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Medien & TV Comedian Bernhard Hoëcker blickt auf das Jahr 2010 zurück
Nachrichten Medien & TV Comedian Bernhard Hoëcker blickt auf das Jahr 2010 zurück
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17:26 19.12.2010
Comedian Bernhard Hoëcker blickt auf das Jahr 2010 zurück. Quelle: Handout
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Dabei ziehen sie ziehen unter anderem den Aufstieg von Karl-Theodor zu Guttenberg zum Medienstar, Günther Jauchs angekündigten Wechsel zur ARD und nicht zuletzt die seriösen Jahresrückblicke anderer Sender durch den Kakao. Mit von der Partie ist Bernhard Hoëcker, der unter anderem Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel parodiert. Der 40-Jährige gehört seit der ersten Folge 1997 zum Team von „Switch“, außerdem ist er in den Shows „Schillerstraße“ und „Genial daneben“ zu sehen.

Herr Hoëcker, die Sendung „Switch reloaded“ wirft einen satirischen Blick aufs Fernsehjahr 2010. Was war für Sie das TV-Ereignis des Jahres – der Rummel um die Kultblondine Daniela Katzenberger, die Vuvuzela-Panik bei der Fußball-WM oder doch eher der Grand-Prix-Sieg von Lena Meyer-Landrut?
Der Rummel um Daniela Katzenberger war schon beeindruckend, und angesichts der enormen Aufmerksamkeit, die sie bekommen hat, muss man sich fragen: Warum? Aber für mich war das faszinierendste TV-Ereignis des Jahres eindeutig die Übertragung der Schlichtungsgespräche zu Stuttgart 21. Ob man es glaubt oder nicht, ich habe mir fast alle Folgen komplett angeguckt, weil ich mir gedacht habe: Mensch, da tut sich was in Deutschland!

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Das lässt sich ja nun aber denkbar schlecht parodieren ...
Man könnte es zwar schon parodieren, aber es würde wohl kaum jemanden interessieren. Genauso wenig wie die arte-Wissenssendung „Mit offenen Karten“, die ich mir sehr gerne ansehe. Insgesamt sehe ich ehrlich gesagt nicht übertrieben viel fern.

Sie sind TV-Satiriker und mögen das Fernsehen eigentlich gar nicht?
Doch, eigentlich schon, zum Beispiel habe ich eine Schwäche für die Seifenoper „Verbotene Liebe“. Aber wenn mir das Programm nicht gefällt, schalte ich den Fernseher auch ganz einfach mal aus. Im Zuge von „Switch“ schaue ich natürlich ganz gezielt bestimmte Sachen, etwa „Das Supertalent“, weil ich ja Jurymitglied Bruce parodiere, der mir übrigens von allen meinen Figuren so ziemlich am meisten Spaß macht. Er ist sehr lustig.

Und wen verkörpern Sie im Jahresrückblick?
Sebastian Vettel, den jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Ich spiele ihn als Kind, das tapfer versucht, erwachsen zu sein. Vettel ist in der Parodie zu Gast bei Talkmaster Markus Lanz, der verzweifelt versucht ihn zu fragen, wie alt er denn sei, weil er Vettel als Kind wahrnimmt. Im Internet gibt es raue Mengen von Material, die habe ich mir immer wieder angesehen und dabei gemerkt: Vettel schaut immer so zur Seite weg und hat eine komplett monotone Art zu reden, da hake ich bei der Parodie ein.

Zu den Figuren, die Sie seit vielen Jahren verkörpern, gehört Thomas Gottschalk. Ist der schlimme Unfall in „Wetten, dass..?“ für Sie ein Grund, die Figur aufzugeben?
Solange Thomas Gottschalk weitermacht, gibt es für mich eigentlich keinen Grund, ihn nicht weiter zu parodieren. Aber ich würde natürlich niemals den Unfall zum Thema machen. Ich will mich prinzipiell nicht auf Kosten von Opfern profilieren und über Leute lachen, die nicht selber schuld an ihrem Unglück sind. Etwas anderes wäre es, wenn sich jetzt zum Beispiel Dieter Bohlen den Arm brechen würde und damit in einer Show auftreten würde. Daraus könnten wir in „Switch“ was machen.

Es gibt also Punkte, wo der Spaß aufhört. Was bedeutet das für den Comedy-Jahresrückblick, der sich auch an ernste Themen wie die Finanzkrise in Griechenland und den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wagt?
Die Finanzkrise in Griechenland ist eine leichte Übung: Daran waren ja die bösen Banker schuld, über die darf man lachen, denn die sind ja schließlich weit weg von uns allen. Bei der Missbrauchssache ist es schon schwieriger, aber da richtet sich unsere Parodie natürlich nicht gegen die Opfer, sondern gegen die Kirche. Wenn man vor zehn Jahren einen Pädophilen-Witz über einen Priester machte, war die Aufregung groß – und jetzt stellt sich heraus, dass man leider recht hatte.

Wie bewerten Sie insgesamt die Entwicklung des Fernsehens 2010? Sind Phänomene wie der Erfolg von Daniela Katzenberger oder der seichten Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ Zeichen des Niedergangs?
So hoch würde ich das nicht hängen. Was im Fernsehen wirklich besser oder schlechter geworden ist, lässt sich außerdem leider erst im Nachhinein sagen. Und letzten Endes wird das gesendet, was die Leute gucken. Es gibt kaum ein demokratischeres Medium als das Fernsehen: Wenn jemand eine Sendung nicht einschaltet, kann er damit dazu beitragen, dass sich das Programm ändert. Vielleicht sollten sich die Leute, die für Volksentscheide sind, mal anschauen, wo das hinführt, wenn das Volk mit der Fernbedienung entscheidet.

Gibt es Sendungen, die Sie wütend machen?
Krawalltalkshows finde ich echt arm. Und bei „Supertalent“ finde ich es zwar spannend, wenn Leute auftreten, die wirklich gut sind. Aber wenn Leute vorgeführt werden, die sich blamieren, dann ist für mich eine Grenze erreicht. Wenn ich nur an diese Frau denke, die mit ihrer riesigen Oberweite Melonen und Bierdosen zertrümmert hat! Es gibt einfach so eine Kategorie von Sendungen, in die ich beim Zappen vielleicht mal reinschalte und über die ich im ersten Moment sogar lache, bei denen ich aber letztlich sage: So was muss man nicht unbedingt senden. Zugegeben, das ist ein bisschen schizophren.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Switch reloaded – der Jahresrückblick“ | PRO7
Parodieshow
Dienstag, 22.15 Uhr