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Medien & TV ARD diskutiert über Jugendkanal
Nachrichten Medien & TV ARD diskutiert über Jugendkanal
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08:21 05.01.2011
Von Imre Grimm
Spielplatz in der Sparte: ZDFneo punktet mit jungen Formaten wie „neoMusic“, moderiert von Die-Happy-Sängerin Marta Jandová. Quelle: ZDF/Jule Roehr
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Das ZDF macht’s vor, ausgerechnet das ZDF – mit ZDFneo, dem jungen Digitalkanal. Der Ableger macht zwar nicht mit Spitzenquoten, aber mit vergleichsweise coolen Inhalten Punkte: mit „Mad Men“, „30 Rock“ oder „neoMusic“, moderiert von Sängerin Marta Jandová, die 2007 mit Oomph! für Niedersachsen den „Bundesvision Song Contest“ gewann. Für das ZDF ist der „Zielgruppenfernsehsender für Berufstätige und junge Eltern“ zwar kein Jungbrunnen, aber ein wichtiges Werkzeug zur Imagekorrektur.

Neidvoll blicken nicht wenige aus der ARD-Familie nach Mainz. Ein eigener Jugendkanal, der die Lücke zwischen dem Kinderkanal und dem ARD-Hauptprogramm schließt, der Teenager frühzeitig an die Marke ARD bindet, sobald sie dem Sponge-Bob-Alter entwachsen sind – das hält SWR-Intendant Peter Boudgoust, bisheriger Vorsitzender der ARD, für eine gute Idee. Er kritisiert seit Jahren den „Publikumsabriss“ zwischen KI.KA und Das Erste. „Unser Grundversorgungsauftrag umfasst alle Milieus, alle Altersgruppen“, sagte Boudgoust in einem SWR2-Radiointerview, das am Sonnabend ausgestrahlt wird. „Wir können nicht sagen: Der Mensch wird dann wieder mit 25 oder 30 bei uns in den Fokus geraten, sondern wir müssen auch für die prägende Lebensphase dazwischen spezifische Angebote machen.“

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Doch der noch vage Plan für einen weiteren Digitalkanal neben EinsPlus, Eins­Extra und EinsFestival, den Boudgoust seit Jahren zu Markte trägt, bleibt innerhalb der ARD umstritten. WDR-Intendantin Monika Piel, seit Jahresbeginn neue ARD-Vorsitzende, sieht die Sache kritisch. „Wir haben gar nicht so viele jüngere Stoffe in anderen Programmen“, sagte sie. „Es müsste für einen solchen Jugendkanal fast alles neu produziert werden.“ Sie will stattdessen den Digitalableger EinsFestival verjüngen. Es gebe Pläne für eine neue Talkshow „für Jüngere“. Bei EinsFestival müsse man sich noch stärker trauen, zu experimentieren. „Da geht es mir weniger um internationale TV-Serien.“ Hintergrund ist auch, dass ein weiterer ARD-Digitalableger politisch kaum durchzusetzen wäre. Alternative: eine Fusion von EinsFestival und EinsPlus.

Piel leitet innerhalb der ARD die „Arbeitsgemeinschaft Junges Publikum“. Seit einem Jahr versucht man dort, die Dritten Programme und EinsFestival „behutsam zu verjüngen“. Schon vor einem Jahr gab es dazu ein dreitägiges Seminar unter dem hüftsteifen Motto „Gewinnung eines jüngeren Publikums“. Bisherige Erfolge: wenige. „Wir werden demnächst weitere Sitzungen zu diesem Thema haben“, kündigte Piel an. Die Mühlen mahlen langsam im öffentlich-rechtlichen System.

Nicht wenige innerhalb der ARD sehen auch die Gefahr, dass ein spezieller Jugendkanal zum juvenilen Feigenblättchen werden könnte. Die Jugend in der Nische parken, bis sie „alt“ genug ist für die ARD? Das ist riskant. Denn niemand garantiert, dass sie zurückkehrt. Es sei ohnehin sehr schwierig, diese Zielgruppe zu erreichen, sagt Piel. „Die Jugend ist so heterogen, sie interessiert sich für Angebote, die mit unserem Profil kaum zusammenzubringen sind.“ Das klingt nach freiwilliger Selbstaufgabe, nach Kapitulation ohne Kampf.