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Medien & TV Das iPad von Apple: Computertafel mit Makeln
Nachrichten Medien & TV Das iPad von Apple: Computertafel mit Makeln
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19:20 07.04.2010
Im ausgeschalteten Zustand werden Schlieren und Fettfinger auf dem iPad deutlich sichtbar. Eingeschaltet überstrahlt das leuchtende Display diesen Makel. Quelle: Richard Gutjahr
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Ersetzt das iPad den Laptop? Oder den PC?

Nein. „Das iPad ist kein Computer­ersatz“, erklärt Joscha Sauer, Karikaturist aus Frankfurt, der unter anderem mit seinen Comics unter nichtlustig.de bekannt geworden ist. Er hat sich ein iPad von einem Freund aus den USA mitbringen lassen und es seit zwei Tagen zunächst mit aufgeklebter Schutzfolie getestet. Für einen Laptop-Ersatz fehlt dem iPad nach seinen Worten die Eingabemöglichkeit langer Texte. Auf dem Bildschirm wird eine virtuelle Tastatur angezeigt – mit der gelingen kurze Mails. Für längeres Arbeiten gibt es zwar eine extra anschließbare Tastatur als Zubehör. Doch wirkt diese Konstruktion nur wie ein Notbehelf. „Das iPad ist ein pures Konsumentengerät“, erklärt Sauer, es tauge vor allem als Empfangsgerät für Internetinhalte.

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Kann es verzaubern?

„Nein“, urteilt Sauer. Er selbst sei im ersten Moment sogar enttäuscht gewesen. Zwar sei die Haptik, also der ertastete Eindruck, wunderbar, doch entpuppt sich das Gerät als insgesamt beschränkt. „Es kann weniger als sein kleiner Bruder, das iPhone“, sagt Sauer. Telefonieren gelinge nicht, es hat keine Kamera und auch keinen eingebauten Kompass wie die neueren iPhones. „Das sind Kleinigkeiten, die ins Gewicht fallen“, sagt Sauer. Zudem gibt es in den USA erste Berichte, dass der Empfang im Funknetz (WLAN) sehr schwach sei. Dagegen eignet sich das iPad gut als digitales Internet-Lesegerät fürs Sofa oder am Frühstückstisch. Für unterwegs gibt es in Kürze eine Version des iPads mit UMTS-Empfangsmöglichkeit.

Sieht man auf dem iPad Schlieren?

In der Tat. Fettfinger hinterlassen auf der unzerkratzbaren Glasoberfläche Abdrücke. Die werden allerdings nur im ausgeschalteten Zustand des Geräts lästig sichtbar. Sie lassen sich mit dem Ärmel abwischen. Im eingeschalteten Zustand überstrahlt die besondere Leuchtkraft des Displays solche Spuren.

Kann man damit im Sonnenlicht lesen?

Die Leuchtkraft des iPads ist so überragend wie die des iPhones, so dass man durchaus bei direkter Sonneneinstrahlung darauf lesen kann. Allerdings strengt gerade diese Leuchtkraft das Auge besonders an. Andere Darstellungstechnik wie zum Beispiel die Schwarz-Weiß-Optik des Kindles sei für längere Texte besser geeignet, berichten Anwender. Zudem gab es in den USA erste Berichte von Käufern, die über Hitzeprobleme des iPads berichteten: „Das iPad muss gekühlt werden, bevor Sie es weiter nutzen können“, meldet das Gerät dann auf Englisch. In direkter Sonneneinstrahlung kann das Gerät überhitzen und damit für eine Weile unbrauchbar werden. Zudem braucht man eine besondere Lesesoftware, die es zurzeit nur im amerikanischen Shop gibt – herunterzuladen nur mit einer amerikanischen Adresse.

Wo gibt es das iPad in Deutschland?

Derzeit nur über den privaten Import aus den USA – und zum Anschauen im Rahmen vereinzelter Werbeaktionen, wie etwa beim Media-Markt in Hameln. Wer auf eines der zahlreichen Angebote bei Auktionsangeboten im Internet wie Ebay einsteigt, bezahlt derzeit an die 1000 Euro – und muss sich anschließend einen deutschen Stromstecker besorgen. Im deutschen iTunes-Geschäft sind noch keine Pad-Anwendungen freigeschaltet – sodass man stattdessen mit einer amerikanischen Adresse hantieren muss, um an neue Software zu gelangen, die auf das iPad optimiert ist. Apple hat angekündigt, dass das iPad „voraussichtlich Ende April“ in Deutschland verfügbar sein soll. Nach Informationen dieser Zeitung hat Apple keinen exklusiven Mobilfunkanbieter in Deutschland gewählt, sondern wird das iPad über eigene Vertriebswege verkaufen: über die drei Apple-Geschäfte in Hamburg, München und Frankfurt sowie über „autorisierte Händler“, wie Apple-Deutschland-Sprecher Georg Albrecht sagte. Dabei handelt es sich um Cancom und vermutlich Gravis. Zudem bestätigte eine Media-Markt-Sprecherin Gespräche. Die 3G- und die WLAN-Version des iPads sollen zeitgleich in Deutschland erscheinen. Für die Nutzung der 3G-Version, bei der die Daten übers Mobilfunknetz abgerufen werden, ist eine besondere SIM-Karte nötig, eine MicroSIM-Karte. Käufer haben nach Angaben eines T-Mobile-Sprechers die Wahl, einen beliebigen Mobilfunkprovider zu nehmen.

Kann man mit dem iPad telefonieren?

Mit Einschränkungen. Das gelingt etwa über Skype, den Internetdienst. Über Mobilfunkanbieter wie T-Mobile ist dagegen kein Telefonieren möglich.

Wird das WePad eine Alternative zum iPad?

Das WePad wird durchaus eine Alternative zum iPad – ungefähr so, wie Handys von Nokia, SonyEricsson & Co. heute eine Alternative zum iPhone-Handy darstellen. Auch mit dem WePad gelangt man ins Internet, kann Mails abrufen und per ­Facebook oder Twitter mit Freunden in Kontakt bleiben. Das WePad von der Firma Neofonie aus Berlin basiert auf Linux und versteckt ähnlich wie das iPad die Programmierung unter einer schicken Bedienoberfläche. So „sexy“ und aus einem Guss wie das iPad wirkte das WePad in ersten Tests allerdings noch nicht – es stand der Redaktion zunächst nur ein Prototyp zur Verfügung, bei dem das Chassis aus Holz geschreinert war. Anders als das iPad pflegt das WePad ein offenes System: Jeder Programmierer wird dafür Anwendungen herstellen können. Es hat einen USB-Anschluss und kann anders als das iPad Webseiten mit Flash-Inhalten darstellen. Damit „geht mehr“, aber damit wird auch manches komplizierter. Apple konzentriert sich dagegen darauf, geprüfte Inhalte und Techniken zu ermöglichen. „Das, was das iPad kann, kann es sehr gut“, sagt Sauer – Browser und E-Mail-Programm seien „unfassbar schnell“ und „sofort da“, zudem funktioniert der Rechner geräuschlos.

Kaufen oder nicht?

Ausprobieren! 2010 wird das Jahr der Tablet-Computer – die Auswahl wird groß werden und Apple nur ein Anbieter unter vielen.