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Medien & TV ARD zeigt „Der Chinese“ nach Henning Mankell
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt „Der Chinese“ nach Henning Mankell
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20:42 28.12.2011
Die Schauspielerinnen Suzanne von Borsody (l) und Claudia Michelsen stellen am 26.10. 2011 in Hamburg ihren Film «Der Chinese» vor.
Die Schauspielerinnen Suzanne von Borsody (l) und Claudia Michelsen stellen am 26.10. 2011 in Hamburg ihren Film «Der Chinese» vor. Quelle: dpa
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Fast drei Stunden – ohne Unterbrechung – dauert der Film, allein das setzt schon eine hohe Konzentrationsfähigkeit bei den Zuschauern voraus. Zudem spielt das Werk auf drei Kontinenten, das Motiv der begangenen Morde liegt mehr als 160 Jahre zurück, und thematisiert werden Fragen von Schuld und Sühne, von Kapitalismus und Kolonisation.

Doch keine Bange vor großen Worten: Zuschauen lohnt sich. Der Film ist nämlich nach einem Drehbuch von Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer auch äußerst spannend erzählt und fesselt den Zuschauer trotz seiner Länge bis zur letzten Minute. Los geht es allerdings nach gewohnter Schwedenart ziemlich blutrünstig. Ein winziger Ort in der tiefsten schwedischen Provinz wird Schauplatz eines grausamen Massakers. Fast alle Bewohner des Ortes werden bestialisch ermordet, und darunter sind auch die Eltern und Verwandten der Richterin Brigitta Roslin (Suzanne von Borsody). Sie ist eigentlich gerade dabei gewesen, sich von ihrem Mann Staffan (Michael Nyqvist bekannt aus der „Millennium“–Trilogie) zu trennen, reist nun aber sofort an den Tatort.

Dort trifft Roslin auf die eigenwillige Kommissarin Vivi Sundberg (Claudia Michelsen), die anfangs allerdings nicht bereit ist, die Richterin bei deren eigenen Ermittlungen zu unterstützen. Außerdem gibt es bereits einen dringenden Tatverdächtigen, der die Morde auch zugibt, dann aber wenige Tage später sein Geständnis widerruft und Selbstmord begeht. Währenddessen stößt Roslin auf einen weiteren Verdächtigen, auf einen Chinesen, der sich am Tag der Morde in der Nähe des Tatorts aufgehalten hat. Die Spur führt bald nicht nur nach China, sondern auch in die USA, wo auf ähnlich grausame Art vor einiger Zeit entfernte Verwandte von Roslin ermordet worden sind – womöglich auch von einem Chinesen.

Und schließlich, nach etwa 100 Filmminuten, reist die Richterin selbst nach China (gedreht in Taiwan), taucht ab in eine völlig fremde Welt, bekommt das „Lost in Translation“-Gefühl, wird mit Ritualen und alten Ehrbegriffen sowie einer schier unerschütterlichen Familientradition konfrontiert. Eine Tradition, die offensichtlich auch nicht vor Morden zurückschreckt. Selbst wenn der Anlass, das Motiv schon lange zurückliegt und tatsächlich, wie in diesem Fall, bis in die Zeit des amerikanischen Eisenbahnbaus führt, bei dem angeworbene oder verschleppte chinesische Arbeiter von ihren „weißen“ Vorarbeitern brutal behandelt worden sind. Was sich nun auf zugegeben recht irrwitzige Weise rächt.

Gewiss, der Fall mag schon arg konstruiert und thematisch überfrachtet sein, dennoch werden auch wir ja immer öfter mit Berichten über angebliche Ehrenmorde oder Blutfehden konfrontiert. Außerdem zeigt der Film zumindest im Ansatz, dass China offenbar dabei ist, große Fehler der europäischen Kolonisation unter anderem in Afrika zu wiederholen – mit genauso bösen Folgen für Land und Leute. Von allem Politischen einmal abgesehen, auch als reiner Krimi liefert der Film packende Unterhaltung. So geschickt werden die Spannung und der Horror, mit denen die Richterin konfrontiert wird, gesteigert. Und bald fiebert man tatsächlich mit der von Suzanne von Borsody exzellent verkörperten Frau mit.

„Der Chinese“ | ARD
dreistündige Mankell-Verfilmung
Freitag, 20.15 Uhr

Heike Manssen 28.12.2011