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Medien & TV Toll, aber teuer
Nachrichten Medien & TV Toll, aber teuer
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21:17 01.05.2015
Ein Kinoerfolg: „Der kleine Drache Kokosnuss“. Quelle: Universum Film
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Kinder lieben Zeichentrick. Und deshalb reiht sich bei sämtlichen Kindersendern eine Animationsserie an die andere. Im Kino erfreut sich das Genre seit vielen Jahren einer immer noch wachsenden Beliebtheit. Davon profitieren auch deutsche Produktionen; zuletzt haben sowohl „Biene Maja“ (produziert von Studio 100) als auch „Der kleine Drache Kokosnuss“ (Caligari Film) jeweils über 900.000 Zuschauer im deutschsprachigen Raum ins Kino gelockt.

Trotzdem ist die Branche in einer Krise. Vom Kino allein kann sie nicht leben, weil Animation aus Deutschland nur im deutschsprachigen Raum erfolgreich ist. Vom Fernsehen wiederum hat sie keine Zuwächse zu erwarten, denn deutsche Kinder- und Jugendproduktionen fristen bei den Kindersendern ein Schattendasein: Das Gros der Animationsserien ist importiert. Die Sender beteiligen sich sogar als Koproduzenten an ausländischen Produktionen. Das ist oft finanziell attraktiver, als selbst eine Serie in Auftrag zu geben, da auf diese Weise mit geringeren Mitteln umfangreichere Rechte erworben werden können, als sie ein deutscher Produzent einräumen würde.

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Die Mitbewerber der einheimischen Produzenten kommen allerdings nicht nur aus dem europäischen Raum, wie Gabriele M. Walter, Geschäftsführerin von Caligari Film, erläutert: „Indische Studios schließen mittlerweile direkte Kooperationen mit den Sendern ab. Finanziell können deutsche Produzenten da nicht mithalten, weil in Indien die Lohnkosten niedriger sind. In einigen Jahren kommt dann auch noch der chinesische Markt dazu.“ Wenn nicht dafür gesorgt werde, „dass ein bestimmter Anteil des Kinderprogramms von deutschen oder zumindest von deutsch produzierten Geschichten geprägt ist, dann werden wir uns irgendwann sehr schwertun, dieses kleine Pflänzchen der hiesigen Animationsindustrie überhaupt am Leben zu erhalten“, so Walter.

Umso mehr ist die Branche darauf angewiesen, dass sich ARD, ZDF und Kika zur einheimischen Animationsproduktion bekennen. Das Problem dabei, sagt Siegmund Grewenig, Leiter des Programmbereichs Unterhaltung, Familie & Kinder sowie Geschäftsführer der ARD-Familienkoordination, sei nach wie vor, „dass es grundsätzlich schwierig ist, aus Deutschland heraus internationale Großproduktionen zu finanzieren. Die TV-Beteiligungen aus Deutschland können immer nur einen Teil der Gesamtkosten aufbringen.“

Tilmann P. Gangloff

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