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Medien & TV Ausgerechnet Alaska
Nachrichten Medien & TV Ausgerechnet Alaska
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19:03 15.10.2013
Von Christiane Eickmann
Zu viel Rot auf deinen Lippen: Alaska Johansson (Alina Levshin) hat absichtlich in ein Glas gebissen und sich damit ein wenig den ansonsten makellosen Auftritt versaut. Quelle: ARD
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Hannover

Schon der Name des Thrillers klingt künstlich und geheimnisvoll: Alaska Johansson. Alaska erweckt Assoziationen mit Weite, Schnee und Kälte. Johansson erinnert unweigerlich an die stets makellose US-Schauspielerin Scarlett Johansson. Ebenso perfekt und schön erscheint Hauptdarstellerin Alina Levshin („Im Angesicht des Verbrechens“, „Kriegerin“) als Alaska Johansson in dem ungewöhnlichen Fernsehfilm, den die ARD Mittwochabend um 20.15 Uhr zeigt.

Alaska trägt einen exakt geschnittenen Zwanziger-Jahre-Bubikopf, wirft ihre Unterwäsche direkt nach dem Tragen in den Müll, duscht stets so gründlichst, als müsse sie sich den Dreck ihrer Umwelt abwaschen, und ist immer dezent, aber doch perfekt geschminkt. Als Beruf gibt sie „Menschensammlerin“ an. Sie arbeitet als äußerst erfolgreiche Headhunterin - bis zu dem Tag, als ihr Liebhaber und Chef sie verlässt und Alaska gefeuert wird.

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Was darauf folgt, ist ein Horrortrip, auf den Regisseur Achim von Borries und Drehbuchautor Sascha Arango die Zuschauer mitnehmen. Er führt direkt in die seelischen Abgründe der jungen Frau. Johansson wird von einem kichernden Kind verfolgt, das sich als Gespenst verkleidet hat. Doch außer ihr scheint niemand das Kind zu sehen. Zu ihren Eltern hat sie ein seltsam unterkühltes Verhältnis. Außerdem scheinen Unbekannte in die Wohnung der jungen Frau eindringen zu wollen und Alaska nach dem Leben zu trachten. Was Wahn ist und was Wirklichkeit, wird dabei bewusst in der Schwebe gelassen.

Der Psychothriller ist kunstvoll und mit einer Liebe zum Detail inszeniert, die an große Verrätselungsmeister wie Alfred Hitchcock und David Lynch erinnert. Geschickt wird beispielsweise immer wieder mit der Farbe Rot gespielt. So taucht mehrere Male ein roter Luftballon mit aufgemaltem Gesicht auf, trinkt Johansson meist rote Getränke, außerdem ist ihre Mutter rothaarig. Von Borries zitiert auch die berühmte Duschszene aus Hitchcocks „Psycho“, die Axt in der Tür aus Kubricks „Shining“ und schafft eine Atmosphäre wie in japanischen Horrorfilmen - ohne dass es aufgesetzt oder peinlich wirkt. Geschickt lässt er einige Nebendarsteller - darunter Stipe Erceg und Sebastian Schipper - in unterschiedliche Rollen schlüpfen, um die Mehrdeutigkeiten noch zu verstärken.

Allein Alina Levshins Präsenz und unterkühltes Spiel machen den Thriller, der nur an wenigen Stellen zu manieriert daherkommt, sehenswert. Dennoch werden vermutlich einige Zuschauer, die auf dem ARD-Sendeplatz gefälligere Kost gewohnt sind, entnervt umschalten. So ungewohnt, zu mutig, zu kantig ist dieser Film. Glücklicherweise ist es aber nicht das erste Mal, dass die ARD am Mittwoch etwas wagt. Schon am Hausfrauen-Horrorfilm „Sechzehneichen“ mit Heike Makatsch im vergangenen Jahr war Achim von Borries beteiligt. Gerne mehr davon!

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