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Medien & TV Sex, Lügen und Karaoke
Nachrichten Medien & TV Sex, Lügen und Karaoke
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19:35 23.08.2013
Von Christiane Eickmann
Zunächst genehmigen sich König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) ein paar Kurze, später schmettern sie gemeinsam „Come As You Are“ von Nirvana. Quelle: NDR
Hannover/Rostock

Was macht einen guten Fernsehkrimi aus? Im Idealfall: Vielschichtige Charaktere, tolle Darsteller und eine originelle, spannende Geschichte. Gut, die Handlung im neusten Rostocker „Polizeiruf 110“ bewegt sich ehrlicherweise nur knapp über „Derrick“-Niveau: Eine angehende Juristin wird im Wald ermordet. Scheinbar war sie eine liebevolle Mutter, eine kluge Studentin, prima Ehefrau, Freundin und Nachbarin - Feinde kann sie gar keine gehabt haben. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die junge Frau ein Doppelleben geführt hat, sie lebte offenbar „Zwischen den Welten“ (so der Titel des Films). Motive für den Mord gibt es plötzlich einige, und gleich mehrere Verdächtige verstricken sich in Lügen.

Nein, das ist nicht originell. Das macht aber nichts. Denn sehenswert machen den „Polizeiruf“ die Rostocker Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner). Gab Sarnau bisher in ihrer Rolle der LKA-Profilerin König gern den weiblichen Haudrauf, der mindestens genauso häufig fluchte wie alle männlichen Kollegen zusammen, schlägt sie dieses Mal leisere Töne an. Denn sie arbeitet mithilfe einer Therapeutin und einem ehemaligen Fluchthelfer verdrängte Traumata aus ihrer Kindheit auf. Und dabei kann Sarnau eine größere schauspielerische Vielfalt zeigen als bei ihren bisherigen Auftritten im „Polizeiruf“. Nun steht sie auch mal einfach nur da, verschränkt zunächst die Arme, schlägt dann die Hände vors Gesicht und weint wortlos in sich hinein.

Parallel zu Königs Erinnerungen an ihre Eltern - die in wenigen, undeutlichen Traumszenen eingestreut werden - trauert im aktuellen Fall ein kleines Mädchen um seine tote Mutter. Das könnte peinlich und aufgesetzt wirken. Doch die Drehbuchautoren Michael B. Müller und Jens Köster sowie Regisseur René Heisig haben die Parallelen stets nur wohltuend angedeutet.

Während König in sich hineinhorcht, gibt Bukow den großen Verdränger. In seiner Ehe kriselt’s. Ehefrau Vivian (Fanny Staffa) hat die Nase voll davon, dass Kommissar Bukow eigentlich immer nur Kommissar und kaum noch Familienvater ist - sogar im Urlaub. Doch Bukow tut so gar nichts, um den Konflikt zu entschärfen. Stattdessen betrinkt er sich auch noch mit König in einer Karaokebar. Der Abend endet damit, dass beide Nirvanas „Come As You Are“ ins Mikro grölen.

Später steht Bukow zu Hause schräg im Türrahmen und lallt seiner Frau ins Ohr: „Meine Kollegin hat sich ein bisschen geöffnet und dabei hab ich ihr dann geholfen.“ Vivian trifft sich schließlich in ihrem Frust heimlich mit dem unbeholfen flirtenden Ermittler Volker Thiesler (Josef Heynert).

Es ist unübersehbar, wie viel Spaß Charly Hübner dabei hat, den ungehobelten Sascha Bukow zu geben. So viel Energie und Leidenschaft gibt es im deutschen Fernsehen nicht oft zu sehen. Aber auch die anderen Darsteller wie Josef Heynert und Andreas Guenther scheinen ihren „Polizeiruf“-Charakter von Fall zu Fall mehr auszuleben.

Warum gerade dieses Team regelmäßig bei Kritik und Zuschauern gut ankommt, ist leicht erklärt: Beim Rostocker „Polizeiruf 110“ arbeitet der NDR nach amerikanischem Vorbild mit einem Headautor: Eoin Moore entwickelt die Hauptfiguren stetig weiter und konzipiert folgenübergreifende Handlungsstränge. Andere Reihen könnten davon lernen. Dass ihm beim „Tatort“ die Kontinuität gefehlt habe, hatte beispielsweise Schauspieler Mehmet Kurtulus bei seinem Abschied als Hamburger TV-Kommissar betont. Wenn man nun den Rostockern noch bessere Fälle schriebe ... Nicht auszudenken!

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