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Medien & TV ARD und ZDF räumen beim Grimme-Preis ab
Nachrichten Medien & TV ARD und ZDF räumen beim Grimme-Preis ab
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21:23 13.03.2012
Von Imre Grimm
Fernsehen, wie es auch sein kann: Der „Tatortreiniger“ Bjarne Ingmar Mädel.
Fernsehen, wie es auch sein kann: Der „Tatortreiniger“ Bjarne Ingmar Mädel. Quelle: Thorsten Jander
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Zeitlebens erzog Adolf Grimme die Deutschen zu Demokratie und Toleranz. Und lange nicht mehr stand der Preis, der seinen Namen trägt, so sehr in dieser Tradition wie in diesem Jahr: Zwei Dokumentationen über den zähen Kampf der schwäbischen "Wutbürger" für ihr Recht auf demokratische Teilhabe beim Projekt "Stuttgart 21" und über den Missbrauch an der Odenwaldschule gehören zu den Gewinnern der Adolf-Grimme-Preise für das Jahr 2011. Aktuelle Themen, großes Fernsehen, sauberer Journalismus, starke Fiktion - 2011 war ein guter Fernsehjahrgang.

Traditionell ist der Grimme-Preis ein Durchmarsch für die Öffentlich-Rechtlichen: Insgesamt gehen diesmal sieben Preise an ARD-Sender, vier an das ZDF und nur einer an den Privatsender Tele 5. Die zwölf undotierten Grimme-Preise werden am 23. März bei einer Gala in Marl verliehen. Die "Besondere Ehrung" erhält Hannelore Hoger.

Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts, zeigte sich in Düsseldorf "stark beeindruckt". Die Jury habe "eindrucksvolle, zupackende und nachdrückliche Dokumentationen" gesehen. Die ausgewählten Filme zeigten, "dass im deutschen Fernsehen an der Spitze herausragende Leistungen zu finden sind, welche auch im internationalen Vergleich einen hohen Rang einnehmen".

In der Kategorie "Information & Kultur" wird neben der Odenwald-Dokumentation "Geschlossene Gesellschaft" (ARD) und der "Stuttgart 21"-Doku "Alarm am Hauptbahnhof" (ARD/SWR) auch Rosa von Praunheim für seinen Film "Wir Jungs vom Bahnhof Zoo" (RBB/NDR) über die Berliner Stricherszene ausgezeichnet. Weitere Grimme-Preise gehen an die ZDF-Dokumentationen "The Other Chelsea" über die Liebe der Menschen im ukrainischen Kohlerevier Donezk zum lokalen Fußballklub "Schachtjor Donezk" sowie "Mein Leben - Die Fotografin Sybille Bergemann".

Der einzige Preis für einen Privatsender geht in der Kategorie "Unterhaltung" an Tele 5 für die Comedy-Sendung "Walulis sieht fern" von und mit Philip Walulis. Eine weitere Auszeichnung erhält die hochgelobte NDR-Serie "Der Tatortreiniger", in der Bjarne Ingmar Mädel ("Stromberg") einen Mann namens "Schrotty" spielt, der nach Morden den Tatort säubern muss. Die ersten vier Folgen versendete der NDR Ende 2011 im Nachtprogramm, sechs weitere sind in Vorbereitung. Jurymitglied Hans Hoff tadelte den NDR dafür, seine TV-Perle "schlecht und lieblos" im Programm platziert zu haben. In der Kategorie "Fiktion" wird Kilian Riedhofs ARD-Film "Homevideo" ausgezeichnet. Den Film über einen pubertierenden Jugendlichen (Jonas Nay), der zum Cyber-Mobbing-Opfer wird, hatte der NDR gemeinsam mit dem BR und arte sowie der Produktionsfirma teamWorx produziert. Zu den ausgezeichneten Fernsehfilmen gehören auch "Ein guter Sommer" (ARD/HR) sowie der ZDF-Film "Die Hebamme - Auf Leben und Tod".

Für den Film "Liebesjahre" (ZDF) erhalten neben Regisseur Matti Geschonneck und Autor Magnus Vattrodt auch die Schauspieler Iris Berben, Peter Simoni­scheck, Nina Kunzendorf und Axel Milberg die Auszeichnung. Das Kammerspiel erzählt die Geschichte eines geschiedenen Ehepaares, das sich trifft, um sein früheres gemeinsames Haus zu verkaufen. In Anwesenheit der neuen Partner begeben sich die beiden auf eine Reise in die gemeinsame Vergangenheit. "Wir hatten das Gefühl, dieses Haus ist der fünfte Hauptdarsteller", sagte Iris Berben im Rückblick. Den mit 10000 Euro dotierten Sonderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen erhält die Reihe "Du bist kein Werwolf" (KI.KA/WDR), die das Thema Pubertät für Kinder und Jugendliche aufbereitet.

Und einen Grimme-Spezialpreis mit Ansage gab es für das von den drei Regisseuren Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler für die ARD entwickelte Projekt "Dreileben". Die drei 90-Minüter, die alle in einer thüringischen Kleinstadt spielen, in der ein flüchtiger Gewaltverbrecher gesucht wird, sendete die ARD am 1. September - mit mäßigen Quoten, aber großem Prestigegewinn. Für Dominik Graf ist es bereits der zehnte Grimme-Preis.

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