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Medien & TV Als das Wünschen geholfen hat: Ein Nachruf auf Vivi Bach
Nachrichten Medien & TV Als das Wünschen geholfen hat: Ein Nachruf auf Vivi Bach
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15:58 23.04.2013
Von Rainer Wagner
Foto: Vivi Bach starb im Alter von 73 Jahren auf Ibiza.
Vivi Bach starb im Alter von 73 Jahren auf Ibiza. Quelle: dpa
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Hannover

Zusammen mit Dietmar Schönherr schrieb Vivi Bach ein kleines Kapitel deutsche Fernsehgeschichte. Damit ist nicht ihr kurzer Auftritt in der legendären deutschen Science-Fiction-Reihe „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ gemeint, in dem sie als Ordonanz auf dem fernen Planeten Chroma ihren Commander McLaine traf. Zusammen mit Schönherr präsentierte sie Galaabende der Schallplatte. Vor allem aber war sie seine Partnerin in der Spielshow „Wünsch Dir was“.

Die Fernsehlegende Vivi Bach ist tot. Sie starb im Alter von 73 Jahren auf der spanischen Insel Ibiza.

Drei Jahre lang lief diese Show im ZDF, in Österreich und in der Schweiz und schaffte es mit spektakulären Momenten auf Einschaltquoten, die heute undenkbar wären: bis zu 30 Millionen Zuschauer. Die sahen die erste transparente Bluse an einem unschuldigen Teenager, die damals tagelang für Gesprächsstoff sorgte: Das war die Zeit, als Unterhemden und Büstenhalter aus der Mode waren. Für noch mehr Aufregung sorgte eine Wette, bei der sich Kandidaten aus einem im Wasser versenkten Auto befreien mussten, was um ein Haar schief gegangen wäre.

Statt zu Telefonabstimmungen rief man damals die Zuschauer an die Lichtschalter oder die Klospülung und maß, wie der Strom- oder der Wasserverbrauch stieg.

Begonnen hatte die Bäckerstochter Vivi Bak, die am 3. September 1939 in Kopenhagen geboren wurde, als Sängerin und Schauspielerin. Sie trat auch als Jazzsängerin auf, doch Karriere in Deutschland machte sie, wie viele andere Jazzfreunde, mit eher seichteren Schlagern.
Auf erste Filmrollen in Dänemark folgten bald auch deutsche Streifen: meist waren das Schmonzetten und leichte Schlagerfilme. In dem kuriosen Italowestern „Die letzten Zwei vom Rio Bravo“, zu dem immerhin Ennio Morricone eine allerdings eher schwächere Musik (unter Pseudonym) geschrieben hatte, griff sie als Rancherin sogar zur Knarre.

Zusammen mit ihrem erste Ehemann Heinz Sebek gründete sie eine Filmgesellschaft, doch der Krimi „Das Rätsel der roten Quaste“, in dem sie selbst eine der Hauptrollen spielte, wurde ein Reinfall. Ein Gewinn war nur ihr Filmpartner Dietmar Schönherr, den sie nach der Scheidung heiratete.

Die beiden sangen auch in einem kabarettistischen Song („Molotow Cocktail Party“) im Duett, doch viel besser passten sie als Moderatoren zusammen. Wenn Dietmar Schönherr (Edler von Schönleiten wäre der komplette Name) mal wieder zu knurrig wurde, dann sorgte sie mit ihrem hinreißenden dänischen Akzent für Entspannung. Vivi Bach hat, mehr noch als Sängerin Gitte Haenning, dafür gesorgt, dass den Deutschen das Herz aufging, wenn sie ihren ganz leichten Sprachfehler vorführte. Dänen mögen lispeln, aber sie lügen nicht...

Später hat Vivi Bach bekannt, wie sehr sie unter Lampenfieber gelitten hat. 1973 war ihre Fernsehshow „Vivat Vivi“ (ohne Dietmar Schönherr) nur ein überschaubarer Erfolg, drei Jahre später folgte eine letzte Single. Sie zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und trat nur noch auf, wenn sie ihren Mann bei dessen humanitärem Engagement für soziale Projekte nicht nur in Nicaragua unterstützte. Sie schrieb und illustrierte Kinderbücher, malte und versuchte, ihr Glücksrezept zu leben: es sich „heimelig“ zu machen.

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