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Medien & TV „Der ,Comet‘ ist wie Klassenfahrt“
Nachrichten Medien & TV „Der ,Comet‘ ist wie Klassenfahrt“
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07:27 25.05.2011
Collien Fernandes moderiert am Freitag den Fernsehpreis „Comet“. Quelle: dpa (Archivbild)
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Collien Fernandes, Sie moderieren, modeln, schauspielern, designen und machen Werbung. Was antworten Sie, wenn man Sie nach Ihrem Beruf fragt?

Ich sage, dass ich moderiere und Schauspielerin bin. Manchmal werde ich das aber auch von Leuten gefragt, die genau wissen, wer ich bin. Wenn ich das merke, erzähle ich mit Vorliebe, dass ich im Bürgeramt arbeite oder Tierärztin bin.

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Bei Ihnen hat man aufgrund der Omnipräsenz den Eindruck, dass es kaum etwas gibt, was Sie ablehnen.

Nein – dieser Eindruck täuscht. Ich habe schon einiges abgelehnt. Das muss ich auch. Nicht nur, dass es schnell mal zu viel wird; ich bin durchaus auch schon in Projekten gelandet, die mir im Vorfeld vollkommen anders verkauft wurden als sie letztlich waren, bei denen ich aber aus den Verträgen nicht mehr herausgekommen bin. So etwas passiert mir heute nicht mehr. Kürzlich ist mir zum Beispiel ein Lifestyle-Format angeboten worden, das mir als ganz tolles Frauenmagazin verkauft wurde. Über Umwege habe ich aber ein ganz anderes Konzept für die gleiche Sendung in die Hände bekommen, in dem es um ein „sexy Frauenmagazin“ ging – also für eine männliche Zielgruppe. Das war schon sehr befremdlich.

Wie schützen Sie sich vor so etwas?

Ich bin sehr penibel geworden. Wenn ich mir Verträge durchlese, achte ich wirklich auf jede einzelne Formulierung.

In einem Interview haben Sie mal gesagt: „Manchmal ist man einfach nur käuflich.“ Wie viel Prozent Ihrer Jobs machen Sie nur des Geldes wegen?

Mittlerweile mache ich das gar nicht mehr. Früher wusste ich nicht, wie lange ich überhaupt in der Branche aktiv sein werde und habe daher auch mal Jobs angenommen, die ich heute nicht mehr machen würde. Aber die Zeiten sind vorbei. Der „Playboy“ hat mir kürzlich eine sechsstellige Summe angeboten, und ich habe abgelehnt.

Er hätte also früher anfragen sollen?

Nein (lacht). Der „Playboy“ hätte zu jeder Zeit kommen können, das hätte ich nie gemacht.

In der Presse stand, dass Sie durch Ihre aktuellen Filmdrehs den Termin für Ihre Hochzeit mit Christian Ulmen verschieben mussten. Stimmt das?

Ja, das habe ich auch gelesen und war schockiert. Denn erstens stimmt das nicht, und zweitens habe ich das nie behauptet. Ich drehe gerade tatsächlich sehr viel, aber eine Verschiebung der Hochzeit gab es definitiv nicht. Ich werde ständig nach dem Termin gefragt, aber wann wir heiraten, geht die Presse einfach mal überhaupt nichts an.

Viele Ihrer frühen Jobs hatten mit Musik zu tun. Vor knapp 15 Jahren waren Sie selbst mal in einer Band namens YamYam aktiv. Warum hat das mit der aktiven Musikkarriere damals nicht geklappt?

Ich hatte niemals vor, Popmusikerin zu werden. Ich war in jungen Jahren in einer Kindermodelagentur und bin daher mit 14 Jahren bei einem Casting für YamYam gelandet. Ich kann nur mittelmäßig singen, aber für diese Teenieband hat es gereicht. Zwei, drei Jahre sind wir damit durch Deutschland gereist, dann war das Thema durch. Ach, Patrick Owomoyela, der ja mittlerweile erfolgreicher Fußballprofi ist, war damals auch in der Band und hat bei uns gerappt (lacht).

Am Freitag moderieren Sie zum fünften Mal die „Comet“-Verleihung.

Leider habe ich dieses Mal nur sehr wenig Vorbereitungszeit, da ich gerade zwei Filme in Köln drehe. Aber die Moderation der „Comet“-Verleihung ist für mich nach wie vor einer der Höhepunkte des Jahres. Die Aufregung, der Kick, die Leute – das ist immer toll. Für mich ist der „Comet“ immer die Klassenfahrt für die Viva-Moderatoren.

Wie beurteilen Sie den Stellenwert des „Comets“ im Vergleich zum „Echo“?

Die „Comet“-Verleihung ist jünger und poppiger. Beim „Echo“ haben Oliver Geißen und Yvonne Catterfeld auch schon mal gemeinsam auf einer Blumenschaukel gesessen – das war ziemlich bieder. Der „Comet“ ist etwas für die Jugend, der „Echo“ ist eher Erwachsenenunterhaltung.

Jung, krawallig, poppig – ist das auch der Anspruch an ihre Moderation?

Das ist nicht immer so geplant, aber manchmal rutschen mir solche Sachen heraus wie im letzten Jahr, als mich Menowin Fröhlich verklagen wollte.

Sie hatten ihn damals als „sonnenbankfarbene Ed-Hardy-Wuchtbrumme“ bezeichnet und gemutmaßt, er würde Kinder mit Verwandten zeugen.

Eigentlich habe ich bloß Dinge angesprochen, über die sowieso öffentlich geredet wurde und sie in einen ironischen Kontext gesetzt. Ich habe die Aufregung damals wirklich nicht verstanden. Aber gut: Ironie funktioniert eben nur, wenn die Leute sie auch verstehen.

Sie sind einer der am häufigsten gegoogelten deutschen Prominenten. Sucht man nach Ihrem Namen, bekommt man die folgenden „verwandte Suchanfragen“ angeboten: „Collien Fernandes Brust OP“, „Füße“ und „schwanger“. War Ihnen das bewusst?

Ja, das wusste ich. „Schwanger“ stand eine Zeit lang immer an erster Stelle. Und das nur, weil ich einmal ein weites Kleid anhatte. „Füße“ steht aber nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Frauen, wenn man sie googelt. Die Welt scheint voll zu sein von Fußfetischisten. Keine Ahnung, was da los ist.

Vor zwei Jahren sind Sie mal aus einer Lady-Gaga-Pressekonferenz herausgeworfen worden, weil Sie sie gefragt haben, ob sie einen Penis habe. Gibt es denn Fragen, die Sie sich verbitten?

Mein unangenehmstes Interview fand vor einem Jahr in der „NDR Talk Show“ mit Steffen Hallaschka statt, der dort die Urlaubsvertretung für Barbara Schöneberger gemacht hat. Er hatte sich überhaupt nicht vorbereitet. Er meinte, ich sei ja nun schon zehn Jahre bei Viva, obwohl es erst sechs Jahre waren und mich gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, neben Viva etwas anderes zu machen, zum Beispiel einen Film zu drehen – dabei hatte ich schon längst 20 Filme gemacht (lacht).

Hat er sich danach entschuldigt?

Nein, er nicht – aber seine Redaktion. Denen war das wirklich peinlich (lacht).

Interview: Daniel Schieferdecker