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Medien & TV „Der Minister“ – Gut kopiert
Nachrichten Medien & TV „Der Minister“ – Gut kopiert
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22:07 12.03.2013
Foto: Susan Sideropoulus, Thomas Heinze, Kai Schumann und Alexandra Neldel überzeugen in ihren Rollen in „der Minister.“
Susan Sideropoulus, Thomas Heinze, Kai Schumann und Alexandra Neldel überzeugen in ihren Rollen in „der Minister.“ Quelle: Handout
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Berlin

Kai Schumann spielt Minister Franz Ferdinand von und zu Donnersberg. Schon die Vielzahl seiner Vornamen deckt sich mit dem Vorbild Karl-Theodor zu Guttenberg. Dass dieser jedoch schon in Schultagen bei seinem besten Freund fleißig abschrieb, ist nicht überliefert. Die Eckdaten stimmen: nach der Hochzeit erst Wirtschafts-, dann Verteidigungsminister. Auch die Spekulationen um eine mögliche Zukunft als Kanzler eint fiktive und reale Person. Guttenbergs Nähe zur „Bild“-Zeitung, die den Durchstarter mit großen Geschichten unterstützte, wird im Film deutlich überspitzt, ist aber auch in der Realität nicht von der Hand zu weisen. Mimik und Gestik hat Schumann sich hervorragend angeeignet.

Alexandra Neldel übernimmt die Rolle der Ministergattin. Sie genießt als Viktoria von und zu Donnersberg jede Sekunde Aufmerksamkeit. Sie wird als titelseitenverliebte Möchtegernprinzessin präsentiert, die sich ihre Langeweile mit sozialem Engagement vertreiben will. Beim Afghanistan-Besuch erklärt sie Journalisten, sie mache demnächst die Show „Der Kinderschänderschreck“. Eine Anspielung auf Stephanie zu Guttenberg, die für ihr RTL-II-Format „Tatort Internet“ heftige Kritik einsteckte. Der Familienbesuch, so monierte die echte Opposition, benutze den Afghanistan-Einsatz für eine PR-Kampagne. Kritik gab es auch am Vor-Ort-Talk mit Johannes B. Kerner. Auch den nimmt der Film auf die Schippe.

Katharina Thalbach macht für Sat.1 die Kanzlerin Angela Murkel – und war damit ein Höhepunkt von „Der Minister“. Ihre schnodderige Kanzlerinnen­darbietung amüsierte vor allem bei den Blicken hinter die Kulissen. Egal ob riesige Blazer-Garderobe oder Weltpolitik am Beispiel von Wurst – der Charakter funktioniert, weil der Zuschauer sich die echte Angela Merkel vorstellen kann. Dass Murkel hinter den Kulissen den Sturz des Konkurrenten plant, ihm das Verteidigungsministerium nur wegen des schlechten Rufs zuschustert, klingt gar nicht mal abstrus. Guttenbergs Popularität erreichte in Deutschland zwischenzeitlich unglaubliche Höhen. Konkurrenz in den eigenen Reihen schätzen Politiker selten.

Walter Sittler ist Rochus von und zu Donnersberg – der Vater des „Ministers“. Enttäuscht von der fehlenden Stringenz im Leben des Sohnes einigen sie sich, dass Franz in die Politik geht. Der Druck aus dem Elternhaus wirkt. Kein Wunder: Vater Donnersberg ist ein angesehener Mann im Heimatort Donnersberg – Gleiches gilt auch für den Vater von Karl-Theodor zu Guttenberg, Enoch zu Guttenberg. Der ist ein bekannter deutscher Dirigent. Auch hier achtet der Film auf Details: Das Klavierspielen beherrscht Minister Donnersberg blind. Ob Vater Guttenberg Sohn Guttenberg wirklich zu Höchstleistungen drängte, ist nicht bekannt. Der Name dürfte aber auch so genug Druck ausgeübt haben. Adel verpflichtet.

Susan Sideropoulus verkörpert Karin Breitmann, die Frau des „Blitz-Kurier“-Chefredakteurs Jan Breitmann. Ausgehend von Breitmanns Vorbild, „Bild“-Chef Kai Diekmann, müsste Karin Breitmann Katja Kessler sein. Ob die allerdings permanente Beraterin von Stephanie zu Guttenberg war, ist nicht bekannt. Im Film inspiriert Karin Donnersbergs Frau Viktoria, Bücher zu schreiben und sich sozial zu engagieren. Das tut Kessler tatsächlich, gern auch mit „Bild“-Unterstützung. Erst vor Kurzem empfahl das Blatt einen Sat.1-Film, („Herztöne“) der auf dem Roman der Frau des Chefs – also Kessler – basierte. Generell ist Karin Breitmann im Film kaum treibende Kraft – sondern Nutznießerin.

Thomas Heinze gelte sich die Haare für seine Rolle als Jan Breitmann ordentlich nach hinten. Als Chefredakteur des „Blitz-Kuriers“ erinnert er heftig an „Bild“-Chef Kai Diekmann. Der pflegt durchaus enge Kontakte zu Politikern. Im Film hat Breitmann große Freude am naiven Donnersberg, den er sich nach Herzenslust formen kann. Die Inszenierung erarbeiten die beiden gemeinsam – glaubt Donnersberg. In der Realität war „Bild“ lange auf Guttenbergs Seite. Nach Kritik, dass der seine Frau mit nach Afghanistan nahm, titele die Zeitung „Nörgler, Neider, Niederschreiber: Einfach mal die Klappe halten!“. „Wir stehen zu Guttenberg“ entschieden 87 Prozent der „Bild“-Leser nach den Plagiatsvorwürfen.

Renate Müller-Schäfer hat mit der Rolle im „Minister“ das größte Glück gehabt. Bisher war sie kaum bekannt, in den Sat.1-Presseheften taucht sie selten namentlich auf. Allerdings bekam sie jetzt plötzlich sehr viel Aufmerksamkeit: Müller-Schäfer spielt Annette Schwan – unschwer als Annette Schavan zu identifizieren. Kanzlerin Murkel verpflichtet Schwan im Film, sich öffentlich für Donnersberg zu schämen. Das tat Schavan auch in der Realität. Dass bis zur Ausstrahlung des „Ministers“ die Porträtierte ihren Doktortitel los ist, konnten die Produzenten nicht ahnen. So bekommt Müller-Schäfers kleiner Auftritt im Film noch einmal eine ganz neue Ebene – ohne dass extra draufgehauen werden muss.

Christoph Hofrichter füllt den Part des Finanzminister Schäuffele aus, die Filmversion von Wolfgang Schäuble. Auch alle weiteren Bundesminister aus Guttenbergs Zeit finden sich im Film, kommen etwa bei den Koalitionsverhandlungen zusammen. Bei einer schlägt Donnersberg vor, dass für den in Schieflage geratenen Autohersteller Forpel eine Insolvenz infrage käme. Damit sorgte auch der echte Wirtschaftsminister für Schlagzeilen, als es um Opel ging. Murkel und die Minister sind von Donnersbergs Vorschlag überrumpelt. Auf seine Seite will sich keiner stellen. Auch Guttenberg kämpfte einsam. Im Film macht Donnersberg vielen mit seiner Popularität Angst. Auch das könnte nicht ganz unwahr sein.

von Sebastian Scherer