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Medien & TV „Das Radio ist sinnlicher“
Nachrichten Medien & TV „Das Radio ist sinnlicher“
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18:59 24.01.2014
Von Dany Schrader
NDR-Talker und Filmproduzent Hubertus Meyer-Burckhardt Quelle: dpa
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Hannover

Herr Meyer-Burckhardt, heute Morgen sind Sie in Frankfurt aufgebrochen. Gerade fahren Sie im Auto von Hamburg nach Hannover. Das passt: In Interviews sagen Sie immer wieder, Sie seien „ein Reisender, ein Aufbruchmensch“. Was treibt Sie zurzeit an?
Da muss ich Sie jetzt leider enttäuschen. Ich rede nie über Projekte, die noch im Entstehen sind, da bin ich abergläubisch. Das mache ich sehr ungern, auch, wenn ich Ihnen damit jetzt vielleicht den Wind aus den Segeln nehme.

Es gibt da allerdings ein Projekt, über das Sie gerne sprechen: Ihre neue Sendung „Frauengeschichten“ ab 2. Februar auf NDR Info. Worum geht es dabei?Diese Sendung ist eine Hommage an die Frau. Es geht um Frauen und Musik. Für jede Ausgabe der Sendung lade ich eine Frau ins Studio ein, die von sich und ihrem Lebensweg, Zielen und Träumen erzählt. Die Frauen bringen jeweils drei Lieder mit, die zu ihrem Leben gehören oder davon erzählen. Ich bringe auch ein Lied mit, und das ist immer von Rod Stewart. Der Sänger hat mich in allen Lebenslagen begleitet. Da es ungefähr 450 Titel von ihm gibt, wird es kein Problem sein, immer einen passenden Song zu finden.

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Warum sprechen Sie nur mit Frauen?
Ich unterhalte mich lieber mit Frauen als mit Männern. Ich glaube, ich trete niemandem zu nahe, wenn ich sage, dass Frauen kompliziertere, vielschichtigere und interessantere Wesen sind als Männer.

Sind Sie ein Frauenversteher?
Nein, im Gegenteil. Ich höre oft staunend zu, was Frauen erzählen. Deswegen werde ich darauf achten, dass meine Gäste genügend Raum bekommen, um Geschichten erzählen zu können. Das Medium Radio ist dafür wunderbar geeignet, weil es eine sehr angenehme und intime Atmosphäre bietet.

In Ihrem Lebenslauf gibt es allerdings einen anderen wichtigen Eckpfeiler: den Film, vor allem für das Fernsehen. Was führt Sie als Fernsehmenschen zum Radio?
Ich bin mit dem Radio groß geworden und habe es immer auch sehr gemocht. Auch jetzt, im fortgeschrittenen Alter, höre ich noch gerne Radio. Und ich bin überzeugt davon, dass egal, welche Entwicklung die Digitalisierung noch nehmen wird - das Radio wird davon profitieren.

Was kann das Medium Radio denn, was das Fernsehen nicht kann?
Es hat ganz unglaubliche Vorteile: Sie müssen keinen Anzug anziehen.

Und sonst?
Man braucht keine Maske (lacht). Nein, im Ernst: Ich habe den Eindruck, Radiosendungen werden viel intensiver wahrgenommen als das Fernsehen. Auf Sendungen im Radio habe ich immer viel mehr Resonanz bekommen als auf Formate im Fernsehen. Das Radio ist sinnlicher. Vielleicht ist es so, dass beim Fernsehen das Auge das Ohr ablenkt und umgekehrt, jedenfalls hören die Menschen beim Radio genauer zu. Das Fernsehen nehmen wir längst nicht so intensiv wahr.

Sie haben einmal gesagt, Sie möchten nicht als „Moderator“ bezeichnet werden, sondern lieber als „Gastgeber“. Was ist so schlimm an „Moderator“?
Im Wort „Moderator“ steckt das deutsche Wort für ausgleichen. Aber ich will nicht ausgleichen oder temperieren, das ist mir zu gutmenschenhaft. Wenn Sie als Gastgeber zu Hause Gäste einladen, nehmen Sie sie auch, wie sie sind, und versuchen nicht ununterbrochen, ihre Gespräche zu lenken.

Das heißt, Sie wollen in der Sendung Freiraum lassen für Unerwartetes und vielleicht auch Provokantes?
Nicht nur in der Sendung, auch im Leben. Wir können ja kein Drehbuch schreiben für alles, was kommt. Es wäre doch auch langweilig, wenn wir immer schon wüssten, was passiert. Das ist auch in einer Talkshow nicht anders. Ein Gespräch zwischen zwei Menschen braucht Raum für Überraschendes.

Wer ist Ihr erster Gast?
Barbara Schöneberger. Und für März möchte ich Hannelore Elsner einladen, allerdings weiß sie davon noch nichts. Ich bin gespannt, ob sie zusagt.

Womit soll Barbara Schöneberger Sie denn überraschen? Man könnte den Eindruck gewinnen, Sie kennten sich gut, immerhin moderieren Sie eine Talkshow zusammen ...
Ich werde mit ihr über das Rollenbild der Frau sprechen, sie fragen, mit welchem Frauenbild sie groß geworden ist und ob man flirten kann, wenn man wie sie verheiratet ist. Der Rod-Stewart-Titel, den ich mitbringen werde, ist - so viel kann ich schon verraten -„She Makes Me Happy“.

Wird man Sie beide weiterhin zusammen in der „NDR Talk Show“ sehen?
Wenn der NDR mich lässt, würde ich den Vertrag gern noch einige Jahre laufen lassen. Aber das ist ja nicht nur meine Entscheidung.

Als Vorsitzender Geschäftsführer der traditionsreichen Filmproduktionsfirma Polyphon sind Sie vor sechs Monaten ausgestiegen. Sie sagten damals, sie hätten große Lust, radikalere Projekte als Produzent zu wagen. Was kommt da nun? „Breaking Bad“ statt „Pfarrer Braun“?
Für den Ausstieg gab es eine Vielzahl von Gründen. Nach über 20 Jahren Ergebnis- und Personalverantwortung wollte ich andere Projekte in Angriff nehmen, für die mir die Zeit fehlte - unter anderem die „Frauengeschichten“. Ich schreibe zurzeit an meinem zweiten Buch und arbeite an neuen Filmen. Allerdings muss ich da auf den Anfang zurückkommen: Solange noch keiner fertig ist, verrate ich nichts.

Interview: Dany Schrader

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