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Medien & TV ARD zeigt Hakan Nessers "Mensch ohne Hund"
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt Hakan Nessers "Mensch ohne Hund"
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12:42 09.06.2010
Von Dany Schrader
Inspektor Gunnar Barbarotti (Sylvester Groth) und seine Kollegin Eva Backman (Nina Kronjäger). Quelle: ARD
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Inspektor Gunnar Barbarotti ist ein verschrobener Kerl. Und wie schon der brummige Kommissar Van Veeteren schleppt auch die jüngste Romanfigur des norwegischen Autors Hakan Nesser wieder eine Menge Ballast aus der Vergangenheit mit sich herum. Während Barbarotti noch auf den Resten seiner längst geschiedenen Ehe herumkaut, hat er Gott zu einer schicksalshaften Wette herausgefordert: Der muss ihm nun täglich aufs Neue seine Existenz beweisen. Sonst schreibt der melancholische Italo-Schwede mit ironischem Grinsen dicke Minuspunkte in sein Notizbuch.

Anders als der einsame, schon etwas ältliche Van Veeteren steht der allein erziehende Vater Barbarotti, gespielt von Sylvester Groth, jedoch noch mitten im Leben. So bleibt ihm kaum Zeit, sich seiner Schwermut hinzugeben. Nach einem Familientreffen in der fiktiven Kleinstadt Kymlinge im Norden Schwedens werden zwei Männer vermisst.

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Barbarotti , der mit Tochter Sara eigentlich längst zum Mittsommernachtsfest bei seiner Exfrau und dem Rest der Familie sein sollte, wertet den neuen Fall als Geschenk des Himmels und übernimmt. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass die Suche nach den verschwundenen Männern Monate in Anspruch nehmen und ihn immer tiefer in das verworrene Beziehungsgeflecht der seltsamen Familie Hermansson führen wird.

"Mensch ohne Hund", der Auftakt der bisher auf vier Romane angelegten Barbarotti-Reihe bringt damit eigentlich alle Voraussetzungen mit, die ein guter Fernsehkrimi braucht. Dass die Ermittlungen in diesem speziellen Fall allerdings mehr als zäh verlaufen und bisweilen ins Banale abzurutschen drohen, liegt an der Umsetzung. Anders als bei der gelungenen Verfilmung der Van-Veeteren-Romane mit einem grandiosen Sven Wollter in der Hauptrolle fungierte die ARD-Tochter Degeto dieses Mal nicht als Koproduzentin des schwedischen und dänischen Fernsehens, sondern gab die Verfilmung stattdessen selbst bei der TE Trebitsch Entertainment GmbH in Auftrag. Herausgekommen ist ein Film nach dem bewährten Strickmuster, mit denen deutsche Fernsehanstalten offenbar hoffen, hohe Einschaltquoten erzielen zu können und nach dem das ZDF seit Jahren seifige Rosamunde-Pilcher-Filme produziert. Deutsche Schauspieler vor skandinavischer Landschaft reichen in diesem Fall jedoch leider nicht aus, um die dichte Atmosphäre des Nesser-Krimis einzufangen. Stattdessen driftet die Produktion schnell ins Seichte, flache Dialoge lähmen die eigentlich spannende Handlung. Wenn Barbarotti mit der geheimnisumwitterten Familie Hermansson am Kaffeetisch sitzt und sich vergeblich bemüht, das eiserne Schweigen der Angehörigen aufzubrechen, wirken die Darsteller wie Marionetten. Auch Vadim Glowna als fürchtenswerter Patriarch erscheint da wenig glaubhaft.

Fans fesselnder Whodunits werden ebenfalls enttäuscht: Ein ums andere Mal wenn Barbarotti noch im Dunkeln tappt, weiß der Zuschauer durch einen plötzlichen Wechsel der Erzählperspektive längst Bescheid. Für eine kriminalistische Studie jedoch werden Motive und Täter zu flüchtig beschrieben.

Dabei hätte es viele Handlungsstränge gegeben, die es sich auszuerzählen gelohnt hätte. Barbarottis schwierige Liebe zu einer Strandbekanntschaft etwa macht in der Flüchtigkeit der Erzählung nicht einmal Sinn, um den Charakter des Inspectors näher zu beschreiben. Und auch der Figur der kecken Polizistin und Koermittlerin Eva Backmann, eigentlich passend besetzt mit Nina Kronjäger, hätte man mehr Raum geben dürfen.

Einzig Sylvester Groth erhält die Chance, seinen Barbarotti gekonnt mit allen Ecken und Kanten auszuspielen. Er nutzt die sie. Am Ende fährt der Inspektor zum Fischen aufs Meer der Sonne entgegen und spricht wieder einmal zu Gott. Das Ergebnis seiner Wette immerhin darf Barbarotti lüften, bevor eine allwissende Kamera ihm auch noch diesen Job abnimmt.

Donnerstag, 10.06., 20.15 Uhr