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Medien & TV ARD zeigt die kauzige Familienkomödie „Holger sacht nix“
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt die kauzige Familienkomödie „Holger sacht nix“
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19:34 24.10.2011
Holger (Tilo Prückner) schläft lieber im Stall seines früheren Hofs, als sich mit seiner Familie auseinanderzusetzen. Quelle: WDR
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Holger könnte im Grunde stolz auf sich sein. Der ehemalige Landwirt hat mit einer ihn liebenden Frau an seiner Seite einen erfolgreichen Hof geführt und eine Tochter großgezogen. Doch der Rentner ist in Wirklichkeit todunglücklich. Die ARD-Kömodie „Holger sacht nix“ präsentiert am Mittwoch einen schrulligen Bauern, den der Ruhestand überfordert. Jeden Morgen schleicht sich Holger heimlich zu seinem ehemaligen Hof, um dort die Tiere zu füttern. Mit seiner Frau spricht er kaum noch ein Wort, und zu seiner Tochter Olga hat er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr.

Eines Tages steht Olga völlig unvermittelt mit ihrem Sohn vor der Tür. Die angehende Schauspielerin ist in der Großstadt gescheitert und sucht nun bei ihren Eltern für einige Zeit Unterschlupf. Holgers Begeisterung hält sich sichtlich in Grenzen. Aber anstatt seine Tochter zur Rede zu stellen, verkriecht sich der Griesgram lieber stumm und stur auf dem Dachboden.

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In der Komödie soll das verstockte Herz des wortkargen Rentners wiederbelebt werden. Doch der von Tilo Prückner gespielte grummlige Grantler lässt nichts und niemanden an sich heran. Selbst Enkelsohn Theo nicht, der sich rührend um die Zuneigung seines Opas bemüht. Der Ruheständler versinkt lieber in Selbstmitleid. Er ist sauer, dass seine Tochter vor einigen Jahren die Verlobung mit seinem von ihm auserkorenen Nachfolger löste. Und er ist wütend, dass er dem Jungbauern Nico dennoch seinen Hof verkaufte. Dass ihn seine Frau nicht einfach vor sich hingrummeln lässt, gefällt ihm auch nicht.

Der stumme Groll des Bauern wird in „Holger sacht nix“ von Regisseur Thomas Durchschlag in einen liebenswerten Familienfilm gepackt, in dem auch die Nebenfiguren genügend Spielraum erhalten. Holgers Ehefrau, gespielt von Carmen-Maja Antoni, etwa bemüht sich rührend darum, ihrem Ehemann ein angenehmes Rentnerleben zu ermöglichen, und versucht sogar, die Ehe wieder aufzufrischen. Dass sie dazu ausgerechnet ihren Nachbarn, einen unverbesserlichen Dauersingle und ehemaligen Militärpsychologen, um Rat fragt, macht die Sache zunächst nicht einfacher.

Holgers Tochter (Julia-Maria Köhler) hat dagegen an ihrem persönlichen Scheitern zu knabbern. Sie ist inzwischen Mitte dreißig hat keinen Job, keinen Mann und kein gutes Verhältnis zu ihrer Familie. Ihre Träume von einem erfolgreichen Leben in der Stadt sind längst geplatzt. Alles, was sie noch hat, ist ihr Sohn, den sie über alles liebt. Und schließlich ist da noch der Jungbauer Nico, der Holgers Hof übernommen hat, sich mit dem Dasein als Landwirt aber nicht so richtig anfreunden kann. Stattdessen will er das Ackerland verscherbeln.

„Holger sacht nix“ ist eine warmherzige Komödie um Familie und Versöhnung. Wobei die Protagonisten erst erkennen müssen, dass sie nur gemeinsam wirklich stark sind. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, wurde von Regisseur Durchschlag allerdings in einen stimmigen Fernsehfilm mit authentischen Figuren verwandelt.

„Holger sacht nix“ | Das Erste
Kauzige Familienkomödie
Mittwoch, 20.15 Uhr

Oliver Zimmermann