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Medien & TV ARD beschert Zuschauern vier neue Grimm-Verfilmungen
Nachrichten Medien & TV ARD beschert Zuschauern vier neue Grimm-Verfilmungen
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20:52 22.12.2011
Von Heike Manssen
Jorinde versucht die desillusionierte Zauberin (Katja Flint) umzustimmen.
Jorinde versucht die desillusionierte Zauberin (Katja Flint) umzustimmen. Quelle: ARD
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Er kann nicht nur lustig, der Dieter Hallervorden. Er kann auch verzweifelt, traurig. Im Märchen „Der zertanzten Schuhe“ spielt der Komiker den König Karl, der seine zwölf Töchter nicht in den Griff bekommt. Die hübschen Prinzessinnen haben Geheimnisse vor ihrem verwitweten Vater – jeden Morgen sind ihre Schuhe zertanzt, und keiner weiß, was sie nachts so treiben. Katja Flint hat da ganz andere Probleme: Als verbitterte Zauberin in „Jorinde und Joringel“ will sie mit aller Kraft der Magie zwei Liebende auseinanderbringen. Die Schauspielerin Barbara Auer hingegen glänzt in „Aschenputtel“ als böse Schwiegermutter, und „Tatort“-Kommissar Axel Prahl mimt in „Die Sterntaler“ den Grobian, Rufus Beck den windigen Caspar.

Alle Jahre wieder ruft die ARD eine Reihe erfahrener Schauspieler zusammen und dreht neue Märchenfilme in der Reihe „6 auf einen Streich“. Was im Jahr 2008 tatsächlich mit sechs Verfilmungen begann, ist im diesem Jahr auf vier geschrumpft. Doch schließlich kommt es nicht auf die Masse, sondern die Klasse an. Und die ist wieder vorzeigbar. Alle Märchen der Brüder Grimm – das Paket ist im Laufe der Jahre auf 22 Teile angewachsen – lassen sich sehen. Dafür sprechen auch die guten Quoten der vergangenen Zeit. Auch oder gerade jüngere Kinder finden Gefallen an den Filmen. Für eine 60-minütige Märchenstunde reicht auch ihre Konzentration aus.

Das Konzept der ARD-Reihe bleibt unverändert: Die Filme werden mit guten bis soliden Schauspielern an historischen Schauplätzen in verschiedenen Regionen Deutschlands gedreht. Sie interpretieren die überlieferten Erzählungen neu, lehnen sich aber eng an die Originale an – sind damit sozusagen moderat modernisiert. Märchenerfahrenen Kindern fällt allerdings schon einmal die eine oder andere Änderung auf. Warum hat die böse Stiefmutter in „Aschenputtel“ bei der ARD eigentlich nur eine böse Tochter und nicht zwei? Das stört nicht weiter, dafür passen Sprache, Kostüme und Szenerie gut zu den märchenhaften Vorstellungen.

Den Anfang der „4 auf einen Streich“ machen am 1. Weihnachtstag „Jorinde und Joringel“. Das nicht ganz so bekannte grimmsche Märchen ist ein Plädoyer für die Kraft der Liebe. Jorinde (Llewellyn Reichman) und Joringel (keck dargestellt von Jonas Nay) müssen den Zauber überwinden, der sie trennt. Katja Flint als von einem Mann enttäuschte Zauberin verleiht der Verfilmung einen gewissen Glanz. Ähnlich verhält es sich auch beim „Aschenputtel“, bei den ganz jungen Kritikern übrigens der Favorit der vier Neuverfilmungen. Die überzeugend gespielte Schwiegermutter von Hannelore Auer appelliert an den Gerechtigkeitssinn von Kindern, der natürlich aufs Gröbste strapaziert wird. Doch am Ende wird alles gut – eben wie im Märchen. Und auch in „Die Sterntaler“ ist die Moral der Geschichte leicht erkennbar – hier zahlen sich Mitgefühl und Mut aus. Dabei überzeugt die junge Darstellerin Meira Durand nicht nur durch ihr schönes langes Haar. Den Schluss der vier Neuen bilden „Die zertanzten Schuhe“. Erwachsene Zuschauer mögen kurzzeitig stutzen, wenn Darsteller Dieter Hallervorden hier im Bild erscheint. Doch seine Königsrolle passt zu ihm, auch wenn er nach eigenen Aussagen am liebsten mal das Rumpelstilzchen spielen würde. Doch da ist ihm schon 2009 Robert Stadlober zuvorgekommen.

„Jorinde und Joringel“, 1. Weihnachtstag, 14 Uhr; „Aschenputtel“, 1. Weihnachtst., 15 Uhr; „Die Sterntaler“, 2. Weihnachtst., 14.20 Uhr; „Die zertanzten Schuhe“, 2. Weihnachtst., 15.20 Uhr