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Medien & TV „Das Geheimnis der Wale“ im ZDF
Nachrichten Medien & TV „Das Geheimnis der Wale“ im ZDF
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17:32 02.01.2010
Von Stefan Stosch
Szene aus dem Fernsehfilm „Das Geheimnis der Wale“.
Szene aus dem Fernsehfilm „Das Geheimnis der Wale“. Quelle: ZDF (Handout)
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Neuseeland ist schön. Seine Berge, seine Strände, seine Buchten sind ein prächtiger Anblick. Allerdings scheint Neuseeland sehr überschaubar zu sein: Immer wieder fliegt die Kamera an immer denselben grünen Hügeln vorbei und auf das Meer zu. Die neuseeländische Tourismusindustrie dürfte sich trotzdem über den ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ freuen – wenn man mal großzügig darüber hinwegsieht, dass der Film zu großen Teilen in südafrikanischen Gefilden gedreht wurde, weil es dort preisgünstiger ist.

Südafrika ist jedoch offenkundig schwer zu verwerten nach all den Afrikaschnulzen der vergangenen Jahre: Blonde Frau verliebt sich in Ranger mit Dreitagebart – das geht einfach nicht mehr. Deshalb verliebt sich die blonde Anna (Veronica Ferres) jetzt in Neuseeland in einen Umweltschützer mit Dreitagebart. Chris (Christopher Lambert) ist der Typ schweigsamer, leicht verquälter Einzelgänger, der ein dunkles Geheimnis mit sich herumschleppt, das nicht lange geheim bleibt.

In erster Linie ist Anna von Berlin nach Neuseeland gereist, um ihre 15-jährige Tochter Charlotte (Alicia von Rittberg) von Alkohol und schlechtem Umgang fernzuhalten. Schulpflicht besteht für das Kind offensichtlich nicht, und in Neuseeland lebt Annas Vater, der Meeresbiologe Johannes (Mario Adorf). Dessen vermeintlich mangelnde Zuneigung hat Anna nie verwunden, weshalb mit Chris und Anna nun zwei bittere Hauptdarsteller durch diesen Film laufen. Immerhin findet die toughe Tochter Charlotte schon bald einen aufgeweckten Maori-Burschen, den sie über die Verantwortung für seinen von den Ahnen geschenkten Lebensraum aufklären darf.

Doch spielen sich die eigentlichen Probleme nicht an Land unter Zweibeinern ab, sondern unter Wasser in der pittoresken Bucht: Es handelt sich bei „Das Geheimnis der Wale“ laut ZDF um einen „Event-Zweiteiler“, der den „gedankenlosen Umgang mit unserer Umwelt“ aufzeigen soll. Im Zentrum steht die „skrupellose Energiepolitik“: Ein Konzern will die Gasvorräte in der Bucht ausbeuten, egal, ob sich dort Wale tummeln oder nicht. Im Zweifelsfall geht das Unternehmen auch über menschliche Leichen.

Sogar an Fachberater hat das ZDF gedacht. Sie haben ihren Job gut gemacht, und die Lage scheint tatsächlich bedenklich: Der zunehmende Lärm in den Weltmeeren macht Walen und Delfinen zu schaffen, weil sie sich vorrangig mit dem Gehör orientieren. Sie werden gestresst, aus ihren Lebensräumen vertrieben oder enden qualvoll an Stränden. Besonders gefährlich sind demnach die Unterwasserexplosionen bei der Erkundung des Meeresbodens mit Luftkanonen, den sogenannten „Air-Guns“. Diese zerstören den Orientierungssinn der Wale.

Was soll man gegen Umweltschutz im Unterhaltungsprogramm sagen? Zum Beispiel, dass gute Absichten noch keinen guten Film machen. Es ist immer schwierig, Unterhaltung und Pädagogik zusammenzubringen. Veronica Ferres und Mario Adorf dozieren hier gelegentlich über die Gefahren für und den richtigen Umgang mit Meeressäugern, als gäben sie Impulsreferate bei einer Greenpeace-Tagung.

Zudem steht der bisherige Werbefilmer und Regisseur Philipp Kadelbach vor der Schwierigkeit, dass sich die Wale die allermeiste Zeit versteckt halten. Genau das ist auch die Krux für den Professor, der sich mit zunehmender Verzweiflung müht, ihr Vorkommen nachzuweisen, um die Ausbeutung der Bucht zu stoppen. Sobald auch nur ein Buckelwal die Schwanzflosse hebt, kann der von Verbrechern befehligte Gaskonzern einpacken.

So sieht der Zuschauer wieder und wieder einen einsamen Buckelwal an dem Unterwassermikrofon des Meeresbiologen Johannes vorbeiziehen. Erst ganz am Schluss darf die Computerschöpfung majestätisch durch die Luft springen.

Schallkanonen in der Nordsee

Was in „Das Geheimnis der Wale“ Fiktion ist, kennen Walschützer aus der Wirklichkeit – auch aus der heimischen Nordsee: Dort wurden nach Worten des Meeresbiologen Karsten Brensing im Naturschutzgebiet Doggerbank von Frühling bis Herbst 2007 Ölvorkommen erkundet. Der Biologe von der „Whale and Dolphin Conservation Society“ (WDCS) hat nun die Filmemacher beraten und seine Nordsee-Erfahrungen in das Projekt einfließen lassen. Internationale Umweltschützer protestierten damals vergeblich gegen den Einsatz von Schallkanonen über mehrere Wochen und rund um die Uhr. Die Genehmigung hatte das Bergbau-Landesamt erteilt. In der Nordsee am nordwestlichen Rand der Deutschen Bucht schwammen Schweinswale, sogar trächtige Kühe seien darunter gewesen, sagt Brensing. Über den „Doggerbank-Skandal“ werde bis heute auf europäischer Ebene verhandelt.