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Medien & TV Hochmut kommt nach dem Fall
Nachrichten Medien & TV Hochmut kommt nach dem Fall
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18:10 29.05.2014
Kariert, aber ohne Pfeife und Lupe: Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) in der BBC-Reihe. Quelle: ARD
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Hannover

Auch wenn es häufig behauptet wird: Exzellentes Fernsehen wird keineswegs nur von US-amerikanischen Privatsendern produziert. Als die britische BBC vor vier Jahren erstmals ihre rasant geschnittene Neuinterpretation des Detektivklassikers „Sherlock“ präsentierte, waren Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistert. Am morgigen Donnerstag läuft nun in der ARD die dritte Staffel der Erfolgsserie mit den grandiosen Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Martin Freeman an.

Zur Erinnerung: Am Ende eines dramatischen Machtkampfs zwischen den beiden Gegenspielern Jim Moriarty und Sherlock Holmes (Cumberbatch) schoss der geniale Gangster Moriarty sich in den Kopf, der Detektiv warf sich vor den Augen John Watsons (Freeman) von einem Hausdach in die Tiefe. Der Fall eines Helden, im übertragenen und im eigentlichen Sinn. Und dann war da noch diese letzte Einstellung: Watson am Grab seines Freundes, ein gebrochener Mann. „Mein bester Freund, Sherlock, er ist tot“, presste er heraus. Und im Schatten abseits: Sherlock Holmes.

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TV-Tipp

Sherlock – Die dritte Staffel“, ARD
Teil 1: heute, 21.45 Uhr
Teil 2: 8. Juni, 21.45 Uhr
Teil 3: 9. Juni: 21.45 Uhr

Dass der Meisterdetektiv London und ganz England wieder vor Schurken schützen würde, war also für das Publikum klar. Allerdings nehmen der Freund und Helfer John Watson, die Vermieterin Mrs. Hudson und der ewig ratlose Scotland-Yard-Inspektor Lestrade seine Rückkehr im ersten Teil der dritten Staffel („Der leere Sarg“) unterschiedlich auf. Allein Martin Freeman, der einen tief verletzten Watson spielt, lohnt schon das Einschalten. Hinzu kommt ein Drehbuch, das viel Raum für eigene Interpretationen lässt, und ein sehr feiner, typisch britischer Humor.

Auch die dritte Staffel besteht aus drei Folgen jeweils in Spielfilmlänge. Wieder sind sie inspiriert von Originalfällen aus der Feder von Arthur Conan Doyle (1859–1930). Sherlock kommt weiterhin ohne Lupe und Pfeife aus, dafür nicht ohne Smartphone, Zigarette und diverse Rausch- und Betäubungsmittel. Er wird erneut mit atemberaubender Geschwindigkeit denken, sprechen und kombinieren, knifflige Fälle lösen – und den Dank dafür mit dieser wunderbaren Mischung aus Gleichgültigkeit und Hochmut hinnehmen, die Benedict Cumberbatchs gerümpfte Nase so unmissverständlich ausdrückt.

Nicht nur in Großbritannien hat die BBC mit der Serie große Begeisterung für Cumberbatch und seine Sherlock-Interpretation ausgelöst. Derzeit wird gerätselt, wann mit einer vierten Staffel zu rechnen ist. Die deutschen Fans können sich derweil erst mal auf drei temporeiche Episoden freuen. Allerdings: Die neue Staffel ist ein wenig nach dem Motto „viel hilft viel“ mit Spezialeffekten, Zeitsprüngen und Cumberbatch-Monologen überfrachtet – und verlangt stets höchste Konzentration beim Zuschauen. Dies jedoch angesichts des üblichen Fernsehprogrammes zu kritisieren, wäre Jammern auf hohem Niveau.

Von Teresa Dapp und Christiane Eickmann

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