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Medien & TV Die Katastrophe in Japan und die Rolle des Internets
Nachrichten Medien & TV Die Katastrophe in Japan und die Rolle des Internets
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19:44 15.03.2011
Im Internet haben zahlreiche Firmen und Organisation zu Spenden aufgerufen.
Im Internet haben zahlreiche Firmen und Organisation zu Spenden aufgerufen. Quelle: dpa
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Unterstützung bekommen die Betroffenen dabei aus aller Welt. Ein Helfer der ersten Stunde war – wie schon bei den Beben in Haiti und Neuseeland – war der Internetkonzern Google. Bereits kurz nach den ersten Meldungen von der Naturkatastrophe ging eine Japan-Krisenseite online, auf der es neben aktuellen Informationen zur Strahlenbelastung und zu Evakurierungsplänen auch eine Personen-Suchfunktion gibt. In Googles „Person Finder“ waren bis zum Dienstagabend fast 200 000 Namen von Menschen gelistet, die von Freunden und Angehörigen noch immer gesucht werden oder über deren Verbleib bereits Informationen vorliegen. Ähnlich funktioniert auch die Seite Familylinks des Internationalen Roten Kreuzes, die Familien wieder zusammenführen will.

Die großen japanischen Mobilfunkfirmen greifen seit Freitag zudem auf eine bereits bewährten Onlineservice zurück, der bei allen Beben ab der Stärke 6 freigeschaltet wird. Kunden können neben dem Handy auch über das Internet kostenlos Kurznachrichten verschicken, um Angehörigen mit festgelegten Stichworten wie „Ich bin sicher“ oder „Mir geht es gut“ zu informieren.

Aufräumarbeiten und tausende Flüchtlinge in Japan: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein folgender Tsunami hatten am Freitag weite Teile des asiatischen Landes verwüstet. Die offizielle Zahl der Toten stand am Dienstag bei 2722. Die Behörden fürchten aber, dass mindestens 10.000 Menschen ihr Leben verloren haben, weil Tausende weiter vermisst werden.

Das soziale Netzwerk Twitter veröffentlichte im Unternehmensblog zudem spezielle Schlagworte, mit denen die Nutzer Hilfsnachrichten absetzen können. Hat ein Nutzer seine Kurzbotschaft mit dem Schlagwort #J_j_helpme versehen, wird sie automatisch an die Rettungskräfte vor Ort weitergeleitet. Mit #Hinan sollen Nachrichten über mögliche Evakuierungen versehen werden, über #331care können medizinische Informationen ausgetauscht werden.

Twitter ist zudem ein bei Internetnutzer stark frequentierter Kanal, um aktuelle Eindrücke von der Situation vor Ort zu liefern und zu bekommen. So erzählen zahlreiche Twitterer von Nahrungs- und Trinkwassermangel in den Erdbebengebieten. So schrieb Patrick Fuller, Sprecher des Roten Kreuzes in der Region Asien-Pazifik, via Twitter: "Die Situation in Otsuchi ist verzweifelt. Überlebende suchen jetzt nach Essen in den Schiffswracks."

In der Stunde der Katastrophe ergreifen viele Japaner selbst zur Initiative im Netz. Wie Ryozo Saito aus Tokio, der im sozialen Netzwerk Facebook die Gruppe „Radioactive Now“ gegründet hat. Der Mediziner führt seit Sonntag regelmäßig Strahlenmessungen in der Millionenmetropole durch und veröffentlicht Fotos mit den Ausschlägen seines Geigerzählers. „Danke, Du bist schneller als die Regierung“, schreibt ein Nutzer.

Trotz des Erdbeben hat die Netzgemeinde ihren Humor noch nicht verloren. Am Montag starteten Twitter-Nutzer eine Kampagne, mit der Yukio Edano, Regierungssprecher und derzeit das öffentliche Gesicht der Katastrophe, dazu bewegt werden sollte, sich eine kurze Pause zu gönnen: #edano_nero - "Edano, geh schlafen", schrieben sie in ihre Kurznachrichten. Das Schlagwort wurde so schnell verbreitete, dass es zeitweise die Twitter-Trends in Japan anführte. Weniger freundlich ist hingegen ein anderes Schlagwort gemeint, das auf Japans Premier Naoto Kan abzielt: #kan_okiro heißt übersetzt so viel wie: Kan, bleib im Bett!

frs

15.03.2011