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19:39 07.01.2009
Mal eben ergänzt: Bei Google in den USA kann man bereits Treffer mit eigenen Kommentaren versehen – demnächst auch im deutschen Google-Web. Hier wäre auch Spam möglich gewesen. Quelle: Marcus Schwarze
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SearchWiki heißt eine neue Technik, die Google seit ein paar Tagen in seine weltweite Internetsuchmaschine eingebaut hat. Das Konzept: Nutzer können nach jeder Suche ihre weiter unten oder erst auf Folgeseiten aufgefundenen Treffer nach oben an erste Stelle befördern. Dazu müssen sie lediglich auf einen kleinen Pfeil neben dem angezeigten Treffer klicken. Außerdem ist es möglich, einzelne Treffer mit Kommentaren zu versehen. Diese Kommentare und die neue Sortierung bekommt man nur dann zu sehen, wenn man sich kostenlos bei Google angemeldet hat. Dann speichert Google die persönliche Suchhistorie zentral in seinem Rechenzentrum. Und wer will, kann dann noch Monate oder Jahre später in diesem persönlichen Zugang nachschlagen, was man damals ergoogelt hat.

Die Crux: Sämtliche Kommentare anderer Google-Nutzer erscheinen beim Eingeloggten praktisch ungehindert als erweiterte Informationen zu jedem gefundenen Treffer. Da stehen dann Dinge wie „Microsoft has bought Google!“, wenn man nach Microsoft sucht, „Test“, „Hi, I’m a Mac“ oder „for the best graphic design: www.dustyenterprises.com“ – Kommentare also ohne jegliche Relevanz, mit falschem Inhalt oder mit Werbung. Nun wird niemand gezwungen, diese Kommentare zu lesen, doch öffnet Google den Spammern und Manipulatoren bei der Internetsuche eine Tür. Die ohnehin schon komplizierte Mechanik der Internetsuche wird noch undurchschaubarer: Wie wirkt sich das Nach-oben-Verschieben von befürworteten Treffern durch einen einzelnen Google-Nutzer auf den Google-Index aus?

SearchWiki verwässert das Konzept

Bislang galt dieser Index als rein mathematisch berechnet, die zugrunde liegende Google-Formel als unbestechlich. Möglichst objektive Gesichtspunkte sollten bei der Gewichtung der Treffer gelten, damit der Nutzer von Google seine erfragten Internetseiten auf Anhieb an oberster Stelle findet. Mit SearchWiki verwässert das US-Unternehmen diesen innerhalb von zehn Jahren breit getretenen Trampelpfad der Internetnutzer; zum einen wird die Internetnutzung etwas komplizierter, weil sich der Nach-oben-verschiebe-Pfeil und das Kreuz zum Durchstreichen von Treffern nicht jedem auf Anhieb erschließen. Zum andern verlieren Treffer ihre Glaubwürdigkeit, wenn Spammer sie durch Kommentare fortgesetzt diskreditieren oder irreführende Informationen ergänzen. Was nützen außerdem Tausende Kommentare zu den populären Webseiten unter den Treffern? Niemand außer vielleicht der Betreiber der Website wird sie sich durchlesen – und dann sein Tun damit haben, bei Google ums Entfernen offensichtlich falscher Fakten in diesen Kommentaren zu bitten. Und bei einer seltener frequentierten Webseite bekommt ein einzelner böser Kommentar plötzlich ein Gewicht, das die Ingenieursleistung der Google-Programmierer unterminiert.

„Habe ich bei Google gefunden“ hieß es bislang – künftig muss man rückfragen: in den Kommentaren oder auf welcher Webseite genau, beim Suchen in deiner Surfhistorie (die ist veraltet!) oder im neutralen Google-Index, ohne eingeloggt zu sein?

Schon bisher war die Suchmaschine umstritten, weil sie mit ihrem weltweiten Marktanteil von 80 Prozent über Wohl und Wehe der Kommunikationsleistung anderer im Internet aktiven Unternehmen befindet. Wer über Google mit seinen Infos nicht oder nur schlecht zu finden war, hat ein gravierendes Problem. Jetzt kommen Komplizierung und ungehinderte Kommentierung von Konkurrenten und Spammern hinzu – gut möglich, dass Google sich mit der neuen Funktion keinen Gefallen getan hat. Eine Bedrohung der unverfälschten makellosen Google-Suche nennt das Michael Arrington, Fachmann in seinem Blog TechCrunch.

von Marcus Schwarze

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