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Medien & TV Arnd Zeigler tröstet in seiner Show frustrierte Fußballanhänger
Nachrichten Medien & TV Arnd Zeigler tröstet in seiner Show frustrierte Fußballanhänger
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16:00 18.03.2011
Von Christiane Eickmann
Sendet aus dem heimischen Wohnzimmer: Arnd Zeigler inmitten diverser Fußballdevotionalien.
Sendet aus dem heimischen Wohnzimmer: Arnd Zeigler inmitten diverser Fußballdevotionalien. Quelle: ARD
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Als SAT.1 im Jahr 1992 erstmals die Fußball-Bundesliga unter der Marke „ran“ präsentierte, konnte Arnd Zeigler nicht anders. Er habe das einfach kommentieren müssen, sagt er. Nach Jahrzehnten teils betulicher, aber immerhin meist sachlicher Fußballberichterstattung ging es plötzlich um Event, Spannung, Starrummel, Spaß und Spielchen. Der Bremer Radiomoderator Zeigler reagierte mit seiner dreiminütigen Radio-Kolumne „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, einer Zusammenstellung der kuriosesten, dümmsten und lustigsten Kommentare des Spieltags.

Die Kolumne läuft immer noch, seit 2007 gibt es auch eine Fernsehsendung gleichen Titels, jeden Sonntag von 23.35 bis 0.15 Uhr im WDR Fernsehen. Sie ist eines der positiven Beispiele dafür, dass die ARD immerhin in ihren dritten Programmen in der Lage ist, sehenswerte Experimente zu senden.

Erfunden hat die „Call in“-Sendung WDR-Redakteur Christian Wagner, der im englischen Fernsehen eine Show gesehen hatte, in der Fans mit Fans diskutieren. Für ein ähnliches Konzept in Deutschland ist dann die Wahl schnell auf Zeigler gefallen. Seit 2007 kommt nun während der Bundesligasaison jeden Sonntag ein kleines TV-Team in Zeiglers privates Wohnzimmer in seine Bremer Wohnung, um den anarchischen Spieltagsrückblick live zu produzieren. An den späten Sendetermin hat sich Zeigler mittlerweile gewöhnt: „Manchmal denke ich, es ist gar nicht so schlecht, so spät auf Sendung zu gehen, sich etwas beruhigt und gesammelt zu haben und nicht aus der ersten Aufregung heraus mit nem Brausekopf direkt nach dem Spiel zu reden.“

Den Vergleich mit dem WDR-Seelentröster Domian hört Zeigler gern: „Das war unser ursprünglicher Anspruch. Auch wenn das erst mal lächerlich klingt. Schließlich rufen bei Domian Menschen an, die richtig schlimme Sachen erlebt haben: Verlust geliebter Menschen, schwere Lebenskrisen, Krankheiten.“ Aber wenn man einen Verein habe, der „richtig in der Scheiße steckt“, so Zeigler, dann leide man schließlich auch. „Das ist nicht so dramatisch wie ein Todesfall, fühlt sich aber oft ähnlich an.“ Unter den Anrufern in seiner Sendung seien daher auch häufig verzweifelte Fans. „Allgemein ist es natürlich interessanter, über Krisen zu sprechen.“

Von einer reinen Anrufersendung hat sich „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ mittlerweile ein wenig entfernt, Fußballprofis und andere Bundesliga-Experten sind ab und an zu Gast. Was beim Besuch vom damaligen Werder-Star Diego dazu führte, dass Zeiglers damals siebenjähriger Sohn vor Ehrfurcht erstarrt während der Sendung hinter dem Sofa lag. Große Namen schrecken Zeigler, der auch Stadionsprecher bei Werder Bremen ist, nicht. „Von Uli Hoeneß hatte ich über ein paar Ecken eigentlich schon eine Zusage, aber seitdem bin ich immer wieder an seiner Vorzimmerdame gescheitert.“ Einladen wolle er ihn, weil Hoeneß – Bayern hin, Bayern her – „mit Herzblut, Leidenschaft und aus tiefster Überzeugung heraus handelt“.

Dass nicht nur Fußballverrückte (wie beispielsweise auch Otto Rehhagel) seine Sendung sehen, erfuhr Zeigler im Januar, als seine Show für den Grimme-Preis nominiert wurde. Mit dem Preis hat es nun nicht geklappt, gefreut hat den 45-Jährigen jedoch schon allein die Nominierung – für eine äußerst kostengünstig produzierte Nischen-Sendung, die er als Werder-Bremen-Fan für Fans aller möglichen Vereine moderiert. „Ich habe das Glück, dass ich nur Dinge tue, die es mir erlauben, weiter Fan zu sein. Sei es im Weserstadion, bei meinen Radiosendungen oder im Fernsehen.“

Seine Popularität hat Zeigler schon 2002 zu einem Kurzauftritt in der „Tatort“-Episode „Endspiel“ verholfen – als Stadionsprecher eines fiktiven Bremer Drittligavereins. Und das, obwohl der Radiomann das Fernsehen manchmal für ganz schön oberflächlich hält. „Man muss gut frisiert sein, saubere Fingernägel haben und darf nicht in der Nase bohren.“ Heute ist Arnd Zeigler zu Gast in der Talkshow „3nach9“ im NDR Fernsehen.

Frerk Schenker 16.03.2011