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Medien & TV Berlin wird mehr und mehr zur deutschen Medienhauptstadt
Nachrichten Medien & TV Berlin wird mehr und mehr zur deutschen Medienhauptstadt
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20:54 04.03.2010
Von Reinhard Urschel
Gestellt für den Fotografen: Redaktionskonferenz im neuen Hauptstadtbüro der Mediengruppe Madsack in Berlin.
Gestellt für den Fotografen: Redaktionskonferenz im neuen Hauptstadtbüro der Mediengruppe Madsack in Berlin. Quelle: TVN
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Vielleicht stimmt der Satz eher, wenn man ihn ein wenig vornehmer ausdrückt: In der deutschen Hauptstadt muss man Aufmerksamkeit erregen. Es ist ja wahr. Wer in Berlin nicht auf sich aufmerksam macht, hat schon verloren. Das hat gewiss auch damit zu tun, dass viele Menschen auf diese Stadt schauen. Vielleicht sind es nicht die „Völker der Welt“, wie früher, aber es sind ganz schön viele.

Niemand weiß besser, was das bedeutet, als die Medien. Was hier in Berlin geschieht, steht meistens am nächsten Tag in der Zeitung. Oder es kommt im Radio oder im Fernsehen. Wenn es ganz eilig ist, steht es nach ein paar Minuten schon im Internet. Online. Allein 900 Korrespondenten berichten für deutschsprachige Medien aus Berlin, 400 für das Ausland. Das sind nur die, die bei der Bundespressekonferenz oder beim Verein der Auslandspresse registriert sind. Auf dem freien Markt tummeln sich noch ein paar Tausend mehr. Sie alle sind hinter den Nachrichten her, die hier im Regierungsviertel entstehen. Und die sind nicht selten wichtig für den Alltag in Deutschland.

Wer sich auf diesem Markt behaupten will, muss gut und seriös aufgestellt sein. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hat seit den sechziger Jahren ein eigenes Hauptstadtbüro, früher natürlich in Bonn. Von dort haben die Korrespondenten der HAZ über einen längeren Zeitraum auch die Leser des „Berliner Tagesspiegels“ mit Neuigkeiten aus der Bonner Republik auf dem Laufenden gehalten. Nach dem allgemeinen Umzug 1999 nach Berlin hat die HAZ ihr Hauptstadtbüro Schritt für Schritt zur „Berliner Redaktion“ ausgebaut. Von zuletzt fünf Korrespondenten sind die Leser in Niedersachsen, später auch in Hessen, mit allem versorgt worden, was in der Hauptstadt wichtig war. Oder, was die Redaktion in Hannover entschieden hat, was in der Hauptstadt wichtig ist.

Seit einiger Zeit ist die Medienlandschaft in Berlin in Bewegung. Dies hat nur zum Teil damit zu tun, dass die Transportwege der Nachrichten sich ändern. Bewegte Bilder gehören über die Internetauftritte auch zum Angebot der Tageszeitungen. Darüber hinaus ist der Trend unübersehbar, dass die Hauptstadt mehr und mehr auch zur deutschen Medienhauptstadt wird. Die Deutsche Presse-Agentur, sozusagen die Großbäckerei im Nachrichtenwesen, verlegt in diesen Tagen ihre Zentrale von Hamburg nach Berlin. Der Axel Springer Verlag lässt „Bild“ ebenfalls nicht mehr in der Hansestadt, sondern nun in Gänze in Berlin erstellen. Überregionale Zeitungen wie die „Frankfurter Rundschau“, regionale Blätter wie der „Kölner Stadtanzeiger“ fassen die Büros ihrer Zeitungstitel zusammen – größere Einheiten sollen mehr Vielfalt für den Leser sicherstellen.

Die Mediengruppe Madsack, in der die HAZ erscheint, geht diesen Weg bewusst mit. Seit dem vergangen Jahr gehören neben der Hannoverschen Allgemeinen und ihren zahlreichen Partnerzeitungen auch die „Leipziger Volkszeitung“ mit ihren Partnern sowie die „Kieler Nachrichten“, die „Lübecker Nachrichten“ und die „Ostsee-Zeitung“ zur Mediengruppe.

Folgerichtig sind auch die Hauptstadtbüros der Madsack-Zeitungen zusammengerückt. In einem gemeinsamen Büro in einem Haus, das typischer für Berlin kaum sein könnte. Ein renoviertes ehemaliges Elektrizitätswerk, zwischen Stadtbahn und Spree gelegen, einen Steinwurf vom Reichstag entfernt, beherbergt jetzt also das Berliner Büro, das Zeitungen von der Küste bis nach Hessen, von Sachsen bis Niedersachsen mit dem Neusten und Hintergründigsten aus Politik, Wirtschaft, Berliner Kultur und Gesellschaft versorgt.

Von der „Leipziger Volkszeitung“ kommen Dieter Wonka und Maja Zehrt, von den „Kieler Nachrichten“ Frank Lindscheid, von den „Lübecker Nachrichten“ Arnold Petersen, von der „Ostsee-Zeitung“ Reinhard Zweigler. Die Belegschaft der HAZ ist die den Lesern vertraute: Gabi Stief, Stefan Koch, Michael M. Grüter und Reinhard Urschel.

Wie es sich für eine Redaktion gehört, hat sie sich die politische Welt aufgeteilt: Gabi Stief hat sich über viele Jahre einen ausgezeichneten Ruf im immer bedeutsamer werdenden Feld von Arbeit, Sozialem und Gesundheit erschrieben. Dass sie – aus ihrer langen Erfahrung in Niedersachsen – über die Politikerinnen und Politiker aus der Region besonders viel weiß, versteht sich von selbst. Die Parteien sind sauber aufgeteilt, keine soll sich unserer Beobachtung entziehen können. Michael M. Grüter, von Geburt eigentlich ein kühler Norddeutscher, hat ein Berichterstatter-Faible für die CSU entwickelt, natürlich auch für die Schwesterpartei CDU. Die Koalition teilt er sich mit Stefan Koch, der darüber hinaus einen stets offenen Blick nach Osten hat und angeblich immer einen gepackten Koffer für Reisen nach Usbekistan, Moskau oder Murmansk. Bei seinen regelmäßigen Besuchen in Washington isst er auch schon mal mit einem Herrn Obama zu Abend. Reinhard Urschel, früher mal Schröder-Biograf, beobachtet unter dem Gesichtspunkt der Machtfrage auch das heutige Kanzleramt, daneben perspektivisch alle denkbaren Bewerber aus der SPD. Überparteilich, wie es sich gehört, wird der Bundespräsident behandelt. Die grundlegenden Fragen der Politik – Moral und Persönliches zum Beispiel – muss er als Dienstältester ohnehin verantworten.

Weil ein ganzes Haus zu managen ist, ist die Organisationszentrale mit Diana Rother-Radloff und Maike Kramm besetzt. Im Haus 3 am Schiffbauerdamm 22 werden dem Zug der Zeit entsprechend nicht nur Leitartikel, Korrespondentenberichte und Nachrichten erstellt, sondern auch bewegte Bilder – von den Madsack-Töchtern TVN und AZ Media. Das Schlüsselwort für die neue Medienwelt lautet crossmedial. Das heißt, es gibt etwas zu lesen, zu hören und zu schauen. Auf gut Berlinerisch: Es gibt was auf die Augen und auf die Ohren.