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Medien & TV Der Kinderkanal feiert seinen 15. Geburtstag
Nachrichten Medien & TV Der Kinderkanal feiert seinen 15. Geburtstag
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10:56 28.12.2011
Von Heike Manssen
Foto: Der Kinderkanal wird 15 Jahre alt.
Der Kinderkanal wird 15 Jahre alt. Quelle: dpa
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Erfurt

Wegen Millionenbetrugs hat das Erfurter Landgericht den ehemaligen KI.KA-Herstellungsleiter schon im Juli zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt, am vergangenen Freitag hat der Bundesgerichtshof die Revision verworfen.

Und es ist noch nicht vorbei. Vor Kurzem ist auch noch bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Erfurt Anklage gegen einen weiteren Beteiligten der Betrugsaffäre, die einen Schaden von mindestens 8,18 Millionen Euro verursacht hat, erhoben hat. Doch trotz aller Negativschlagzeilen sei der Sender weiterhin die „Vertrauensmarke bei Kindermedien schlechthin“, sagt Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp. Er will endlich mal wieder über Programm und Quote reden. Mit der Quote, das läuft ganz gut: Im November erreichte der KI.KA einen Marktanteil von 21 Prozent bei der Zielgruppe der Drei- bis 13-Jährigen, im Jahresdurchschnitt sind es bisher 18,8 Prozent. Marktführer Super-RTL steht zwei bis drei Prozent besser da. Das mag auch daran liegen, dass Kinder ab einem bestimmten Alter nicht mehr Kinder genannt werden möchten und schon gar kein Kinderfernsehen gucken wollen.

Auch deshalb möchte der KI.KA, der „erwachsen geworden ist, ohne erwachsen zu sein“ (Kottkamp), frischer, jugendlicher daherkommen. Anlässlich des Jubiläums gönnt er sich ein neues Design und einen neuen Solgan („KI.KA für dich“). Offiziell liegt das Logo erst im Februar vor, doch schon jetzt ist klar, es wird seine Farbe wechseln, und auch der mittige Punkt mit dem obligatorischen „X“ verschwindet. Neue Serien und Themen sollen ältere Kinder locken. So ist im Februar ein dreitägiger Schwerpunkt zu sexuellem Missbrauch in der Familie geplant. Dabei steht im Zentrum ein Film aus der mehrfach ausgezeichneten Reihe „krimi.de“. Begleitend dazu sind Chats im Netz geplant, und auch in anderen Formaten soll das Thema im Laufe des Jahres immer wieder aufgegriffen werden. Zudem gibt es bald eine neue wöchentliche Wissenssendung namens „Erde an Zukunft“.

Was sicher bleibt, sind die sich endlos  wiederholenden Uralt-Zeichentrickklassiker wie „Wickie und die starken Männer“, „Biene Maja“ oder „Nils Holgersson“. Auch das Nachmittagsprogramm wird an manchen Tagen wie gewohnt angestaubt bleiben. Während Super-RTL oder Nick neuere Disney-Produktionen ins Programm nehmen, spult der KI.KA russische Märchenfilme aus den siebziger Jahren ab. Doch das ist manchmal gar nicht so schlimm: Die Zuschauer des Kinderkanals wachsen aus den einzelnen Sendungen heraus wie aus ihren Schuhen – vielleicht nicht ganz so schnell. Und Kinder, vornehmlich jüngere, mögen „Wickie“ auch beim zweiten, dritten oder sogar vierten Mal. Im Gegensatz zu den schnell geschnittenen Zeichentrickserien auf anderen Kanälen wirken die jahrzehntealten Filmchen ruhig und geradezu entspannend. Ja, manchmal sogar einschläfernd. Aber das kann um die Uhrzeit (19 Uhr) ja auch nicht schaden.

In den Anfangsjahren vom KI.KA bestand das Programm hauptsächlich aus Serien und Sendungen, die bereits in der ARD und im ZDF zu sehen waren. Erst nach und nach kamen eigene Produktionen und Serien dazu. Mittlerweile beträgt der Anteil der Trickfilme bis zu 85 Prozent des Gesamtprogramms. Neben dem Comic-Einerlei gibt es immer noch genug Höhepunkte im Programm: Die tägliche Nachrichtensendung „logo“, „Wissen mach Ah“, „Pur+“ oder „Checker Can“, um nur einige zu nennen. Ausgezeichnet ist auch das Vorschulprogramm „Kikaninchen“, die „Sendung mit der Maus“ sowie die eigene Krimiserie und die Daily-Dokus. Höhepunkt in 2011 war sicherlich die Castingshow „Mein Song“, in der Teilnehmer eigene Liedkompositionen unter Profibedingungen produzieren konnten. Und all das ist werbefrei. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber jenen, die mit langen Werbestrecken die Kinder schnell infiziert haben.

Heike Manssen 22.12.2011