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09:31 04.06.2014
Das Erste zeigt die Annäherung zwischen der engagierten Lehrerin und ihrer Problemschülerin. Quelle: ARD
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Auf den ersten Blick ist die 17jährige türkischstämmige Ilayda (Selen Savas) das, was Populisten von der Sorte Sarrazin abschätzig „Kopftuchmädchen“ nennen. Ilayda wirkt schüchtern, grenzt sich von ihren Mitschülern ab, ist in ihrer Klasse eines Wiener Gymnasiums zunehmend isoliert. Und sie weigert sich, am Schwimmunterricht teilzunehmen, weil sie im Badeanzug zu viel nackte Haut zeigen müsste.

Schuld an diesem Verhalten, da ist man sich als Zuschauer anfangs ziemlich sicher, ist natürlich ihr Elternhaus, das wegen seiner rigiden religiösen Moralvorstellungen die Integration Ilaydas erschwert, wenn nicht sogar verhindert. All das meint man als Zuschauer zu kennen.

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Auch die junge Lehrerin Martha Müller, gespielt von Emily Cox („Dutschke“), ist fest davon überzeugt, dass Ilaydas Familie der jungen Frau das Leben schwer macht. Müller hat sich gerade erst nach einem gewalttätigen Zwischenfall von Linz nach Wien versetzen lassen und beschlossen, sich von  nun an nicht mehr so stark als Lehrerin zu engagieren. Doch dann wird die Sportlehrerin mit dem vermeintlichen „Problemfall“ Ilayda konfrontiert. Ihr Vorsatz, in Wien nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen, löst sich damit in Luft auf. Abends beobachtet sie, wie das Ilayda heimlich im Schulschwimmbad ihre Bahnen zieht, leidenschaftlich und offenbar sehr talentiert.

Was folgt, ist eine langsame und anfangs sehr schwierige Annäherung zwischen der engagierten Lehrerin und ihrer Problemschülerin. Dabei lernt Martha das überraschend liberale und keineswegs religiös geprägte Elternhaus des Mädchens kennen und erfährt schließlich die wahren Motive von Ilaydas Verhalten. Auch die 17-Jährige öffnet sich langsam, ist sogar bereit, Kompromisse einzugehen, und wird zunehmend von ihrer Klasse akzeptiert.

Das ist schön, wenn auch vielleicht ein wenig zu schön, um wahr zu sein. Und genau das ist neben den bisweilen fürchterlich gut gemeinten Dialogen dann auch die große Schwäche des von Holger Barthel nach einem Drehbuch von Susanne Beck und Thomas Eifler inszenierten Films. „Die Freischwimmerin“ wirkt an vielen Stellen zu weich gespült. Selbst Probleme werden in der erzeugten Wohlfühlstimmung etwas zu schnell und einfach gelöst.

Gleichwohl sollte man sich ruhig auf den Film einlassen. Wirklich sehenswert ist nämlich, wie die Story mit all unseren Vorurteilen spielt. So wird das Bild vom „Kopftuchmädchen“ erst aufgebaut, um es anschließend clever wieder einzureißen. Ebenso entpuppt sich das vermeintliche Oberhaupt von Ilaydas Familie als keineswegs typisch türkischer Patriarch, sondern als ein liebenswerter und toleranter Zeitgenosse.

Hervorzuheben ist auch die Leistung der Hauptdarstellerinnen. Besonders die von Selen Savas, die die Befindlichkeit eines Mädchens transportiert, das verunsichert nach seiner Identität sucht. Dennoch: Ein paar mehr Ecken und Kanten hätten dem Film gut gestanden.

Von Ernst Corinth

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