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Medien & TV Der „Tatort“ erlaubt einen Blick in die Geschichte Lena Odenthals
Nachrichten Medien & TV Der „Tatort“ erlaubt einen Blick in die Geschichte Lena Odenthals
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19:17 29.12.2010
Von Dany Schrader
Polizeischüler Torben Brandstetter (Matthias Ziesing) hat im Einsatz die Nerven verloren. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist es gelungen, ihn aus der brenzligen Situation zu befreien. Quelle: ARD
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Polizeischulen können Faltblätter und Imagebroschüren drucken, soviel sie wollen – im deutschen Fernsehkrimi kommen sie eigentlich immer schlecht weg. Auch der jüngste Fall der Ludwigshafener Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) führt an eine von Intrigen und Drill zerfressene Kaderschmiede, in der die Schüler mit grauen Gesichtern wie gleichgeschaltet den Gesetzen der Lehranstalt folgen. Und so hangelt sich die zunächst vielversprechend angelegte Handlung der „Tatort“-Folge „Tödliche Ermittlungen“ von einem Klischee zum nächsten: Nachdem Polizeischülerin Bettina Schnell (Julischka Eichel) tot auf einem Feld aufgefunden wird, muss das Ermittlerduo mittels Befragungen der Mitschüler nach einem Motiv suchen – und stößt dabei vorhersehbarerweise auf eine Mauer des Schweigens.

Erst langsam wird klar, dass die angehende Beamtin ihre Kompetenzen bereits weit überschritten hatte. Offenbar war die Polizeischülerin in ihrer Freizeit finsteren Geschäften eines Fitnessstudiobetreibers (Ralph Herforth) auf der Spur. Auch an diesem Schauplatz scheinen die Figuren wie aus einem Bilderbuch der Fernsehbösewichte entnommen: Der Chef der Sportanlage turnt stets im Jogginganzug durch seinen Laden, in dessen Hinterzimmer brutale Boxer trainieren. In den verdächtigen Kisten, die dort umgeschlagen werden, entdecken die Ermittler überraschenderweise illegale Aufputschmittel.

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Das Milieu, aus dem das Opfer stammt, ist ähnlich naheliegend gewählt: Ehrgeiz mag das Motiv für ihren Übereifer an der Polizeischule gewesen sein. Dahinter, so wird es dem Zuschauer zumindest nahegelegt, muss aber der dringende Wunsch gestanden haben, aus den einfachen Verhältnissen des Elternhauses in einer Plattenbausiedlung zu entfliehen.

Einziger Lichtblick in dieser Folge des „Tatorts“ sind die sonst eher seltenen Einblicke in die Vergangenheit der üblicherweise verschlossenen Kommissarin Lena Odenthal. Die Ermittlungen führen sie ausgerechnet zurück an ihre alte Polizeischule. Dort zählte die burschikose Polizistin einst zu den Musterschülern, zu denen Schulleiter Robert Brandtstetter (Christian Redl) eine besondere Beziehung pflegte: Bis in die Gegenwart sieht er sich als Förderer Odenthals, mehr als einmal nimmt er in den Vernehmungen für sich in Anspruch, in der Karriere der Kommissarin die richtigen Weichen gestellt zu haben.

Doch dann gerät auch der ehemalige Mentor ins Zwielicht und damit in die Reihe der Verdächtigen. Zug um Zug muss die Ermittlerin gegen ihren früheren Lehrer antreten und den Verbindungen von einst widerstehen. Dieser Konflikt hätte durchaus interessant werden können. Leider sind die Figuren in dieser Ausgabe des Sonntagskrimis allzu pauschal und schemenhaft angelegt, um wirklich interessant zu werden. Die Geschichte, auch die um Lena Odenthal, kratzt daher lediglich an der Oberfläche. Selbst der Versuch, das sonst so ernsthaft agierende und sympathische Ermittlerduo einmal humorvollen Situationen auszusetzen, will nicht so recht zünden: Zwar liefert sich Kopper einen hübschen Kleinkrieg mit einer ebenso hübschen Politesse. Dass die junge Frau am Ende allerdings lediglich auf der Suche nach einem Partner zu sein scheint und Männern in Serie ihre Telefonnummer an der Windschutzscheibe hinterlässt, bedient wiederum ein häufiges Klischee.

Tatort: Tödliche Ermittlungen“ | ARD
Fernsehkrimi
Sonntag, 20.15 Uhr