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Medien & TV „Der ,Tatort‘ war ein Geschenk“
Nachrichten Medien & TV „Der ,Tatort‘ war ein Geschenk“
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07:44 20.01.2015
„Ich werde auch wieder Kino machen“: Schauspielerin Alina Levshin. Quelle: Jörg Carstensen
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Erfurt

Frau Levshin, nach dem Film „Kriegerin“ habe ich vergeblich darauf gewartet, Sie in einer Kino-Hauptrolle wiederzusehen. Warum sind Sie stattdessen ins Fernsehen abgewandert?
Das Gefühl habe ich nicht. Gerade lief „Lügen und andere Wahrheiten“ im Kino. Aber es stimmt natürlich, dass das Fernsehen dominiert. Vieles in unserem Beruf ist Zufall. Wir Schauspieler sind darauf angewiesen, welche Stoffe uns angeboten werden. Ich war auch bei Castings für Kino-Rollen, das hat dann nicht gepasst. Ich habe natürlich immer noch Lust, Kino zu machen, und werde das auch wieder tun. Wissen Sie: Wenn man am Anfang seiner Karriere Erfolg hat, heißt das noch lange nicht, dass es immer so weiter geht. Es gibt in Deutschland viel mehr interessante Rollen im Fernsehen als im Kino.

In der ZDF-Krimireihe „Im Angesicht des Verbrechens“ haben Sie eine ukrainische Prostituierte gespielt und es danach erfolgreich vermieden, in eine osteuropäische Rollenschublade gesteckt zu werden. Lehnen Sie viele solcher Rollen ab?
Ich habe gar kein Problem damit, eine Frau mit osteuropäischem oder russischem Hintergrund zu spielen, solange mich die Figur interessiert. Wenn die Rolle spannend ist und die Frau Russisch spricht, warum nicht?

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Das Ende des Erfurter „Tatorts“ kam überraschend. Woran lag es?
Es gab einfach unterschiedliche Auffassungen, und wenn die nicht beigelegt werden, ist das Ergebnis, dass man sich trennt. Aber das muss nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Bereuen Sie denn, überhaupt mitgemacht zu haben?
Im Gegenteil! Es war eine gute Erfahrung, ich habe viel gelernt über die Medienbranche, über mich und wofür ich stehe. Ich nehme das als Geschenk mit.  

Was hat Sie am „Tatort“ gereizt?
Ich fand das Konzept interessant, ich dachte, meine Figur hat viel Potenzial, die kann sich entwickeln. Da habe ich erst mal ja gesagt. Da lagen mir aber noch keine Drehbücher vor. Die müssen funktionieren, im „Tatort“ genauso wie in jedem anderen Film.

Sie haben gesagt, nach dem Film „Kriegerin“ hätten Sie „noch nicht alles kapiert“ über die Branche. Was mussten Sie noch lernen?
Nach „Kriegerin“ stürzte überdurchschnittlich viel auf mich ein, was ich nicht so schnell verarbeiten konnte. Jeder wollte irgendwas von mir. Nun bin ich entspannter geworden, ich kann anders an Dinge rangehen. Vor allem weiß ich, was mich nicht interessiert, womit ich nicht meine Zeit verschwenden muss.

Und was interessiert Sie?
Das Spannende an meinem Beruf ist, dass man sich überraschen lassen kann. Da ist dieser Moment, wo ein Drehbuch in der Post liegt, ich fange an zu lesen, es entwickelt sich ein Gefühl, eine Fantasie. Dann merke ich, ob ich das in dem Moment brauche oder eben nicht. Wenn nicht, spielt es jemand anderes. Das ist doch eine ganz besondere Freiheit.

Wie gehen Sie damit um, wenn ausgerechnet Sie in „Tatort“-Kritiken als „graumäusig“ bezeichnet wurden?
Wir Schauspieler kriegen die Kritik ab, dabei spielen wir nur die Rollen, die im Drehbuch stehen. Die Kritik trifft mich schon, aber ich habe es sportlich gesehen, zudem finde ich berechtigte Kritik wichtig. Nun ist es vorbei, aber Thüringen behält ja einen „Tatort“. Ich finde es toll, was Christian Ulmen und Nora Tschirner in Weimar machen, die Thüringer können sich über die beiden freuen!

Ihre Familie stammt aus Odessa, damit ist die Ukraine-Krise Teil Ihres Alltags. Waren Sie kürzlich wieder dort?
Es hat sich nicht ergeben. Aber meine ganze Familie lebt dort. Und ich mache mir viele Gedanken, viele Sorgen. Aber ich will jetzt nicht irgendeine Position beziehen. Es muss nicht jeder zu politischen Fragen Stellung nehmen.
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