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Medien & TV Das ZDF zeigt das Entführungsdrama „30 Tage Angst“
Nachrichten Medien & TV Das ZDF zeigt das Entführungsdrama „30 Tage Angst“
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14:13 04.04.2009
Ein Ausflug wird zum Albtraum: Oliver Stokowski spielt eines der Entführungsopfer.
Ein Ausflug wird zum Albtraum: Oliver Stokowski spielt eines der Entführungsopfer. Quelle: ZDF
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Aus dem exotischen Tagesausflug entwickelt sich in dem ZDF-Film „30 Tage Angst“ ein Drama, bei dem der Psychologie einer Geiselnahme nachgespürt wird. Die Deutschen werden von schwer bewaffneten Nomaden entführt, die Lösegeld erpressen wollen.

Anfänglich ist dieses Wüstenabenteuer durchaus temporeich und spannend – auch weil für die Geiselnehmer vieles schief geht. Ein Mitglied der Reisegruppe wird bei einem Handgemenge erschossen, ein anderer Tourist schwer verletzt. Und der Anführer einer Armeeeinheit, die nach den Entführern sucht, hat zudem eine persönliche Rechnung mit ihnen offen und will Rache nehmen. Immer verzweifelter diskutieren die Geiseln derweil, ob sie die Flucht in die gefährliche Wüste wagen sollen.

Die Ausgangslage ist also vielversprechend, und die prominente Schauspielerriege – unter anderem Ann-Kathrin Kramer, Oliver Stokowski, Wolfgang Stumph und Bernhard Schütz – weiß zu überzeugen. Und dennoch fehlt es der Produktion an Stringenz – was besonders überraschend ist, weil mit Thorsten Näter ein in Sachen Krimi und Thriller erfahrener Regisseur für dieses Wüstenabenteuer verantwortlich ist (übrigens auch als Drehbuchautor). Inspirieren ließ er sich von einigen Entführungen in Nordafrika und anderswo, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen sorgten.

Doch versandet leider auch die Geschichte mehr und mehr. So muss sich der Zuschauer mit Ungereimtheiten und Klischees abmühen. Da schickt Näter beispielsweise ein Ehepaar in die Wüste, das ganz kurz vor der Scheidung steht und vorher noch einmal einen gemeinsamen Urlaub macht – warum auch immer. Während der Geiselnahme bahnt sich schnell an, dass sie in der Not doch wieder zueinander finden – man mag so viel Vorhersehbarkeit kaum ansehen.

Und das wirklich Interessante an dem Thema, die Spannungen innerhalb der Entführtengruppe, räumt der Regisseur zu wenig Raum ein. Immer wenn die Charaktere gerade ein wenig an Tiefe und Schärfe gewinnen könnte, weil ihre Lebenshintergründe geschildert werden, lässt es Näter sofort wieder krachen. Wie aus dem Nichts tauchen dann plötzlich (und das gleich mehrfach) wild um sich schießende Soldaten auf. Und die Soldaten agieren nicht nur durchweg dilettantisch, auch wie sie in Szene gesetzt sind, ist leider arg stümperhaft.

von Ernst Corinth

Montag, 6. April, 20.25 Uhr im ZDF