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Medien & TV 53 Cent
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19:22 04.03.2014
Von Dirk Schmaler
Ohne Werbung keine Mainzelmännchen: Die ZDF-Trickfiguren kündigen Spots an. Quelle: ZDF
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Nun zur Werbung: Wer schon einmal über die quälend langen Werbepausen während einer Sportschau-Sendung geärgert hat, wird vielleicht schon einmal überlegt haben: Wie teuer mag es sein, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfach aufzukaufen? Eine kleine Erhöhung des Rundfunkbeitrags für alle, und man hat beim Fußball Ruhe vor der Werbung. Die Beitragsfindungskommission KEF hat sich in einer neuen Studie mit dieser Frage beschäftigt und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. ARD und ZDF benötigten zum Ausgleich für die Werbeeinnahmen monatlich zusätzlich 1,26 Euro von jedem Beitragzahler.

Statt heute 17,98 Euro wären für Fernsehen und Hörfunk ohne Werbung dann 19,24 Euro fällig. Eigentlich. Da aber die Gebühren wegen unerwarteter Überschüsse nach Empfehlung der KEF gleichzeitig um 73 Cent gesenkt werden könnten, wäre man unterm Strich bei erträglichen 18,51 Euro für ARD und ZDF ohne Werbeunterbrechung – 53 Cent im Monat mehr als heute. Für etwa den Wert einer Standardbriefmarke wäre das öffentlich-rechtliche Programm werbefrei.

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Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat sich die Zahlen offenbar ebenfalls angeschaut. Auf eine kleine Anfrage im Mainzer Landtag ließ die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder erklären, sie strebe es an, die Werbezeiten auf längere Sicht zurückzufahren. Allerdings nur, wenn „das nicht zu deutlichen Beitragserhöhungen führt“. Deshalb habe die KEF ebenfalls errechnet, was ein teilweises Werbeverbot bringen würde. Demnach würde es jeden Beitragszahler 66 Cent kosten, wenn Werbung nur noch im Sportumfeld zulässig wäre – etwa die Hälfte der gesamten Werbe- und Sponsoringeinnahmen. Werbung darf in ARD und ZDF laut Rundfunkstaatsvertrag nur von Montag bis Sonnabend vor 20 Uhr gesendet werden, pro Stunde höchstens 20 Minuten. Das bringt insgesamt etwa 500 Millionen Euro  – zusätzlich zu den etwa 7,8 Milliarden Euro Gebühreneinnahmen.

Eine dauerhafte Werbepause wäre übrigens eine Neuheit. Die Werbespots im Öffentlich-Rechtlichen sind um einiges älter als das Privatfernsehen. Der erste Werbespot lief am 3. November 1956 im Bayerischen Rundfunk. Der Spot warb für das Waschmittel Persil. Mindestens einen Haken hätte ein Werbeverbot. Laut Staatsvertrag ist es notwendig, Werbung und Programm deutlich sichtbar voneinander zu trennen. Die ZDF-Mainzelmännchen würden dafür nicht mehr gebraucht.

04.03.2014
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