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Medien & TV „Die Frage muss dem Gast wurscht sein“
Nachrichten Medien & TV „Die Frage muss dem Gast wurscht sein“
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02:15 18.10.2014
In der ersten Folge von „Stuckrads Homestory“ trifft Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre auf seinen langjährigen Freund Udo Lindenberg.
In der ersten Folge von „Stuckrads Homestory“ trifft Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre auf seinen langjährigen Freund Udo Lindenberg. Quelle: RBB
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Benjamin von Stuckrad-Barre, schön, Sie zu treffen. Ich habe nur die erste Minute der „Homestory“ gesehen, da schickt Christian Ulmen Sie zu Peter Maffay. Wie war es mit ihm?

Bitte, was?

Ganz ruhig, ich habe die Folge natürlich bis zu Ende gesehen und weiß, dass Ulmen Sie nur schockieren wollte und dann zu Udo Lindenberg geschickt hat. Wie wäre es aber mit Peter Maffay gewesen? 

Es wäre logischerweise ganz anders geworden als mit Udo Lindenberg, aber natürlich auch möglich. Ideal geradezu, weil ich Peter Maffay überhaupt nicht kenne. Die Grundidee bei der Sendung ist, dass ich mich nicht wehren und nicht durch Vorbereitung absichern kann. Christian Ulmen erteilt mir morgens den Marschbefehl, und ganz egal, ob ich mich über die Wahl der zu besuchenden Person freue oder ärgere, geht es direkt los.

Ihr alter Freund Udo Lindenberg hat Ihnen auch nicht vorher verraten, dass er Ihr erster Gesprächspartner ist?

Mit Udo bin ich zwar seit vielen Jahren befreundet, aber er hat es mir genauso wie Christian Ulmen vorher verheimlicht, dass ich ihn für diese Sendung treffe. Es war angenehm, die erste Sendung mit ihm zu machen.

Mit welchem Ihrer „Homestory“-Gäste konnten Sie am wenigsten anfangen?

Möglicherweise mit Jimi Blue Ochsenknecht. Welcher ist das jetzt, habe ich hilflos gefragt, als Christian mir das eröffnete. Wer ist Wilson Gonzalez, wer ist Cheyenne Savannah, wer ist Jimi Blue? Jimi Blue war der andere. Sehr viel mehr habe ich auch nicht über ihn erfahren. Es war ein sehr freundliches Gespräch, er war nett, aber wir konnten nicht so viel miteinander anfangen. Was auch mal schön ist im Fernsehen. Die Idee der Talkshow ist ja sonst: Alles passt. Man gibt diese Illusion vor, wir haben uns wahnsinnig aufeinander gefreut, alles ist akribisch vorbereitet. Hingegen ein Szenario, das auch das Nichtgelingen zulässt, das Pausen hat, wo man keinen gemeinsamen Ton, kein Thema findet – das kann doch auch gute Momente erzeugen.

Das kann man aber auch in einer klassischen Talkshow hinkriegen. Es ist ja nicht zwingend nötig, diese Illusion herzustellen.

Ja, kann sein, das will ich jetzt gar nicht so sehr gegeneinanderstellen. Wir haben den Vorteil, die Leute zu Hause oder am Ort ihrer Arbeit zu besuchen, dann löst dieser Ort in der Person mehr aus. Da kommt man schneller und beiläufiger ins Gespräch als in solch einer völlig ausgedachten Studiositzrunde.

Hm.

Aber wie war noch einmal Ihre Frage gewesen?

Egal.

Da beginnt Profitum in Talkshows: Die Frage muss dem Gast wurscht sein. Die Profi-Gäste wissen, was sie loswerden wollen, und feuern das unabhängig von der Frage ab.

Gerade erst waren Sie bei Markus Lanz – war das für Sie als Profi eine Herausforderung?

Oh doch, das ist eine sehr große Herausforderung, auch weil Markus Lanz sehr, sehr gut vorbereitet ist. Die Redakteure von Markus Lanz wissen mehr über den Gast als der Gast über sich selbst. Wenn man in seinem eigenen Lebenslauf Leerstellen hat, einfach bei Lanz anrufen, die wissen alles über Sie. Das ist sicherer als die NSA.

Fehlen Ihnen im neuen Format die originellen Spiele, die es in Ihrer Talkshow bei Tele 5 gab – Katja Kipping von Kindern ärgern lassen oder mit Martin Lindner kiffen gehen?

Im Grunde war das derselbe Ansatz, die Leute aus dem Todessofa herauszuholen. Komm, wir laufen ein bisschen herum, vielleicht ergibt sich so ganz aus Versehen ein reales Gespräch.

Was außer dem Todessofa hassen Sie noch an Talkshows?

Ich liebe Talkshows. Ich gucke sogar jeden Abend Talkshows. Es ist ein toller Gradmesser für die Verwesung der öffentlichen Debatte. Es beruhigt mich ungemein, man kann dabei sehr gut einschlafen. Da werden Stücke aufgeführt, Debatten simuliert. Ich kann gar nicht genug davon kriegen, wenn teilweise dieselben Experten über Inflationsgefahr, Syrien, Pkw-Maut und Ebola reden. Das muss drin sein.

Richtig überrascht oder unsicher, was man miteinander anfangen sollte, waren Sie bei Ihren neuen Gästen also nur bei Jimi Blue Ochsenknecht?

Unsicher bin ich immer. Ab dem Moment, wenn ich morgens aus dem Haus gehe, frage ich mich: Wie gehe mich mit den Menschen um, die ich treffe? Auch bei unserem Gespräch hier kann noch alles passieren. Es kann schiefgehen, es kann super werden, alles ist möglich.

Interview: Jan Sternberg
„Stuckrads Homestory“, läuft von heute an, jeweils donnerstags, um 22.45 Uhr im RBB.

Zur Person

Benjamin von Stuckrad-Barre (39), macht ein Jahr nach dem Ende seiner Talkshow bei Tele 5 wieder Fernsehen. „Stuckrads Homestory“ heißt die neue Sendung. Das von Christian Ulmen produzierte Format dreht das Prinzip Talkshow um: Der Moderator kommt zu den Gästen nach Hause – und er hat bis zuletzt keine Ahnung, wen er trifft. Von Stuckrad-Barre war in den Neunzigern als Popliterat bekannt geworden.

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