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Medien & TV „Bloch – Der Heiland“: Psychokrimi mit Dieter Pfaff in der ARD
Nachrichten Medien & TV „Bloch – Der Heiland“: Psychokrimi mit Dieter Pfaff in der ARD
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19:07 18.01.2011
Therapeut Maximilian Bloch (Dieter Pfaff, rechts) besucht „Prediger“ Martin (Matthias Habich) in seiner Wohnung – und macht eine wichtige Entdeckung. Quelle: ARD
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Mitten im Gedränge vor dem Kölner Dom steht ein abgerissen aussehender Mann mit einem Holzkreuz und spricht zu den Passanten. Seit dem Tod seiner Frau hat der Kunsthandwerker Martin (Matthias Habich) die Orientierung verloren. Er hält sich für den Sohn Gottes, vielleicht kann er sogar Wunder bewirken. Tag für Tag kommen mehr Menschen, um dem Mann zuzuhören. Sie scheinen Kraft aus seinen Worten zu schöpfen. Der Zerzauste mit dem Kreuz ist ihnen wichtig.

In der 19. Folge der ARD-Krimireihe „Bloch“ muss sich Psychotherapeut Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) mit einem Fall beschäftigen, der an existenzielle Fragen rührt: Cornelius, sein alter Mentor, ist gestorben und hinterlässt dem jüngeren Kollegen in Köln nicht nur eine umfangreiche Bibliothek, sondern auch seine Patienten. Unter ihnen ist – Martin. Bald muss der eher rationale, skeptische Therapeut erkennen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich mit seiner Schulweisheit allein nicht erklären lassen. Ein Mädchen namens Sara (Lia Hoensbroech) stürzt vor dem Dom vom Fahrrad, bleibt bewusstlos liegen. Prediger Martin erweckt Sara wieder zum Leben. Zufall oder göttliche Fügung? Und: Ist Glauben wirklich therapierbar, ist Glauben überhaupt eine Krankheit? Gibt Martin nicht vielmehr seinen Anhängern Schutz, Glück und Hoffnung? Soll man sie enttäuschen?

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Auf diese verzwickte, metaphysisch angehauchte Geschichte muss man sich als Zuschauer schon einlassen. Für die langen Gespräche über Gott und die Welt ist Geduld erforderlich. Aber trotz einiger Längen ist dieser typische „Bloch“-Psychokrimi, der mit Matthias Habich („Jenseits der Stille“) in der Hauptrolle glänzend besetzt ist, enorm spannend: Was hat es mit dem „unglücklichen Sturz“ auf sich, an dem Martins Frau starb? Ist der selbst ernannte Heiland vielleicht doch ein gefährlicher Psychopath?

Martin will nichts wissen von Blochs Hilfsangeboten, doch auf Drängen von Martins ratloser Tochter Judith (Catherine Bode) bleibt der Therapeut hartnäckig – und findet heraus, dass Martins religiöse Wahnvorstellungen ein seelischer Schutz vor einem traumatischen Ereignis in der Vergangenheit sein könnten. Als Bloch erfährt, dass Martins Frau Selbstmord beging, indem sie vom Kölner Dom sprang, scheint der Fall klar. Doch der nüchterne Seelenforscher kann sich trotzdem nicht der Faszination entziehen, die der Mann mit dem Holzkreuz auf ihn ausübt. Der ungläubige Psychotherapeut beginnt, sein von der Wissenschaft geprägtes Weltbild infrage zu stellen. Aus dem Gegensatz zwischen dem frommen Martin und dem ungläubigen Bloch bezieht der Film von Regisseurin Franziska Meletzky seinen Reiz. Autor Marco Wiersch schrieb mit „Der Heiland“ bereits das sechste Drehbuch für eine „Bloch“-Folge. Mit dabei sind auch wieder Ulrike Krumbiegel und Jonathan Dümcke als Blochs Lebensgefährtin Clara und deren Sohn Tommy.

Tauben umflattern wie Himmelsboten den Dom, Lichtstrahlen brechen sich durch Wolken ihre Bahn, das Gesicht des selbst ernannten Erlösers Martin leuchtet wie unter einem Heiligenschein: Mit religiöser Symbolik vollgepackt wagt sich der neue Film aus der „Bloch“-Reihe an die letzten Fragen von Gott und Teufel, Leben und Tod, Erlösung und Verdammnis. Der ehrwürdige Kölner Dom gibt dafür nicht nur die richtige Kulisse ab, sondern spielt in der letzten Szene auch eine entscheidende Rolle.

Mit Vernunft allein jedenfalls – so lautet die subtile Botschaft des Psychodramas – ist es nicht getan: Am Ende sitzt der bekehrte Skeptiker Bloch am Krankenbett einer alten Frau und betet das Vaterunser.

Bloch – Der Heiland“ | ARD
Psychokrimi mit Dieter Pfaff
Mittwoch, 20.15 Uhr

Martin Weber und Johannes von der Gathen

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