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Medien & TV Bob, der Baumeister: Yes, he can
Nachrichten Medien & TV Bob, der Baumeister: Yes, he can
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18:58 18.10.2009
Bob, der Baumeister. Quelle: Frank Wilde
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Jacob Ole war drei Jahre alt, als er seine Mama mit einer ebenso einfachen wie genialen Frage verblüffte: „Warum können richtige Bagger eigentlich nicht sprechen?“ Vielleicht war das der Moment, als er erkannte, dass der Fernseher kein Spiegel der Realität ist, sondern bloß ein kleiner Kasten, der Bilder von Dingen auf die Netzhaut projiziert, die es nicht „in echt“ gibt, nur in der Phantasie. Es war ein kleiner Mann in Latzhose, mit kariertem Hemd und gelbem Schutzhelm, dem er diese Erkenntnis verdankte: Bob, der Baumeister. Wer Kinder im Vorschulalter hat, dem braucht man nicht zu erklären, wer er ist.

Der Held der gleichnamigen Trickfilmserie dirigiert einen Fuhrpark sprechender Baufahrzeuge, er ist der Boss von Baggi, dem pfiffigen kleinen Schaufelbagger, von Rollo, der stoischen grünen Dampfwalze, von Mixi, dem quirligen orangefarbenen Zementmischer, oder von Rumpel, dem hyperaktiven, türkisfarbenen Traktor. Baggi & Co. sind die eigentlichen Stars dieser Serie, die inzwischen in mehr als 100 Ländern der Erde ausgestrahlt wird. Und wenn das chaotische Team dieser Tage seinen 10. Geburtstag feiert, dann wähnt sich Jacob Ole vor dem Fernseher in illustrer Gesellschaft.

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Niemand Geringeres als US-Präsident Barack Obama soll zu den Fans des Knetmännchens gehören. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass sich der Vater von Malia, 10, und Sasha, 7, im Wahlkampf von diesem simpel gestrickten Baumeister mit sozialer Ader inspirieren ließ.

Lieh der ihm doch jenen Slogan, mit dem Obama 2008 als Präsident ins Weiße Haus einzog. „Können wir das schaffen?“, fragt Bob seine vierrädrigen Gesellen jedesmal, bevor er die Truppe auf einen neuen Einsatz einschwört. „Yo, wir schaffen das“, skandieren seine Mitarbeiter dann unisono, „Yes, we can“, heißt die Antwort im englischen Original. Die Art und Weise, wie Bob sein kleines Bauunternehmen führt, dürfte dem Demokraten gefallen. Teamwork ist Trumpf. Die Starken helfen den Schwachen. Jeder macht das, was er am besten kann. Und wenn es doch mal knirscht, lösen Bob und seine Rasselband das Problem gemeinsam.

Dass man in zehn Jahren noch nicht ein einziges Mal erlebt hat, dass Bob irgendjemandem eine Rechnung ausgestellt hätte, dürfte nicht nur das Herz des US-Präsidenten höher schlagen lassen. Es gibt sie also doch noch – Mitarbeiter, die weder aufs Geld noch zur Uhr schielen. Die ihre Arbeit einfach mögen.

Barack Obama hat die Gerüchte um den Slogan-Klau bis heute weder bestätigt noch dementiert. Fest steht aber, dass sich der Demokrat mit dem MacGyver der drei- bis sechsjährigen Jungs zumindest bei der männlichen Hälfte Amerikas kaum einen mehrheitsfähigeren Kandidaten hätte aussuchen können. Dabei ist die Serie ein Produkt der britischen BBC. Geschaffen wurde sie von dem Drehbuchautoren und Fernsehproduzenten Keith Chapman, 51. Den Vater dreier Söhne, so will es die Legende, soll ein Bagger zu der Serie inspiriert haben.

Der habe das Pflaster aufgerissen, und fasziniert sei er stehengeblieben und habe ihn und die Baufahrzeuge drumherum gezeichnet, hat Chapman in einem Interview mit einer englischen Zeitung gesagt. Irgendetwas habe dann noch gefehlt. „Die Baufahrzeuge sahen aus wie eine Gruppe vergnügter Kinder, die einen Vater brauchten. Also malte ich Bob.“ Die Serie hat ihrem Schöpfer und der BBC ein Vermögen eingespielt. Mehr als 2,5 Milliarden Pfund kassierten sie aus dem Erlös für Fernsehrechte, DVDs und Bücher. Im richtigen Leben könnte er sich zur Ruhe setzen. Doch der Baumeister hat noch einiges vor. Nachdem er schon die Theaterbühnen erobert hat, läuft im Herbst sein erster Kinofilm an.

Er heißt „Die Legende vom Goldenen Hammer“, und fragt man Jacob Ole, ob er sich den Film anschauen möchte, sagt er: „Was denkst du denn? Aber nur mit Papa.“ Seine Mama ist nicht traurig darüber. Sie konnte sich für Abenteuer des Baufahrzeuge-Flüsterers nie so richtig begeistern. Es ärgert sie, dass der angeblich so soziale Boss im richtigen Leben als Werbeträger für Bettwäsche, Becher oder Rollschuhe herhält, um den Kindern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Bob ist eben nicht Wicki, Biene Maja oder Pippi Langstrumpf. Die Idole der Kinder aus den siebziger Jahren lösten ihre Probleme allein. Sie waren echte Helden. Heute dagegen, suggeriert Bob, brauchen sie einen, der sie an die Hand nimmt und ihnen aus der Patsche hilft.

Chapmans Phantasie scheint sich in der Animation der Fahrzeuge erschöpft zu haben. Baggi & Co. können zwar ihre Scheinwerfer wie Augen rollen oder ihr Kühlergitter wie einen Mund verziehen. Doch der Plot der zehnminütigen Filme ist immer nach demselben Muster gestrickt. Es ist genau das, was Jacob Ole an Bob fasziniert – neben dem sprechenden Bagger. Die Wiederkehr des immer Gleichen. Seine Mutter hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich diese Begeisterung eines Tages legt.

von Antje Hildebrandt