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Medien & TV Beschwerderekord wegen „Titanic“ und Loveparade-Berichten
Nachrichten Medien & TV Beschwerderekord wegen „Titanic“ und Loveparade-Berichten
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16:46 28.10.2010
Leo Fischer, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic, provoziert gern. Quelle: dpa
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Der Anstieg der Beschwerden beim Deutschen Presserat hält weiter an. Bislang seien in diesem Jahr 1.500 Beschwerden eingegangen, sagte der Presserats-Sprecher und Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Bernd Hilder, am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz des Rats in Berlin. Die freiwillige Selbstkontrolle der Presse rechnet für 2010 mit 1.600 Beschwerden, im vergangenen Jahr waren insgesamt 1268 eingegangen. Die Zahl der Rügen bewegt sich unterdessen auf Vorjahresniveau.

„Die Leser reagieren sehr sensibel darauf, wenn Opfer von Katastrophen dargestellt werden“, sagte Hilder. Die gestiegene Zahl der Beschwerden werde auch dadurch begünstigt, dass sich Leser über soziale Netzwerke austauschen und Links zum entsprechenden Formular weiterleiteten. Der Großteil der Beschwerden richte sich gegen Boulevardmedien.

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Kritisch bewertet der Presserat die Nutzung sozialer Netzwerke für journalistische Recherchen. Es sei „bedenklich“, wenn Journalisten aus diesen Quellen etwa Fotos von Opfern bezögen, sagte Hilder. Der Presserat hat zudem eine Zunahme von Beschwerden gegen Videos auf Online-Portalen festgestellt.

Die Zahl der erteilten Rügen bewegt sich indes auf dem Vorjahresniveau. 2009 wurden 22 öffentliche und 8 nicht-öffentliche Rügen ausgesprochen, 2010 bislang 21 öffentliche und 7 nicht-öffentliche. Die meisten Beschwerden gingen gegen das Satiremagazin „Titanic“ für das Titelbild der April-Ausgabe (198) und gegen „Bild.de“ (235) wegen der Berichterstattung über die Massenpanik auf der Duisburger Loveparade mit 21 Toten ein. Die „Titanic“ hatte einen katholischen Geistlichen gezeigt, der in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Die Hände des Geistlichen sind ebenfalls auf Schritthöhe des am Kreuze hängenden Jesus zu sehen.

Auffällig ist eine Verschiebung der Beschwerden bezüglich Online- und Printartikeln. Während 2008 insgesamt 574 Beschwerden gegen Printveröffentlichungen eingingen und 517 gegen Online-Artikel, waren es 2010 bislang 459 im Print und 691 im Online-Bereich. Eine Abnahme registrierte der Presserat bei Beschwerden zu Ziffer 7 des Pressekodex: Gingen 2008 noch 64 und 2009 gar 94 Beschwerden gegen Verstöße gegen die Trennung von Werbung und Redaktion ein, waren es 2010 bislang lediglich 46.

Rechtspolitisch begrüßt der Presserat die Entscheidung des Bundesrates, das Pressefreiheitsgesetz passieren zu lassen. Das Gesetz sieht eine Ergänzung des Paragrafen 353 b des Strafgesetzbuches vor. Darin wird Amtsträgern, die ein Dienstgeheimnis verraten, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren gedroht. Zukünftig soll ein neuer Absatz die Anwendung der Beihilfe zum Geheimnisverrat ausschließen. Darüber hinaus soll der Schutz von Journalisten vor Beschlagnahme verbessert werden. Künftig soll nicht bereits ein einfacher, sondern erst ein dringender Tatverdacht gegen den Journalisten ausreichen, um eine Beschlagnahme anzuordnen. „Wir sind zuversichtlich, dass das Gesetz kommt“, sagte Hilder.

Eine Notwendigkeit für die Regulierung von Geodaten, beispielsweise bei Google Streetview, sieht der Rat nicht. Sollte es jedoch zu einer Regulierung kommen, müsse sichergestellt werden, dass die Arbeit von Journalisten etwa durch die Panoramafreiheit nicht behindert werde. Eine Beschränkung des Rechts, Gebäude und öffentliche Kunstwerke zu fotografieren, bedeute ein Ende der Informationsfreiheit.

dpa

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