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00:15 15.07.2013
Vieles spricht dafür, dass der „Polizeiruf 110“ der bessere „Tatort“ ist. Quelle: dpa
Hannover

Der sonntägliche „Tatort“ erfährt stets eine große mediale Aufmerksamkeit, die von der ARD fleißig befeuert wird. Immer wieder neue Ermittler, Rekordzahlen bei Quoten und Onlineabrufen machen die Krimis am Sonntagabend im „Ersten“ zu einem der letzten sogenannten Lagerfeuer der Nation, einem Ritual. Doch gute Quoten hin oder her, in jüngster Zeit regt sich häufiger Kritik. Manchem Fernsehzuschauer sind es mittlerweile zu viele Ermittler, die Drehbücher zu oft Mittelmaß.

Doch es gibt ja noch, den kleinen „Tatort“-Bruder mit DDR-Vergangenheit: das ARD-Format „Polizeiruf 110“. Am Sonntag läuft der letzte „Polizeiruf 110“ vor der Sommerpause, ein exzellenter mit einem beeindruckend intensiv spielenden Matthias Brandt noch dazu. Ein schöner Anlass, um ein paar Gründe zu nenne, warum der „Polizeiruf“ vielleicht doch der bessere Sonntagskrimi ist:

Weniger Filme

Beim „Tatort“ gab es in der vergangenen Saison, die am 23. Juni mit einem Bodensee-Krimi endete, 39 neue Filme. Der „Polizeiruf 110“ ist da weit übersichtlicher. Nur sieben Fernsehfälle gab es diese Saison.

Keine Inflation der Teams

Nach dem Ende des traditionsreichen Ermittlerduos aus Halle verfielen die Verantwortlichen beim „Polizeiruf“ nicht in Aktionimus. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ersetzt die Schauspieler Jaecki Schwarz (67) und Wolfgang Winkler (70) als Ermittlerduo Schmücke/Schneider durch ein neues Team aus Sachsen-Anhalt – und zwar in Magdeburg statt Halle: Claudia Michelsen (44) spielt künftig Hauptkommissarin Doreen Brasch und Sylvester Groth (55) Hauptkommissar Jochen Drexler. Der erste Krimi mit den beiden („Der verlorene Sohn“) soll am 13. Oktober laufen. Beim „Tatort“ ermitteln inzwischen mehr als 20 Teams.

Gelassenheit bei den Quoten

Die Einschaltquoten scheinen beim „Polizeiruf 110“ weniger wichtig zu sein als beim „Tatort“, der öfter auf knallige Themen (Zwangsprostitution) oder große Stars (Til Schweiger) setzt. In der vergangenen „Tatort“-Saison war das Quotenduell zwischen dem neuen NDR-Ermittler Schweiger und dem Klamauk-Krimi-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers aus Münster ein großes Branchenthema. Beide Teams erreichten fast 13 Millionen Zuschauer.

Beim „Polizeiruf“ scheint man alles in allem bescheidener zu sein und sich eher mit dem Inhalt und dem Anspruch der eigentlichen Krimihandlung auseinanderzusetzen – und auch mit der Psyche der handelnden Personen. Letzteres zeichnete die Reihe schon zu DDR-Zeiten aus. Jan Bonny, Regisseur des aktuellen Falls, betont dann auch, das Fernsehpublikum mit seinem neuen „Polizeiruf 110“ fordern zu wollen. „Man kann diesen Film nicht einfach so konsumieren.“

Interessantere Charaktere

Mit dem kantig-norddeutschen Ermittler Alexander Bukow (Charly Hübner) in den Rostocker „Polizeiruf“-Krimis gönnt der NDR der ARD einen außergewöhnlichen Hauptkommissar. Hübner ermittelt auch mal am Rande des Gesetzes, ihm zur Seite steht die selbstbewusste Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) – ein Traumpaar, verbunden in einer Art Hassliebe. Ungewöhnlich ist auch das Team der RBB-Krimis, die in Potsdam und Umgebung spielen: Hauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Revierpolizist Horst Krause (Horst Krause). Die pragmatische Kleinkindmutter Lenski und der bedächtige Boulettenliebhaber Krause bearbeiten ihre Fälle manchmal mit mehr Herz als Verstand.

Im Herzen der Finsternis

Mehrere Polizisten prügeln auf eine Transsexuelle ein. Sie treten sie, stoßen sie schließlich mit dem Kopf gegen die Wand der Ausnüchterungszelle. Sie misshandeln sie so lange, bis sie sich irgendwann nicht mehr rührt. Nur kurze Zeit später ist die junge Frau, die einmal ein Mann war, tot.

Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) nimmt nur widerstrebend die internen Ermittlungen auf. Die Kollegen, die er befragen muss, mauern, auch werden weitere Übergriffe von Beamten der Münchener Polizeiinspektion 25 bekannt. Von Meuffels scheint zunächst lieber gar nicht wissen zu wollen, was genau sich hintern den Mauern der Polizeiwache abgespielt hat – denn er ahnt den Abgrund, in den er blicken wird. Doch die zornig-traurige Freundin des Opfers – großartig: Lars Eidinger als transsexuelle Almandine Winter – motiviert ihn, den Vorfall aufzuklären.

Der neueste „Polizeiruf“ ist ein beklemmender Fernsehfilm, der durch nah abgefilmte, realistisch wirkende Szenen aus dem Polizeialltag etwas Dokumentarisches bekommt. Das ist ungewöhnlich für deutsches Fernsehen und erinnert an Filme aus Skandinavien. Am Ende gibt es keine Erlösung für niemanden, auch nicht für von Meuffels und den Zuschauer.

Trotz der Gewalt und Brutalität, mit der die Polizisten vorgehen, ist der Film kein moralinsaures Stück mit erhobenem Zeigefinger. Autor Günter Schütter und Regisseur Jan Bonny zeigen auch, warum die Polizisten frustriert sind. Von der beklemmenden Aktualität ihres Krimis aufgrund der Vorwürfe gegen gewalttätige Polizisten in Bremen konnten sie beim Dreh noch nichts ahnen.

„Der Tod macht Engel aus uns allen“
Ein Krimi aus der Reihe „Polizeiruf 110“

Sonntag, 20.15 Uhr

Gregor Tholl
/Christiane Eickmann/dpa

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