchener Bavaria-Film-Gruppe plane. Zu deren Gesellschafter gehören mehrheitlich die ARD-Sender WDR, SWR und MDR.
Seine eigene Präsenz im Fernsehen hatte er bereits im November 2010 für beendet erklärt. „Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär’s mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig“, sagte er damals in einem Zeitungsinterview: „Das Kapitel Fernsehen ist dadurch für mich beendet worden.“

Im Juli 2011 verkündete Kachelmann, dass er an einer Zukunft ohne Rückkehr ins deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen arbeite. „Glauben Sie mir, es ist nicht so toll, auf der anderen Seite der Kamera zu stehen“, sagte er damals zu Journalisten. Er werde sich mit aller Kraft seiner Firma Meteomedia in der Schweiz und ihrem internationalen Ausbau widmen: „Wetterstationen aufstellen kann ich seit 30 Jahren am besten.“

Allerdings hatte Kachelmann auch gesagt, dass die Entscheidung, ob er jemals wieder im deutschen Fernsehen moderieren werde, nicht in seiner Macht, sondern bei der ARD liege. Der Entscheidung der ARD sehe er „sehr entspannt“ entgegen, hatte er betont. An der Präsenz im Fernsehen hänge weder sein Leben noch würde ihn ein mögliches Votum gegen ihn „narzisstisch“ kränken.

Seinen letzten großen Fernsehauftritt hatte Kachelmann während der Olympischen Winterspiele in Vancouver, wo er für die ARD das Olympia-Wetter präsentierte. Das war im Februar 2010. Nach seinem Freispruch arbeitete er vor allem für Schweizer Radiosender und im Internet wieder als Wettermoderator. Nebenbei hat er ein Buch geschrieben.

Am Freitag gab er via Twitter bekannt, dass „Mannheim.“ am 16. Januar 2012 im Hamburger Verlag Hoffmann und Campe erscheint. Es dürfte seine Abrechnung mit Medien, Justiz und Exfreundin werden. 240 Seiten ist es lang.

Frerk Schenker 14.10.2011
13.10.2011